Drogenberatung: 500 Klienten pro Jahr

Das Iserlohner Drobs-Team freut sich über die neuen Möbel, die dank der Sparkassen-Unterstützung angeschafft werden konnten: (v. l.) Heinrich Isken, Rebekka Rollmann (hintere Reihe), Stefan Tertel (Mitte), René Sadowski und Catharina Tessin.
Das Iserlohner Drobs-Team freut sich über die neuen Möbel, die dank der Sparkassen-Unterstützung angeschafft werden konnten: (v. l.) Heinrich Isken, Rebekka Rollmann (hintere Reihe), Stefan Tertel (Mitte), René Sadowski und Catharina Tessin.
Foto: IKZ
Was wir bereits wissen
Der Bericht für 2014 zeigt, dass die Zahlen der Cannabis- und der älteren Konsumenten stetig wachsen.

Iserlohn..  Eine Cannabis-Sprechstunde will das Team der Drogenberatungsstelle (Drobs) im Laufe des Jahres in Iserlohn neu etablieren. Grund dafür sind die Zahlen, die unserer Zeitung gestern mit dem Jahresbericht präsentiert wurden. Während sich die Gesamt-Zahl der Klienten innerhalb der vergangenen zehn Jahre konstant auf 500 Personen pro Jahr eingepegelt hat, ist bei den Cannabis-Konsumenten eine stetige Zunahme erkennbar.

Drobs-Geschäftsführer Stefan Tertel und sein Team führen das auf mehrere Gründe zurück. Zum einen handele es sich bei Cannabis um eine Droge im Graubereich: Sie ist zwar illegal, aber in Teilen der Bevölkerung akzeptiert. Daher soll die Sprechstunde auch nicht in den Räumen der Drobs Am Dicken Turm, sondern außerhalb angeboten werden. „Die Konsumenten wollen mit der eigentlichen Drogenberatung nichts zu tun haben“, so Tertel. Heinrich Isken nennt weitere Gründe für den gestiegenen Konsum: „Die Einfuhr über Marokko und andere Länder ist weggefallen, Cannabis wird in der Region angebaut, manchmal sogar auf dem eigenen Balkon.“

Nicht nur mit Blick auf diese Entwicklung forciert das Drobs-Team die Präventionsarbeit. Allein in Iserlohn und Hemer gab es im vergangenen Jahr mehr als 40 Termine an Schulen und Berufskollegs. „Die Schulen sind inzwischen sehr offen“, sagt Präventions-Fachmann René Sadowski, der sich sehr darüber freut, dass die Unterrichtseinheiten rund um Drogen-, Alkohol- und Nikotinsucht nicht nur 90 Minuten dauern. Oft werden ganze Projekttage oder sogar -wochen angeboten. In dieser Woche hat außerdem das Programm „FreD“ – Frühintervention für erstauffällige Drogenkonsumenten begonnen.

Doch die Vorbeugung setzt bereits deutlich früher an, nämlich im Kindergarten. Mit dem Programm „Papilio“ soll die Förderung sozial-emotionaler Kompetenz bei den Allerkleinsten weiter vorangetrieben werden, um sie stark zu machen gegen Süchte und andere Negativeinflüsse. „Außerdem lernen die Kinder, über Gefühle zu sprechen, was die meisten unserer Klienten überhaupt nicht können. Deshalb ist die Prävention in so jungen Jahren so wichtig“, erklärt Drobs-Mitarbeiterin Rebekka Rollmann.

Lebenserwartung von Klienten stetig erhöht

Was beim Blick in den Jahresbericht noch auffällt, ist die gestiegene Anzahl der Klienten, die älter sind als 50 Jahre. Dies, so die Experten, resultiere einerseits aus der Substitution – also dem Ersatz der Droge durch Methadon – und andererseits aus der Arbeit der Drobs. Deren Team ist es im vergangenen Jahr gelungen, einen Rekord zu brechen: Mit 75 Klienten konnten so viele wie nie zuvor in stationäre Therapien vermittelt werden. Das wiederum liegt an der seit acht Jahren laufenden Ausweitung des ambulant betreuten Wohnens durch verschiedene Träger. Die Betroffenen müssen nicht von vorn herein clean sein, was ihnen den Weg in ein drogenfreies Leben deutlich erleichtert.

Klienten und Drobs-Team treffen sich übrigens seit Kurzem in einem modernen Ambiente, denn die Bürgerstiftung der Sparkasse Iserlohn hatte 8000 Euro für neues Mobiliar gespendet. „Das war nicht die erste Unterstützung von dieser Seite, die Stiftung hatte uns auch schon eine Küche finanziert“, freut sich Stefan Tertel.