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Antony Hermus im...

Ein bisschen wie nach Hause kommen

08.03.2010 | 17:22 Uhr
Ein bisschen wie nach Hause kommen

„Echt abgefahren” - so hat Dirigent Anthony Hermus das Programm umschrieben, das Winfried Fechner als Manager des WDR-Rundfunkorchesters für seinen „Frühlingsputz mit Pfiff” zusammengestellt hatte.

Am Samstag war das Orchester im ausverkauften Parktheater zu Gast und hat nicht nur durch die Frische ihres Klangs, sondern vor allem durch die abenteuerliche Werkauswahl und ihre vielen illustren Gäste beeindruckt.

Da gab es Musik von Computerspielen, arrangiert für Orchester, einen Stampfer des jungen Komponisten Paul van Vulpen, bei dem drei Balletttänzerinnen teilweise lautstark mit dicken Clogs tanzten, japanische Klänge, einen finnischen Frühlingstango, ein modern-poppiges Werk mit Mouthdrum und passend zum Konzert-Titel eine „Grand Grand Overture” für drei Staubsauger, einen Bohnerbesen und Orchester, bei der die vier hartnäckigen Ruhestörer am Ende erschossen werden.

Dazu gab es auch solistische Höchstleistungen, zum einen von dem jungen russischen Geiger Yevgeny Kutik, der mit Saint-Saens berühmter „Introduction und Rondo Cappriccioso” begeisterte. Zum anderen von dem Kunstpfeifer Geert Chatreu, der schon einmal im Parktheater zu Gast war und nun erneut durch seine unbeschreibliche Art zu pfeifen verblüffte. Mit ganz natürlicher Phrasierung prescht er in schwindelerregender Höhe durch schnellste Passagen und Verzierungen, dass man sich wirklich fragt, wo da der Haken ist. Den gibt es aber nicht: Alles echt und live und vor allem als Autodidakt neben dem eigentlichen Beruf selbst entwickelt.

Der Star des Abends hieß aber Antony Hermus. Natürlich weil er einmal mehr durch sein unglaublich engagiertes Dirigat und seinen mitreißenden und kompromisslosen Einsatz dem Abend seinen musikalischen Stempel aufdrückte. Aber auch, weil er als ehemaliger und von vielen heißgeliebter Generalmusikdirektor der Stadt Hagen ein echtes Heimspiel hatte und schon beim Reinkommen von seinen alten Freunden - es waren auch einige Musiker aus Hagen im Publikum - mit Gejohle begrüßt wurde. „Es war wirklich ein bisschen wie nach Hause kommen”, sagte Hermus im Gespräch mit unserer Zeitung.

Nach seinem Weggang aus Hagen im Jahr 2008 war er viel in der Welt unterwegs und hat mit vielen Orchestern als Gastdirigent gearbeitet. Seit dieser Spielzeit ist er nun wieder fest engagiert als Generalmusikdirektor am Anhaltischen Theater Dessau und Chefdirigent der Anhaltischen Philharmonie. Begeistert schwärmt er von den künstlerischen Möglichkeiten, die er dort hat. Mit einem riesigen, 84 Mann starken Orchester und der von den Abmessungen her drittgrößten Bühne Deutschlands sei dort im Grunde alles machbar.

Dennoch reist der 36 Jahre junge GMD nebenbei ständig durch die Weltgeschichte, um andere Verpflichtungen wahrzunehmen, was ihn auch ziemlich schlaucht. Vor dem Engagement für den WDR-Frühjahrsputz war er mit Verdi in Enschede und für eine Konzertproduktion an der National-Oper in Paris. „Das sind alles Wiedereinladungen”, sagt er erfreut. Zum Ausprobieren werde man schnell einmal eingeladen. Dass ihn die rennomierten Häuser aber dann noch einmal einladen, sei schon ein sehr gutes Zeichen.

Ralf Tiemann

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