Ehrenamtliche stärken und vernetzen

Bürgermeister Dr. Peter Paul Ahrens (v. l.), Superintendentin Martina Espelöer, Heidrun Schulz-Rabenschlag (Soziale Dienste Diakonie Mark-Ruhr, Marion Ziemann (FlüchtlingsNetzWerk) und Pfarrer Martin Wehnziehen an einem Strang.
Bürgermeister Dr. Peter Paul Ahrens (v. l.), Superintendentin Martina Espelöer, Heidrun Schulz-Rabenschlag (Soziale Dienste Diakonie Mark-Ruhr, Marion Ziemann (FlüchtlingsNetzWerk) und Pfarrer Martin Wehnziehen an einem Strang.
Foto: IKZ
Ergebnis der ersten Konferenz „Gemeinsam für Flüchtlinge“ ist ein Workshop-Tag in der Volkshochschule, wobei das Engagement auf ein noch breiteres Fundament gestellt werden soll.

Iserlohn..  „Die Flüchtlingsarbeit in Iserlohn hat sich seit vergangenem Herbst verbessert und intensiviert“, lobt Bürgermeister Dr. Peter Paul Ahrens. Das resultiert nicht nur aus seiner Beobachtung beim Friedensfest am vergangenen Wochenende, als sich eine Männergruppe aus Eritrea unter die Besucher gemischt und mit ihnen gefeiert hatte.

Ahrens freut sich, dass es in Iserlohn mit dem FlüchtlingsNetzWerk eine sehr aktive Freiwilligenbewegung gibt. Doch allein lassen wollen der Bürgermeister und auch Superintendentin Martina Espelöer die Ehrenamtlichen keinesfalls. „Wir sitzen alle in einem Boot“, so Espelöer, die ebenfalls „eine sehr große Hilfsbereitschaft der Iserlohner“ feststellen konnte. Aus der Konferenz „Gemeinsam für Flüchtlinge“ Ende April entstand nun die Idee, einen Workshop für Haupt- und Ehrenamtliche, die sich um Flüchtlinge kümmern, anzubieten.

Auch die Helferbenötigen Unterstützung

„Wir wollen alle an einem Strang ziehen, uns nicht gegenseitig das Leben schwer machen“, so Ahrens, der als Ziel „Kräftebündelung durch Koordination“ verfolgt. Martin Wehn, theologischer Geschäftsführer der Diakonie Mark-Ruhr, sagt: „Wir freuen uns über das große Engagement der Freiwilligen, die aber auch auf Unterstützung – beispielsweise im Umgang mit Traumatisierten – angewiesen sind.“

Heidrun Schulz-Rabenschlag, Fachbereichsleiterin Soziale Dienste bei der Diakonie Mark-Ruhr, kennt die zum Teil jahrzehntelange Verbindungen zwischen Kommune und Kirchenkreis, sie verweist darauf, „dass in Krisensituationen auf Strukturen aufgebaut werden kann“. Jedoch fehle bei Hauptamtlichen häufig die Zeit, die stetig wachsende Zahl von Freiwilligen zu unterstützen. Daher sieht Heidrun Schulz-Rabenschlag den Workshop-Tag als wichtigen ersten Aufschlag an.

Das Ziel aller Beteiligten verrät bereits der Titel „Gastfreundschaft leben“, was für Dr. Peter Paul Ahrens nicht nur die reine Betreuung, sondern insbesondere das Heimatschaffen bedeutet. So wird es zunächst Experten-Vorträge zu Themen wie „Flüchtlinge brauchen Sprache“, „Die Ausgangslagen sind verschieden – Rahmenbedingungen der Flüchtlingsarbeit“, „Antworten der evangelischen Kirche von Westfalen auf die aktuelle Situation der Flüchtlinge in NRW“ sowie „Vorstellung der Arbeitsfelder des FlüchtlingsNetzWerkes Iserlohn“ geben. Auch Flüchtlinge stehen auf dem Referentenplan: Rubina Fahad, Habteab Tadese und Masuma Haidari berichten von „Ankommen in Deutschland – was wird gebraucht?“.

Themen wie Sprache, Struktur und Patenschaften im Fokus

Dann geht es in die Einzelworkshops, die jeweils zwei Mal angeboten werden. Citypfarrer Andres Michael Kuhn und Sabine Freiburg von der Versöhnungskirchengemeinde stellen „Interkulturelle Öffnung – weil christliche Gemeinde mit Flüchtlingen lebt“ vor. Um „Aufbau, Organisation, Finanzen – weil auch Ehrenamt Strukturen braucht“ geht es im Seminar von Marion Ziemann, FlüchtlingsNetzWerk (FNW), und Jens Keienburg, Flüchtlingsberatungsstelle der Diakonie Mark-Ruhr. Claudia Weigel (Volkshochschule), Jörg Schuhmacher (Agentur für Arbeit) und Heiner Hofmann (FNW) sprechen über „Deutsch lernen – weil Sprache Brücken zwischen Menschen, in die Gesellschaft und in den Beruf baut“. Astrid Palluch und Diana Schöning (beide FNW) werben für „Patenschaften – weil Flüchtlinge Freunde brauchen“.

Diana Schöning sagt, dass auch die Flüchtlinge selbst einen großen Teil der ehrenamtlichen Arbeit leisten. „Sie haben Fähigkeiten, über die wir nicht verfügen, sie bringen sich ein, und sie erfahren dadurch Sinn und Stabilität.“ Wer selbst Migrationserfahrungen mitbringe, könne ganz schnell einen Zugang finden zu denjenigen, die in einer fremden Umgebung ankommen.

Und daher richtet sich der Workshop-Tag an alle Interessierten, ob Pfarrer, Presbyter, Haupt- oder Ehrenamtliche, Flüchtling oder hier Geborener – eben alle, die Gastfreundschaft leben wollen.