Ein Theaterabend, der in die Annalen eingeht
23.10.2008 | 23:54 Uhr 2008-10-23T23:54:00+0200
Iserlohn. „Ein Wiedersehen auf der Bühne wäre wundervoll. Denn das war wirklich ein ganz toller Abend, und das ist ein wundervoller Ort hier.” Den Worten von Jacques Breuer beim „Nah dran”-Talk bis kurz vor Mitternacht konnte sich ein restlos begeistertes Publikum im Parktheater nur anschließen.
Denn was die „Komödie am Kurfürstendamm” am Mittwoch bei der von Kulturbüro, Privatbrauerei und Heimatzeitung präsentierten Tournee-Premiere von „Außer Kontrolle” geboten hatte, war wirklich Spitzenklasse. Von der ersten Minute an sorgte das aberwitzige Stück des britischen Erfolgsautors Ray Cooney, das mit aktuellen Anspielungen gespickt und auf die deutsche Politik umgemünzt worden war, für unzählige Lacher, immer wieder gab es Szenenapplaus. Wer gedacht hatte, dass sich die leicht frivole Geschichte um Minister Richard Willy (Romanus Fuhrmann), der beim Schäferstündchen mit der Sekretärin der Opposition (Viola Wedekind) eine vermeintliche Leiche findet, die sein Sekretär Kurt Ritgen (Jacques Breuer) beseitigen soll, an Tempo und Witz eigentlich nicht noch mehr steigern ließ, wurde bis zum Schluss ständig eines Besseren belehrt. Der Einfall, das zweistündige Stück zum Abschluss im Zeitraffer in zwei Minuten erneut zu präsentieren, verlangte den Schauspielern noch einmal alles ab und wurde mit reichlich Applaus belohnt, der nur endete, weil das „Nah dran” lockte.
„Dieser Theaterabend wird in die Annalen der Boulevard-Reihe eingehen”, verneigte sich Redaktionsleiter Thomas Reunert vor der Leistung des Ensembles, das nach der Schwerstarbeit noch komplett zur Talkrunde erschien. „Sie waren aber auch wirklich ein ganz tolles Publikum”, gab Regisseur Martin Woelffer das Lob zurück. Anders als in Berlin, wo einem die Zuschauer immer erst das Gefühl geben würden, ins Theater gezwungen worden zu sein, würde man den Iserlohnern anmerken, dass sie gerne kommen. Woelffer erzählte von der „geliebten Bürde” der Übernahme des Familienbetriebs, der „Hausbesetzer”-Rolle in Ermangelung des Theater-Mietvertrags und dem fehlenden deutschen Komödien-Autoren-Nachwuchs: „Die Guten schreiben alle für die Comedians im Fernsehen.”
„Außer Kontrolle” sei schwieriger zu spielen als manch ernstes Stück, bekannte Romanus Fuhrmann, nicht zuletzt wegen der körperlichen Anstrengung, die sich im Verlust von zwei Litern Flüssigkeit während der Vorstellung niederschlägt. Wie auch bei Jacques Breuer, „Deutschlands beliebtestem Serienmörder” aus unzähligen „Derrick”- und „Der Alte”-Folgen, der aber noch lieber auf der Bühne steht und das - spätestens nach der Hochzeit im August auf einer kleinen Südseeinsel - am liebsten mit Viola Wedekind: „Herbert Herrmann und Nora von Collande sind unsere große Vorbilder”, bekannte die rundum glückliche Schauspielerin.
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