Duo Casals verleiht der Fantasie Flügel

Was das Duo Casals in der Reformierten Kirche bot, war international, aber doch eher klassisch orientierte Kammermusik von hohem Niveau.
Was das Duo Casals in der Reformierten Kirche bot, war international, aber doch eher klassisch orientierte Kammermusik von hohem Niveau.
Foto: IKZ
Was wir bereits wissen
Felicitas Stephan und Wolfgang Lehmann begeistern in der Reformierten Kirche

Iserlohn..  Wenn man unter dem Begriff „Weltmusik“ mehr versteht als nur internationale Folklore, dann war die Bezeichnung „Weltmusik in Iserlohn“ schon richtig gewählt. Was das „Duo Casals“ am Freitagabend in der Reformierten Kirche bot, war international, aber doch eher klassisch orientierte Kammermusik von hohem Niveau.

Mehr als 40 Zuhörer genossen es, die Werke großer Komponisten aus dem 19. und 20. Jahrhundert in einer Besetzung mit Gitarre und Violoncello wie bei einem Kammerkonzert auf sich wirken zu lassen. Ob Manuel de Falla, Enrique Granados, Hektor Villa-Lobos, Astor Piazzolla oder Radames Gnattali – die Gefühlswelt und Mentalität spanisch- und portugiesischsprachiger Komponisten wurde spürbar, lateinamerikanische Rhythmen klangen mehr als einmal durch.

Johann Sebastian Bach im brasilianischen Urwald

Das Duo Casals mit Felicitas Stephan (Violoncello) und Wolfgang Lehmann (Gitarre) ließ das Publikum eintauchen in diese etwas andere Welt. „Stellen Sie sich die Musik von Johann Sebastian Bach im brasilianischen Urwald vor“, sagte Wolfgang Lehmann, als er seine Fassung der „Bachianas Brasileiras“ von Villa-Lobos ankündigte. Das war sicherlich etwas scherzhaft gemeint, passte aber bestens zum Konzert.

Denn der Fantasie wurden an diesem Abend Flügel gegeben. Die warmen und zumeist sanften und tiefgründigen Celloklänge waren mehr als angetan, auf Traumreise zu gehen, Sehnsucht zu empfinden, manchmal auch Dramatik oder Melancholie. Und das alles auf einem hohen Niveau fernab jeder schlichten Sentimentalität.

Dabei war der Kontrast zwischen den einzeln geschlagenen Gitarrentönen und dem fließenden Celloklang oft wie ein spannender Dialog. Die Akustik der Reformierten Kirche schien für diese Art von Musik wie geschaffen. Gitarren- und Celloklänge konnten sich wunderbar entfalten.

Das Duo Casals war schon lange nicht mehr in Iserlohn live zu hören. Mit der Idee, sie für die „Weltmusik“-Reihe zu engagieren haben Gunter Binder und die anderen Organisatoren einen guten Griff getan, wie der kräftige Schlussapplaus zeigte. Die Künstler wurden nicht ohne Zugabe aus der Kirche entlassen.