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Wiener Sängerknaben in...

Ein besonderes musikalisches Erlebnis

11.12.2009 | 17:15 Uhr
Ein besonderes musikalisches Erlebnis

Vor einem restlos ausverkauften Parktheater gab am Donnerstag der Schubert-Chor, einer der vier Chöre der Wiener Sängerknaben, ein äußerst abwechslungsreiches Konzert.

24 zum Teil noch recht kleine Sänger im traditionellen Matrosenkostüm überzeugten das Iserlohner Publikum davon, welch professionelle musikalische Arbeit nach wie vor mit diesen jungen Nachwuchstalenten in Wien gemacht wird. Mit ihren strahlend schönen Stimmen füllten sie das Theater, sangen stets in vorbildlicher sängerischer Haltung und hochkonzentriert, dazu alles auswendig! Ihr Leiter Andy Icochea Icochea schlug dazu weniger den Takt, als dass er vielmehr mit expressiver Körpersprache und zum Teil ungewöhnlichen Gesten die Jungen ganz auf seine Interpretation einschwor. Oftmals begleitete er den Chor am Flügel, hatte die Blicke aller Jungen ganz und gar auf sich gerichtet und führte sie durch sein bloßes Mienenspiel.

Im ersten Teil des Abends boten die Sänger eine Mischung ihres vielfältigen internationalen Repertoires dar, als da wären Werke von Purcell, Johann Strauß Sohn, das wunderbar gesungene Duett „Laudamus te” von Vivaldi und Schubertstücke - besonders schön der Wechselgesang beim Lied „Nachthelle”. Mit dabei war auch ein Gospelsong, aus den Knabenkehlen zwar ungewohnt, aber sehr ansprechend durch das stimmige Arrangement des Dirigenten. Schließlich erklangen Gesänge aus Orffs „Carmina Burana”.

Die zum Teil für gewaltiges Chor- und Orchesteraufgebot konzipierte Musik in dieser kleinen Besetzung mit Klavierbegleitung zu hören, hatte seinen ganz besonderen Reiz. Wenn auch die eine oder andere Ungenauigkeit vorkam, so ist dies den jungen, sich entfaltenden Stimmen nicht nur zu verzeihen, sondern wäre in einer weniger herausfordernden Akustik vermutlich gänzlich zu vernachlässigen gewesen.

Im zweiten Teil widmete sich der Chor - vor einem sehr gelungenen, stimmungsvollen Bühnenbild - adventlicher und weihnachtlicher Musik. Ohne Pause folgten kontrastierende Werke aufeinander. Sehr lautmalerisch-eindrücklich war hier die Komposition des Chorleiters über den Beginn des Johannes-Evangeliums „Et lux in tenebris lucet” - Und ein Licht scheint in der Dunkelheit. Es ist nicht verwunderlich, dass gerade ein peruanisches Lied gut gelang, in dem ein kleiner Bambusflötenchor mit sechs der Sänger schwungvoll den südamerikanischen Charakter unterstrich, stammt doch Andy Icochea Icochea aus Peru. Genau wie die Strauß-Kompositionen zuvor wurden einige für die Wiener Sänger heimische Gesänge stilecht präsentiert. Durchaus eigenwillig war die Interpretation der traditionellen Weihnachtslieder. Energisch und schnell nahm der Chor Lieder wie „Still, still” oder „Es ist ein Ros entsprungen”, in dem eine Geschichte erzählt wurde und nicht das getragene Lied erklang, das unser Ohr sonst kennt.

Einen Abend lang einem so professionellen Knabenchor zu lauschen, war schon ein besonderes Erlebnis. Am schönsten aber waren unumstritten die Passagen, in denen solistisch gesungen wurde - allein, im Duo oder im Wechselgesang mit dem übrigen Chor. Gerade ein junger asiatischer Sänger mit seinem glockenreinen Knabensopran verzauberte immer wieder die Zuhörenden. Auch dem letzten Beitrag, dem weniger gehalt- als gefühlvollen „Leise rieselt der Schnee”, gab der junge Sänger durch seine lyrische, über der übrigen Musik schwebende Vokalise einen besonderen Glanz.

Rahel Schöttler

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