Ein Straßenfest für mehr Vielfalt
14.09.2008 | 10:30 Uhr 2008-09-14T10:30:00+0200
Iserlohn. Rund 3000 Besucher strömten am Samstag zum achten Christopher Street Day der Schwul-Lesbischen Initiative Märkischer Kreis am Iserlohner Marktplatz, um unter dem Motto "Für mehr Vielfalt" ein buntes Bühnenprogramm mit viel Information zu erleben.
Jörg Dilthey vom Travestie-Duo „Ham & Egg” war es, der Petrus höchstselbst eine gewisse „homophile Neigung” unterstellte. Angesichts des grausigen Regenwetters am Samstgmorgen, das nach dem Startschuss zum Christopher Street Day (CSD) im Handumdrehen einem angenehm sonnigen Spätsommertag wich, konnte man tatsächlich auf eine solche Idee kommen.
Unter dem Motto „Für mehr Vielfalt” war es der inzwischen achte CSD, den die Schwul-Lesbische Initiative Märkischer Kreis (SLIMK) in Iserlohn veranstaltet hat. Und erneut waren die Organisatoren mit Verlauf und Besuch hoch zufrieden. An das Rekordjahr 2006, als SLIMK ihr schwul-lesbisches Straßenfest erstmals auf den Marktplatz ins Herz der Stadt verlegt hatte und rund 5000 Menschen an dem schrill-bunten Treiben teilnahmen, kam man zwar auch in diesem Jahr nicht wieder heran, aber mit rund 3000 Besuchern über den ganzen Tag verteilt war der Zuspruch ähnlich hoch wie im vergangenen Jahr.
Denn ganz gleich, wie das Wetter auch ist, als Ausrichter des letzten CSD der Saison in ganz Nordrhein-Westfalen können sich die „SLIMKys” immer auf großen Zuspruch aus dem Ruhrgebiet und ganz Südwestfalen verlassen. Und so konnte man doch den ein oder anderen kostümierten CSD-Profi in Iserlohn entdecken - auch wenn die bunt gefiederten Paradiesvögel klar in der Unterzahl waren.
Natürlich gehört zum CSD nicht nur ein vielfältiges Bühnenprogramm, das am Samstag die Stadt erneut von 11.30 bis 21.30 Uhr zehn Stunden lang in Atem gehalten hat, sondern auch viel Information, Aufklärung und unermüdlicher Kampf für die Gleichberechtigung der homosexuellen Menschen in diesem Land. Dagmar Freitag, SPD-Bundestagsabgeordnete und eine von vielen politischen Rednerinnen des Tages, bedauerte es sehr, dass die homosexuelle Sache in der großen Koalition ins Stocken geraten sei und man in Berlin bei weitem nicht die Fortschritte erzielt habe, die sie selbst gerne gesehen hätte. Der Sänger Holger Edmaier brachte die Probleme der Schwulen und Lesben im Alltag so auf den Punkt: „Solange es noch eine Mutter eines schwulen Sohnes gibt, die sich fragt, was sie in der Erziehung bloß falsch gemacht hat, haben wir noch viel zu tun.” Stände unter anderem der AIDS-Hilfe, der DROBS, des lesbisch-schwulen Zentrums Siegen „Andersroom” und der politischen Parteien des linken Spektrums, die für die Gleichbehandlung von Homosexuellen eintreten, komplettierten das Informationsangebot.
Das oben schon erwähnte Travestie-Duo „Ham & Egg” gehörte im Showteil zu den Abräumern, die schon am frühen Abend den kompletten Marktplatz in ihren Bann zogen. Im November sind „Ham & Egg” mit ihrer kompletten Show im Parktheater zu sehen. Denn nachdem das Art-Café in Hemer geschlossen hat, hat SLIMK seinen Hauptstützpunkt für ihre kulturellen Abende verloren. Nun will man sich nach Iserlohn orientieren, sucht aber noch nach einer geeigneten Spielstätte für kleinere Veranstaltungen.
Später am Abend waren es dann „ABBA dacapo”, die mit Hits der schwedischen Super-Group den Platz zum Kochen brachten, bevor es zur Party ins „Schappo” ging. Zwischendurch legten die Besucher wie in den vergangenen Jahren eine „Minute der Toleranz” ein, in der sie den Platz in Schweigen und Kerzenlicht tauchten und so für den wohl eindrucksvollsten Moment des Tages sorgten.
Am Rande sei bemerkt, dass das organisatorische Drumherum des Festes vom liebevoll und einladend dekorierten Backstage-Bereich bis zur freundlich-witzigen und alles andere als überkandidelten Moderation Maßstäbe gesetzt hat: Eine gewisse schwul-lesbische Ader bei der Gestaltung der kleinen aber feinen Details täte wohl jedem ähnlich gearteten Fest ganz gut.
15:58
Ein wunderschönes Fest. Selten sah man so viele Generationen und unterschiedliche Lebensgemeinschaften friedlich zusammen feiern.
EIn dickes Lob allen, die dieses Fest auf die Beine gestellt haben.