Ein Hauptschüler mit Doktorwürden

Bis zu minus 35 Grad, dafür eine unvergleichlich schöne Natur und ideale Bedingungen an der Universität: Pascal Hofmann schwärmt auch Monate nach seiner Rückkehr nach Iserlohn noch vom norwegischen Trondheim.
Bis zu minus 35 Grad, dafür eine unvergleichlich schöne Natur und ideale Bedingungen an der Universität: Pascal Hofmann schwärmt auch Monate nach seiner Rückkehr nach Iserlohn noch vom norwegischen Trondheim.
Foto: IKZ
Was wir bereits wissen
Von der Hauptschule Hennen zum Doktoren-Abschluss in Norwegen. Der Iserlohner Pascal Hofmann hat einen bemerkenswerten Werdegang hingelegt

Iserlohn..  Als Pascal Hofmann Anfang der 90er Jahre die Grundschule in Drüpplingsen besucht, ist er mäßig motiviert. „Ich war ein Durchschnittsschüler mir durchschnittlichen Noten“, sagt er.

Die Empfehlung der Lehrer: Besuch einer Hauptschule. Als er darum 1992 nach Hennen wechselt, ist er dann nur mäßig gefordert – und reiht bei Klausuren eine Eins an die nächste. „Trotzdem war mir extrem langweilig damals.“

Zwei Jahre geht das so, weil man ihn nicht sofort gehen lassen will. 1994 wechselt er dann zur Realschule am Hemberg. Es folgen der Abschluss, eine Kfz-Lehre, das Fachabitur am Berufskolleg Hansaallee und schließlich die FH Südwestfalen, wo er 2009 sein Diplom als Mechatronik-Ingenieur macht. Ende vergangenen Jahres folgt sogar ein Doktortitel, den er im norwegischen Trondheim erwirbt. Seit ein paar Monaten lebt Hofmann nun wieder in Iserlohn.

„Diesen negativen Stempel gab es damals noch nicht“

Ein Karriere, erzählt im Zeitraffer, und ein Beispiel dafür, dass es sie eben doch gibt diese Fälle, wo ein junger Mensch von der Hauptschule aus durch die Bildungsinstanzen marschiert, bis zum höchsten akademischen Grad, dem Doktortitel. Pascal Hofmann sagt: „Diesen negativen Stempel ,Hauptschüler’ gab es damals noch nicht. Für mich war das nie ein Problem.“

Ein Problem war da eher die erwähnte eigene Motivationslage in den ersten Tagen seiner Schulzeit und später auch in der Kfz-Lehre, die er bei Opel Nolte zwar beendet, aber schnell merkt: „Das kann es jetzt nicht gewesen sein.“

Ein ähnlicher Gedanke beschleicht ihn auch nach seinem Diplom an der FH Südwestfalen. Weil an Fachhochschulen in Deutschland allerdings kein Promotionsrecht besteht, zieht es ihn nach Norwegen, an die Universität für Wissenschaft und Technik in Trondheim – in den Bereich der systematischen Ingenieurwissenschaft, genauer: ins Produktions- und Qualitätsmanagement.

Über seinen ersten Winter in der neuen Heimat schreibt Hofmann 2011 auch in der Heimatzeitung. „Es war ein Rekordwinter, minus 35 Grad“, erinnert er sich. Auch die Preise sind wenig erwärmend, ein Döner kostet beispielsweise zehn Euro. „Allerdings sind die Löhne auch deutlich höher. Und die Natur ist unvergleichlich schön.“

Weitere Vorteile: „Es gab weitaus mehr Geld für Forschungsmittel, ein großes Interesse an Innovationen. Die Norweger investieren sehr viel Geld in Bildung.“ Und: Auch seinen Hobbys kann Hofmann in Trondheim frönen, Skilaufen und Eishockey.

Letzteres hat der Iserlohner natürlich bei den „Roosters“ gelernt. Im Jahr 2000 gewinnt er mit der Mannschaft gar den Junioren-Meistertitel, schafft es später in die B-Mannschaft.

Ganzheitlichen Ansatz für Unternehmen entwickelt

Inhaltlich beschäftigte sich Hofmann in seiner Doktorarbeit mit der Verbesserung von Produktionssystemen. Während sich im produzierenden Gewerbe häufig eher auf Fehler in einzelnen Bereichen konzentriert wird, hat er eine Methode für einen ganzheitlichen Ansatz entwickelt: „Die Strategie lässt sich auf verschiedene Bereiche und Unternehmen übertragen“, sagt er.

Aktuell sucht Pascal Hofmann in der Region eine auf sein Profil passende Stelle. Bei diesem Werdegang wohl nur eine Frage der Zeit.