Ein unterhaltsamer Wahrheitssuchender
11.11.2011 | 17:38 Uhr 2011-11-11T17:38:00+0100
Iserlohn.„So unterhaltsam hätte mein Literaturkurs im Deutschunterricht mal sein müssen, dann hätte ich da auch mehr Spaß dran gehabt“, das meinte eine Besucherin des Parktheaters am Donnerstagabend, nachdem sie „Alles oder Nichts“ mit Oliver Steller scheinbar genossen hat.
Der Rezitator und Musiker stellt diesmal Gotthold Ephraim Lessing in den Mittelpunkt, einen Dichter der Aufklärung, der, so Steller, leider 150 Jahre zu früh an seinen zahlreichen Werken gearbeitet hat. Denn dieser Kritiker und Aufklärer stößt im ausklingenden Barock mit seinen Werken weitgehend auf Unverständnis, ist seiner Zeit weit voraus. Und Lessing ist auch ein Schrecken für Biographen, zu unstet war sein Leben, mit abgebrochenem Theologie- und Medizinstudium, immer wieder wechselnden Wohnorten und den zahlreichen Berufswechseln, als Zeitungskritiker, als Sekretär von General Tauentzien, als gescheiterter Theaterintendant und noch vielem mehr.
Steller und seine beiden Musiker, Bernd Winterschladen am Saxofon und Dietmar Fuhr am Kontrabass, bringen überaus einfühlsam dieses rastlose Leben und diese zerrissene Persönlichkeit, Lessing war auch ein Spieler, der mehrere Monatsgehälter an einem Abend verzocken konnte, näher. Immer feinsinnig aber auch mit dem zwinkernden Augenaufschlag, der Oliver Steller so auszeichnet. Und die jazzige Musik interpretiert die sehr unterschiedlichen Gefühlslagen des Aufklärers Lessing in perfekter Weise. Herder hat über seinen Dichterkollegen geschrieben, er sei ein Autor von europäischem Format, ein Wahrheitssuchender, ein Wahrheitskenner und ein Wahrheitsverfechter.
Lessing war aber auch ein Mensch, der vom Glück nicht verfolgt wurde, in seiner Lebenszeit nie die Anerkennung fand, die ihm bis heute zuteil wird. Denn Lessing ist der erste deutsche Dramatiker, dessen Werk bis heute kaum von einem Theater-Spielplan wegzudenken ist. Vielleicht gerade wegen der von Herder beschriebenen Charakterzüge. Wie unterhaltsam der Dramatiker Lessing sein kann, auch das machte Oliver Steller an diesem Abend deutlich.
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