Kinder-Uni 2010
Eine Vorlesung zum Mitmatschen
29.07.2010 | 22:02 Uhr 2010-07-29T22:02:00+0200
Iserlohn.Mitmachen wird bei der Kinder-Uni ja stets groß geschrieben. Die Vorlesung am Donnerstag mit Martin Rudolf Schmidt war da ganz besonders nach dem Geschmack der Kinder.
Denn Mitmatschen war angesagt im Audimax der Fachhochschule. Mit den Fingern in Plastiktassen mit einem Stärke-Wasser-Gemisch sollten die kleinen Studenten selber die Eigenschaften einer so genannten nichtnewtonschen Flüssigkeit erkunden. „Wenn man sie schnell umrührt, wird sie fester. Taucht man den Finger hingegen langsam ein, ist sie flüssig“, hatte der Lüdenscheider Diplom-Ingenieur und Lehrer zuvor das Alltagsphänomen erläutert, das er sonst auch als ehrenamtlicher Mitarbeiter den kleinen und großen Besuchern der „Phänomenta“ näher bringt. Der erste externe Referent in der von Heimatzeitung, Radio MK und FH Südwestfalen organisierten Kinder-Uni-Reihe hatte das auch bereits zuvor anschaulich demonstriert, als er mit der Hand kräftig in eine flache Schale mit dem Gemisch schlug: Fast kein Spritzer verschmutzte die Umgebung. „Wenn die einzelnen Partikel der Stärke schnell bewegt werden, verkeilen sie sich ineinander.“ Das kann sogar dazu genutzt werden, bei entsprechend schneller Fingerfertigkeit eine Kugel aus der Mischung mit drei Teilen Stärke und zwei Teilen Wasser zu formen, wie Schmidt den begeisterten Kindern zeigte.
Nicht nur bei flüssigen, sondern auch bei festen Stoffen finde sich diese Eigenschaft, so zum Beispiel bei Sand: „Laufe ich den Strand schnell entlang, ist der Boden hart, bewege ich mich nur langsam, sinke ich leichter ein.“ Deswegen dürfe man auch in Treibsand nicht hektisch sein, da man dann keine Chance habe zu entkommen. Die Industrie mache sich genau diesen Vorteil zu Nutze, so zum Beispiel bei Schutzkleidung für Motorradfahrer: „Die ist weich, wenn ich mich normal bewege, wird jedoch richtig hart, wenn ich plötzlich stürze.“
Und die nichtnewtonschen Stoffe begegnen uns noch häufiger im Alltag, meist jedoch mit der umgekehrten Eigenschaft, dass sie nämlich flüssiger werden, je schneller man sie bewegt. So wie Ketchup, der erst nach heftigem Schütteln, aber dann zumeist alles auf einmal aus der Flasche kommt. Dieses Problem, das Schmidt zusammen mit einer Gruppe Kinder-Studenten als „Ketchup-Teilchen“ praktisch vorführte, lasse sich auch trotz aller Bemühungen der Wissenschaft nicht lösen: „Ketchup ist nun mal einfach so.“ Weswegen die Hersteller eben irgendwann auf Plastikflaschen gesetzt habe.
Die Kinder-Uni 2010 endet am Donnerstag, 5. August, um 15 Uhr mit Prof. Dr. Anne Suse Schulz-Beenken und der Antwort auf die Frage „Warum sank die Titanic?“.
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