Ein Butler für jede Lebenslage

Leider nur eine Foto-Montage, doch kann das von Sebastian Richter und Melvin Richhardt auf dem Computer erdachte Assistenz
Leider nur eine Foto-Montage, doch kann das von Sebastian Richter und Melvin Richhardt auf dem Computer erdachte Assistenz
Foto: IKZ IKZ
Was wir bereits wissen
Zwei Iserlohner Studenten haben ein preisgekröntes Assistenzsytem für Gebäude entwickelt. DIeses soll vor allem eine Hilfe im Alltag sein, kann aber auch Bier ordern – und bisweilen unliebsame Ratschläge erteilen.

Iserlohn..  Max Meier ist ein glücklicher Mensch. Und das, obwohl sein Wecker jeden Morgen um 5.40 Uhr klingelt. Wenn Max Meier dann noch schlafestrunken durch die Wohnung wankt, flirren ihm freundlich-sanfte Klänge aus dem Radio entgegen, im Bad brennt bereits Licht, aus der Dusche strömt sogleich wohltemperiert das Wasser, als er eintritt.

Um 6.02 Uhr ist Max Meier fertig geduscht, um 6.09 Uhr presst er den letzten Rest aus einer Zahnpasta-Tube auf seine Bürste. Ein elektronischer Assistent setzt das Produkt sogleich auf eine Einkaufsliste. Als Max Meier sich gegen 7 Uhr zur Arbeit aufmacht, schaltet der Assistent alle Strom- und Energiefresser im Haushalt aus oder fährt sie auf ein Minimum herunter.

Umsetzung schon heute größtenteils machbar

Was hier klingt wie ferne Fiktion, ist technisch heute bereits machbar – Voraussetzung wäre allerdings die Internetfähigkeit der anzusteuernden Geräte, von der Waschmaschine bis zum CD-Player. Das beschriebene Assistenzsystem trägt den Namen „Butler 4.0“ und ist das geistige Kind von Melvin Richhardt und Sebastian Richter. Für ihre Idee wurden die beiden 22- Jährigen, die an der FH Südwestfalen ein Verbundstudium im Bereich Maschinenbau absolvieren, Ende vergangenen Jahres mit dem „Living in the Future Award“ des Vereins Gebäudetechnik Südwestfalen ausgezeichnet.

„Das Neue an der Idee ist im Wesentlichen, dass das System proaktiv reagiert, sich also auf die Gewohnheiten des Nutzers einstellt“, erklärt Sebastian Richter. „Es wertet die Daten aller internetfähigen Objekte aus“, fügt Melvin Richhardt hinzu. Dem „Butler“ sind bei der weiteren Ausgestaltung somit praktisch keine Grenzen gesetzt – gut für Max Meier, den fiktiven Protagonisten einer Präsentation, die von den Beiden für den Wettbewerb erarbeitet wurde, denn dessen Tag ist noch lange nicht vorbei.

Um 12.44 Uhr fügt Max Meier dem Terminkalender seines Smartphones ein neues Ereignis hinzu: Fußball am Abend. Der „Butler 4.0“ prüft die Getränkevorräte, ordert Bier und stellt es kalt.

Und wenn es in die Verlängerung geht, oder die eingeladenen Kumpels mal etwas über die Stränge schlagen und die Biervorräte knapp werden? „Man kann das System natürlich individuell anpassen“, sagt Sebastian Richter.

Letztere Information dürfte vor allem jene interessieren, die gelegentlich mit Gewichtsproblemen zu kämpfen haben. Wer am Abend nämlich allzu sehr geschlemmt hat, Pizza, Pommes, Chips und Co., dem könnte der Butler für den Folgetag die freundliche Empfehlung nach einem ausgewogenen Menü erteilen – zumindest wenn der Kühlschrank die technischen Voraussetzungen erfüllt.

Saugroboter losschicken und Arzttermin vereinbaren

Was zunächst lustig klingt, hat durchaus einen ernsthaften Hintergrund: „Bei dem Wettbewerb ging es ja um das Thema Leben in der Zukunft – da spielen natürlich auch der Gesundheitsaspekt und der demografische Wandel eine Rolle“, so Melvin Richhardt.

So könnte man zum Beispiel bei älteren Menschen mittels einer Smartwatch die Vitalwerte messen, die Butler-Software würde dann gegebenenfalls einen notwendigen Arzttermin vereinbaren. Auch könnte er Essen bestellen, das dann per Drohne geliefert wird, oder einen Saugroboter durch die Wohnung schicken – die Möglichkeiten sind endlos.

Doch wie sieht es bei den beiden Erfindern zu Hause aus? Täte da die helfende Hand eines Butlers vielleicht mal gut? Beide lachen. Während Melvin Richhardt noch bei seinen Eltern in Dortmund lebt und „gut versorgt ist“, meldet Sebastian Richter, der alleine in Iserlohn lebt, leichten Bedarf an: „Zwischenzeitlich lasse ich das Aufräumen schon mal schleifen.“