Ein musikalisches Kleinod
06.02.2012 | 15:48 Uhr 2012-02-06T15:48:00+0100
Iserlohn.Da staunten sie nicht schlecht, die sechs Musiker des Ensembles „The Blackstix“, angeführt vom Letmather Musikschulleiter Roland Kirch. Eine rappelvolle Oberste Stadtkirche, in der noch Stühle herbeigeschafft werden mussten, erwartete die sympathischen Künstler, die eher an kammermusikalische Räumlichkeiten gewöhnt sind.
Franziska Haake, Svenja Vanessa Fehring, Leonie Kerkmann, Lars Lindemann und natürlich Roland Kirch stehen für ein Projekt, in dem Routiniers und jugendliche Talente zu einer außergewöhnlichen musikalischen Einheit zusammen gewachsen sind. Und niemand musste sein Kommen bereuen, boten die sechs Klarinettisten, begleitet von Roman Galonska am E-Bass doch ein außergewöhnliches, abwechslungsreiches Programm, das von Roland Kirch zuhörerfreundlich zusammengestellt war.
Argentinische Tangos wechselten mit Klezmer-Stücken ab, so dass beide Stilrichtungen nie Gefahr liefen, Langeweile oder Ermüdung aufkommen zu lassen. Mit dem hebräischen „Hava nagila“ eröffneten die Blackstix das Programm und demonstrierten hierbei gleich ihr perfekt aufeinander abgestimmtes Zusammenspiel. Der stete Wechsel von Beschleunigung und Verlangsamung des Tempos gelang im wahrsten Sinne des Worte spielerisch und auch bei der Hervorhebung einzelner Instrumente benötigte es - wenn überhaupt - nur eines ganz kurzen Blickkontaktes. Mit dem Tango „El Chocio“ ging es dann aber geradewegs nach Südamerika.
Das wunderschöne „Balada par un loco“ des vielleicht berühmtesten Klezmer- Klarinettisten Giora Feidmann leitete zu den eben erwähnten Klezmer-Stücken über. Obwohl im Moll gehalten, strahlten die beiden folgenden Miniaturen jedoch eine enorme Fröhlichkeit aus und Roland Kirche bestätigte diesen Eindruck mit dem Hinweis, dass es sich um Hochzeitstänze handele.
Der vielleicht populärste Tango „La cumparsita“ von Leroy Anderson führte wieder nach Argentinien, bis die dreiteilige „Klezmer Suite“ jene Musik in den Vordergrund rückte, um die sich die „Blackstix“ besonders verdient gemacht haben. Dem begeisterten Publikum wurden als Zugaben noch der „Kriminaltango“ und „Something stupid“, im Original gesungen von Frank und Nancy Sinatra, sozusagen als leichtfüßiger Abschied geboten, und nun hielt es viele Zuhörer vor Begeisterung nicht mehr auf den Sitzen. Nimmt man das hohe musikalische Niveau im Zusammenspiel von „alten Hasen“ und jungen Talenten, die lockere, ebenso witzige wie informative Moderation von Roland Kirch und das außergewöhnliche Programm eines nicht gerade häufig anzutreffenden Klarinettenensembles zusammen, so kann Iserlohn froh darüber sein, ein solches musikalisches Kleinod zu besitzen. Und Roland Kirch bewies einmal mehr, dass die Musikschule Letmathe weit mehr als eine „Zweigstelle“ darstellt.
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