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Orgelsommer

Drei gute Freunde aus Dresden

31.08.2010 | 17:10 Uhr
Drei gute Freunde aus Dresden
Prof. Peter Lohse und Philipp Lohse sind ebenso wie Matthias Grünert, Kantor der Frauenkirche Dresden, geschätzte und beliebte Namen in Iserlohn.

Iserlohn. „Ich begrüße unsere drei Freunde aus Dresden“. Mit diesen Worten beschrieb Dr. Besler, Organisator und Motor des nunmehr 23. Iserlohner Orgelsommers, am Sonntag in der nahezu „ausverkauften“ Johanneskirche indirekt, was den Erfolg dieser Reihe ausmacht: Das Wiederhören und -sehen mit vertrauten Musikern, die nunmehr seit Jahren für das gleich bleibend hohe Niveau dieser Veranstaltung sorgen. Die beiden Trompeter Prof. Peter Lohse und Philipp Lohse sind ebenso wie Matthias Grünert, Kantor der Frauenkirche Dresden, geschätzte und beliebte Namen in Iserlohn.

Grünert verkörpert einen erfrischend modernen, aufgeschlossenen Typus des protestantischen Kantors. Die langen Haare zum Zopf gebunden, mit einem verschmitzten Lächeln den Applaus mit einem Fingerzeig stets auf die Orgel der Johanneskirche lenkend, so ist er auch in seiner Repertoireauswahl frei von humorlosem Purismus und Vorurteilen. Nichtsdestoweniger beeindruckte er mit bekannten und kaum gehörten Orgelwerken und glänzte durch enorme Spielkunst und Musikalität.

Bachs „Passacaglia in c-moll“ zählt zu den einsamen Gipfelwerken der Orgelliteratur und das fast 15-minütige Orgelwerk fordert vom Organisten ein unglaubliches Maß an Konzentration. Matthias Grünert verstand es, durch sein präzises Spiel und seiner der Akustik angemessenen Tempowahl dieses Werk den Zuhörern wirklich nahe zu bringen, so dass die unglaubliche Vielfalt dieser Variationen über ein ostinates Thema im Bass auch dem „Ersthörer“ zugänglich gemacht wurde. In seiner Registrierung bewies Grünert ein Gespür für große Spannungsbögen und erlag nicht der Gefahr, durch allzu viele Klangfarbenwechsel das Werk zu „zerpflücken“.

Mendelssohns „Sonate A- Dur“ beeindruckte durch ihre majestätische Introduktion und die markante „bachsche“ Fuge, in welcher sich die Verehrung des romantischen Komponisten für die Musik J. S. Bachs eindrucksvoll widerspiegelte.

Grünert interpretiere dieses Werk mit überlegenem Stilgefühl und bewies schließlich auch einen Sinn für Außergewöhnliches, indem er eine Sonate des völlig unbekannten romantischen Komponisten Antonio Diana ins Programm nahm. Dessen Orgelstück erinnerte an die Opernouvertüren des frühen Verdi: Pompöser Glanz war hier ebenso zu vernehmen wie eine zarte Opernmelodie, welche durch den üblichen „Umtata-Rhythmus“ unterlegt war - ein fröhliches Stück, in das ein Augenzwinkern förmlich hineinkomponiert war und somit wunderbar zur Ausstrahlung des sympathischen Organisten passte.

Grünert erwies sich jedoch auch als einfühlsamer Begleiter der beiden Trompeter Prof. Peter und Phillipp Lohse. Beide sorgten mit ihren Duos für wahrhaftig instrumentalen Glanz.

Insbesondere das „Concerto C-Dur“ ließ für einen Moment das ganze aktuelle Wetterelend vergessen und zauberte eine Atmosphäre südländischer Sonne und Lebensfreude in die doch eher nüchterne Johanneskirche. Musik, wie sie nur der Italiener Vivaldi schreiben konnte und für die ihn der tiefsinnige Sachse Bach verehrte und vielleicht auch beneidete.

Bachs 3. Satz aus dem „Brandenburgischen Konzert Nr. 2“ stellte dann aber doch den Auftakt des Konzertes dar und die beiden Trompeter interpretierten es ebenso souverän wie den zweiten „Hit“ des Barock, Händels „Wassermusik“, mit dem sie das Konzert beendeten.

Zum eigentlichen Höhepunkt geriet denn aber doch das „Concerto F-Dur“ des kaum bekannten Komponisten J. D. Heinichen (1683-1729.) Der verhalten, warme Klang der „Corni da caccia“ (übersetzt: „Jagdhörner“) erwies sich als wohltuende Abwechslung zur der feierlich-strahlenden Färbung der Trompeten und die beiden Musiker erwiesen sich als wahre Meister dieses Instruments.

Ohne Zugabe wollte das Publikum die drei „guten Freunde“ natürlich nicht entlassen und neben dem unvermeidlichen „Tedeum“ von Charpentier (Eurovisionshymne) sorgte besonders ein humorvolles Trio für Begeisterung, als nämlich Matthias Grünert zur allgemeinen Überraschung als dritter Bläser dazustieß.

Christian Otterstein

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