Eine Schule im Sog der Musik

Ohne Scheu ins erste Solo vor 800 Leuten: Die Kinder aus der Musikklasse 5.6 üben gerade seit einem halben Jahr auf ihren Instrumenten und haben am Donnerstag ihre „music-and-more“-Premiere gefeiert.
Ohne Scheu ins erste Solo vor 800 Leuten: Die Kinder aus der Musikklasse 5.6 üben gerade seit einem halben Jahr auf ihren Instrumenten und haben am Donnerstag ihre „music-and-more“-Premiere gefeiert.
Foto: Michael May IKZ
Was wir bereits wissen
Rund 150 Kinder und Jugendliche zeigen im Parktheater, wie die Gesamtschule klingt

Iserlohn..  „JazZination“ schreitet weiter forsch voran. Auch nach dem wohl schmerzhaftesten personellen Umbruch ihrer noch jungen Geschichte ist die Big Band der Gesamtschule Iserlohn eine Wucht. Beim traditionellen Musikabend der Gesamtschule „music and more“ am Donnerstag im Parktheater durfte sich das Publikum im ausverkauften Haus über diese jüngste Entwicklung freuen. „JazZination“ setzte da unter der Leitung von Wilfried Pieper erneut einen krönenden Schlusspunkt unter einen langen und höchst abwechslungsreichen Konzertabend.

Deutlich wurde dabei, wie gut der Name zu dieser Band passt. Denn „JazZination“ strahlt eine unbändige Faszination aus, die die ganze Schule mit Musik ansteckt. Das reist auch sämtliche Musikklassen mit, denen am Donnerstag der erste Konzertteil gehörte. Das Niveau wird hier von Jahr zu Jahr spürbar getoppt. Schon die Fünfer – gerade mal ein halbes Jahr mit ihren Instrumenten vertraut – verstehen sich offensichtlich als legitime Nachfolger der Großen von „JazZination“ und entern angetrieben von ihrem Leiter Hermann Dörnen mit breitester Brust die Bühne, lassen ein erstes Stück im vollen Big-Band-Sound hören und trauen sich ohne Scheu als Gesangs- und Instrumentalsolisten vor 800 Zuschauern ans Mikrofon im Rampenlicht.

Tolle Leistungen vonganz normalen Schulklassen

Danach steigert sich das Ganze über die Sechser (Leitung Karin Heß-Wendel), Siebener (Leitung Hermann Dörnen) bis zu den Achtern, die älteste Musikklasse, die unter der neuen Leitung von Wilfried Pieper noch mal einen Satz nach vorne gemacht und sich nun mit einem großartigen Auftritt verabschiedet hat. Das ist wohlgemerkt keine Auswahl-Band, sondern eine ganz normale Schulklasse, die seit etwa dreieinhalb Jahren zusammen Musik macht.

Deutlich wird der Sog von „JazZination“ und dem ganzen musikalischen Schwerpunkt der Gesamtschule aber auch an dem vollkommen freiwilligen Schüler-Engagement, das sehr eindrucksvoll in zwei Tanztruppen sichtbar wurde. Drei Mal in der Woche opfern zum Beispiel die älteren Schülerinnen Joyce Schmelzer, Kristin Stamm und Sofia Dodt ihre großen Pausen, um mit rund einem Dutzend Mädels aus den unteren Klassen Cheerleader-Choreographien für die schuleigene Pausen-Fußball-Liga am Nußberg einzuüben. Und auch die Schülerin Benit Malu trainiert in ihrer Freizeit eine Hip-Hop-Truppe, die ebenfalls eine mitreißende Kostprobe ihre Könnens beisteuerte. Die ganze Schule scheint vor Spaß an Musik und Bühnen-Show zu sprühen. Auch wenn der Literaturkurs der Stufe 12 wegen des Flugzeugabsturzes lieber keine Auszüge aus seinem wohl recht düster geratenen Stück, das in einer Pathologie spielt, geben wollte. Dafür sangen die Mitglieder der Musical-AG der Stufen fünf und sechs als Chor. Und die Nachwuchs-Auswahl-Band „JazzTeens“ als musikalische Vorstufe von „JazZination“ gewinnt mit Hermann Dörnen als Leiter immer mehr an eigenem Profil und klanglichem Format. Zu Recht dürfen die zum Teil noch sehr jungen Musiker die Gesamtschule bei den Iserlohner Jazztagen am 19. April in der Fachhochschule vertreten sein.

Instrumentallehrerverjazzen „Atemlos“

So viel Schwung von unten wirkt sich dann auch auf das Kollegium aus, das an diesem Abend stärker als sonst eingebunden wurde. Erstmals haben mit Sabine Oltersdorf und Michael Spatz zwei Musiklehrer die Moderation übernommen, die gerne auch mal aus dem Insider-Nähkästchen plauderten und besonders die großen Protagonisten des Abends, Wilfried Pieper und Hermann Dörnen, in den Mittelpunkt stellten – ansonsten aber auf sehr musikalische, geradezu multi-instrumentalistische Weise durch den Abend führten. Höhepunkt dabei war eine Swing-Version von „Atemlos“ mit den fast kompletten Instrumentallehren als Jazz-Band.

Höhepunkt war dann aber „JazZination“, die trotz aller Erfolge der Vergangenheit schon wieder auf der Suche nach neuen Herausforderungen sind und dabei auf jeden Fall weiter großformatig denken. Das letzte August-Wochenende sollten sich schon Mal alle Fans der Band frei halten (siehe Infokasten).