Eine Traumfabrik im DIN-A3-Format

Soll das Kopfkino in Sachen Sprachförderung anregen: Seit zwei Monaten beschäftigen sich die Kinder in der Kita Ortlohnstraße regelmäßig mit dem japanischen Kamishibai-Theater.
Soll das Kopfkino in Sachen Sprachförderung anregen: Seit zwei Monaten beschäftigen sich die Kinder in der Kita Ortlohnstraße regelmäßig mit dem japanischen Kamishibai-Theater.
Foto: IKZ
Was wir bereits wissen
Sprachförderung mit japanischem Kamishibai-Theater: Der Kindergarten an der Ortlohnstraße beschreitet mit seinem pädagogischen Konzept neue Wege

Iserlohn..  Tamar schlägt die Triangel, der Raum ist dunkel, vorne leuchtet eine Leinwand auf, eine Traumfabrik im DIN-A3-Format, kaum größer als ein Zeichenblock. Selina zieht ihr Stofftier mit dem naheliegenden Namen „Bär“ an sich, dann geht es los.

Kinder greifen ein und kommentieren

Die Geschichte handelt von Betül, einem türkischen Mädchen während der Fastenzeit. Betül träumt von Pizza, frischem Obst und Limonade, nur essen darf sie nichts. Zu Vorstellungsbeginn sitzen die rund zehn Drei- bis Vierjährigen auf einer Stufe, rücken dann aber mehr und mehr vor, bis sie in Greifweite zur Leinwand stehen und sich eifrig am Geschehen beteiligen, beschreiben, kommentieren.

Vorne wechselt Erzieherin Annette Renfordt die Bilder und gibt kurze Erklärungen dazu ab. Für die Kinder ist das hier gewissermaßen ein Daumenkino im Miniatur-Leinwand-Format. „Es ist so ähnlich wie Vorlesen aus einem Bilderbuch, nur erreicht man mehr Kinder auf einmal“, erklärt Annette Renfordt.

Seit gut zwei Monaten gibt es hier im Kindergarten an der Ortlohnstraße regelmäßig solche und ähnliche Vorführungen. Bei den älteren Kindern wird fast nur noch vorgetragen, die jüngeren tragen meist ihre Gedanken zu dem Gesehenen vor.

Die Methode nennt sich „Kamishibai-Theater“ und stammt aus Japan. Hauptziel ist eine alltagsintegrierte Sprachförderung. Weil es beim nahen Sommerfest der Einrichtung um Internationalität, um „Alle Kinder dieser Welt“ gehen soll, ist diesmal unter anderem der muslimische Fastenmonat Ramadan ein Thema.

Auch deutsche Kindermit Sprachproblemen

Knapp 50 Kinder besuchen regelmäßig den Kindergarten an der Ortlohnstraße, zwischen 70 und 80 Prozent haben einen Migrationshintergrund, einige sprechen nur ein paar Brocken Deutsch. „Es gibt aber auch viele deutschstämmige Kinder, die Probleme mit der Sprache haben“, sagt Renfordt.

Sprache – das ist die Grundlage für alles, was in ihrem künftigen Leben an Bildung auf die Kinder zukommt. Die frühe Förderung in diesem Bereich ist darum in den meisten Kitas inzwischen wichtigster Bestandteil des pädagogischen Konzepts.

„Man merkt gleich, ob Kindern zu Hause vorgelesen wird oder ob die Eltern sie mit Fernsehen und Handy beschäftigen. Auch da müssen wir hier mit unserer Arbeit entgegenwirken“, sagt Annette Renfordt.