Ein Waschsalon der ganz besonderen Art

Freuen sich über die neue Waschhaus-Optik: Marketing-Leiterin Beatrix Schönekeß, Graffiti-Künstler Stefan Dressler und Wohnungsverwalter Volker Klodt.
Freuen sich über die neue Waschhaus-Optik: Marketing-Leiterin Beatrix Schönekeß, Graffiti-Künstler Stefan Dressler und Wohnungsverwalter Volker Klodt.
Foto: IKZ
Was wir bereits wissen
Das IGW-Waschhaus in Gerlingsen ist das einzige seiner Art und viel mehr als nur ein Ort für dreckige Wäsche.

Iserlohn..  An der Tür hängen einsame Socken, deren Besitzer wohl glauben, sie seien für immer in den Tiefen der Waschmaschinen verschwunden, in einer Ecke plustert sich gerade ein mit Heißluft betriebener Hemdenbügler auf, und in einem der Wäschekörbe hat es sich ein Hunde-Welpe auf eigentlich zu waschenden Couch-Decken bequem gemacht. Aus diesem Waschgang wird heute wohl nichts. Tanja Michler hatte den Kleinen erst vor drei Tagen gefunden. Seine Besitzer hatten ihn auf einem Autobahn-Rastplatz ausgesetzt. Einen Namen hat er noch nicht, aber alle im Gerlingser Waschhaus sind dermaßen verschossen in den kleinen Kerl, dass es sich wohl niemand trauen wird, ihn aus seinen Couchdecken zu vertreiben.

Waschmaschinen in den Wohnungen nicht vorgesehen

Dieses Waschhaus in Gerlingsen ist ein höchst eigentümlicher Ort. Als die Iserlohner Wohnungsbaugesellschaft vor mehr als 50 Jahren die Hochhäuser an der Barbarastraße gebaut hat, hat sie keine Waschküchen eingerichtet. Es war seitens der IGW einfach nicht vorgesehen und auch nicht erwünscht, dass die Mieter eigene Waschmaschinen nutzen.

Dafür hat sie aber an zentraler Stelle dieses Waschhaus errichtet, das von den IGW-Bewohnern genutzt werden sollte. Eine Art Experiment, das sich im großen Stil nicht durchgesetzt, in Gerlingsen aber verblüffenderweise überlebt hat. Und so ist das Gerlingser Waschhaus in dieser Form als inzwischen öffentlicher Waschsalon einer Wohnungsbaugesellschaft das einzige seiner Art in ganz NRW – mindestens. Mit neuem Konzept und seit vergangener Woche, in der die Graffiti-Künstler Stefan Dressler, Konrad Jenkner und Christopher Plonski die Fassade mit einem farbenfrohen Blick in die Waschmaschine verschönert haben, sogar mit einer modernen und gar nicht mehr so grau-tristen Optik wie zuvor.

Das gefällt auch Tanja Michler ausgesprochen gut, die den Waschhausbetrieb leitet. Als fest angestellte IGW-Mitarbeiterin hält sie jeden Tag – außer sonntags – feste Öffnungszeiten bereit, an denen die sechs Maschinen und die drei Trockner laufen.

Offen ist das Haus inzwischen nicht nur für IGW-Mitglieder, sondern für jeden, der seine dreckige Wäsche waschen möchte oder auch nur die praktischen Hemdenbügler oder die große Mangel für Tischdecken oder Gardinen nutzen und dabei natürlich auch den Service von Tanja Michler genießen möchte. 24 Stammwäscher mit festen Waschzeiten hat sie derzeit, alle anderen Termine werden telefonisch frei vergeben. Unter den Kunden seien auch jede Menge Geschäftsleute, die eigens wegen ihrer Hemden nach Gerlingsen kommen.

In maximal zwei bis drei Stunden ist alles sauber

„Das ist doch optimal, besser geht’s gar nicht“, sagt Christiane Engelberdt, eine der IGW-Mieterinnen aus der direkten Nachbarschaft, die das Waschhaus nach wie vor nutzen. In maximal zwei bis drei Stunden sei hier die Wäsche einer ganzen Woche fix und fertig. „Warum sollte ich das zu Hause machen und mir die nasse Wäsche zum Trocknen in die Wohnung hängen?“

Christiane Engelberdt wohnt seit mehr als 30 Jahren in Gerlingsen und kann sich noch gut an die ursprüngliche Nutzung des Waschhauses erinnern, als eigene Waschmaschinen in den IGW-Häusern tatsächlich noch nicht so weit verbreitet waren. Montagsmorgens habe man da ziemlich früh da sein müssen, um eine Waschzeit für die Woche zu bekommen.

Ein Riesenandrang sei das damals gewesen, was sich dann aber geändert habe, weil das Waschhaus anfangs nur vormittags geöffnet hatte und immer mehr Frauen berufstätig wurden und einfach mehr keine Zeit für den morgendlichen Waschgang hatten. Es wurde immer mehr nach Feierabend zu Hause gewaschen.

Nachbarschaftstreffpunktfür ein kleines Prölken

Erst als das neue Konzept mit Öffnungszeiten auch am Nachmittag und nicht nur für IWG-Mieter eingeführt wurde, habe das Waschhaus wieder deutlich an Attraktivität gewonnen. „Es gibt so einige Mieter hier, die ihre Waschmaschine wieder verkauft oder verschenkt haben und zurück gekommen sind“, sagt Tanja Michler.

Auch, weil man sich im Waschhaus gegenseitig helfen kann, wenn man es doch mal eiliger hat, und weil das Waschhaus immer auch ein Nachbarschaftstreffpunkt für ein Prölken war. Das gesellschaftliche Zentrum zwischen den IGW-Häusern quasi, in dem Tanja Michler auch Kaffeespezialitäten anbietet und in dem die Stammwäscher sogar Karneval und Weihnachten feiern.

Dass das Haus mehr ist als nur ein Waschhaus, hat auch die IGW-Leitung erkannt. Marketing-Leiterin Beatrix Schönekeß hatte sich bei der Vorstellung des neuen Anstrichs des Hauses auch sehr begeistert von dieser einzigartigen Einrichtung und ihrem ganz besonderen und leicht skurrilen Flair gezeigt. Sie könnte sich hier noch viel mehr vorstellen, an so etwas wie die Comedy-Reihe „Night-Wash“ hatte sie schon mal gedacht. „Dafür ist es aber zu klein hier“, sagt sie. Aber trotzdem: Vielleicht macht das Waschhaus ja noch richtig Karriere.