Ein Meister der spontanen Rede

Bei Jochen Malmsheimer
Bei Jochen Malmsheimer
Foto: IKZ
Was wir bereits wissen
Der Kabarettist Jochen Malmsheimer zog mit seiner Fabulierkunst im Parktheater alle Register

Iserlohn..  Es geht ums Sprechen: Jochen Malmsheimer macht das gerne, sehr viel und zudem außerordentlich gut. Wenn sich der 53-jährige Kabarettist aus Essen auf die Bühne stellt, dann wird es nicht nur leicht absurd – wie der Titel seines aktuellen Programms „Ich bin kein Tag für eine Nacht oder: Ein Abend in Holz“ schon erahnen lässt – und es geht es auch nicht nur um Kabarett, es geht vor allem in Sachen Sprachkunst ganz hoch hinaus. So auch am vergangenen Donnerstag, als Malmsheimer etwa 800 Leute im Parktheater an die Wand redete. Und wehe einer muckt auf – dann gibt es sofort was mit der Rhetorik-Peitsche.

Von tiefem Brummen bis zum höchsten Fisteln

Malmsheimer zieht dabei alle Register. Allein stimmlich lässt er vom tiefsten Brummen bis zum höchsten Fisteln und vom leisesten Hauchen bis zum lautesten Gebrüll alles hören, was man noch sprechen nennen kann. Vor allem regt er sich gerne auf – natürlich am liebsten über die Gesprächszustände in unserem Land. Moderatoren-Gewäsch wird da in der wunderbaren Hörfunk-Show „Kochen mit Jochen“ ad absurdum geführt, das Nicht-Sprechen der Männer natürlich auch, und Kneipengespräche hat der Mann auf Lager, dass das Publikum aus dem Johlen gar nicht mehr herauskommt.

Malmsheimer, der auch ein Meister der spontanen und freien Rede ist, liest in den besten Momenten aber geschriebene Texte vor, bei denen das Publikum förmlich in Fabulierkunst von allerfeinstem Schliff ersäuft.

Höhepunkt ist dann ein etwa halbstündiges Ein-Mann-mit-Hundert-Stimmen-Hörspiel, das nach dem alten Otto-Motto „Leber an Großhirn“ die innerkörperlichen Befehlsketten eines Pubertiers in der Disko wiedergibt. Die Idee ist alt und geht wohl schon auf Woody Allens Sperma-Sketch zurück, Malmsheimer setzt aber mit seiner Detail-Versessenheit tatsächlich noch mal einen drauf.

Das ist Sprachalarmauf allen Ebenen

Schließlich geht es ja auch hier um sein Lieblingsthema: Wie entsteht da im Oberstübchen wohl die Sprache? Bis da am Ende endlich der goldene Satz des beischlafbereiten Jünglings „Ich bin kein Tag für eine Nacht“ fällt, ist zwischen Verben-Lager, Substantivabteilung und Grammatik-Programmen (sogar das Plusquamperfekt wird überflüssigerweise flott gemacht) Einiges zu tun – Sprachalarm auf allen Ebenen. Das trifft am Ende irgendwie auch auf diesen ganzen Malms­heimer zu. In dessen Hirn geht es natürlich sehr viel schneller zu, aber das, womit er am Donnerstag sein Publikum zu Begeisterungsstürmen trieb, war auch ein Sprachalarm der höchsten Stufe.