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Drei Clowns mit bunten Nasen und sonst nichts als Papier

11.01.2010 | 16:51 Uhr
Drei Clowns mit bunten Nasen und sonst nichts als Papier

Iserlohn. Nichts gegen Clowns an sich. Aber dass man als erwachsener Mensch im Zirkus oder auch vor dem Fernseher einmal schallend über den klassischen Clown mit der roten Nase lachen kann, kommt doch verhältnismäßig selten vor.

Am Samstag waren die Clowns vom „Theatre of Plastic Comedy Mim-I-Richi” aus Kiew im Parktheater zu Gast, um von Iserlohn aus ihre aktuelle Tournee zu starten, und mit ihrer Show „Paperworld” haben sie den Saal im Handumdrehen zum Toben gebracht und die etwa 600 Zuschauer im Parkett zu glühenden Fans der Clowns-Kunst gemacht.

Nun zu beschreiben, wie sie das genau angestellt haben, ist eigentlich nicht möglich. Um eine Idee davon zu bekommen, wie das Spektakel funktioniert, sollte man aber wissen, dass die drei mit Preisen und Auszeichnungen überhäuften Clowns ihre Show auf ein Minimum an Materialeinsetz, nämlich auf Papier, reduzieren. Es wird kein einziges Wort gesprochen, die bunten Nasen, Krawatten und Schuhe sind die einzigen Farbtupfer der Show, ansonsten ist alles Weiß wie Papier. Was nun wiederum reichlich Platz für ihre Späße bietet. Allein der riesige Papiervorhang, vor und hinter dem die drei agieren, bietet schier unerschöpfliche Möglichkeiten. Intakt und versehrt dient er als Leinwand für Schattenspiele, bei denen die Clowns zu Zwergen schrumpfen und zu Riesen wachsen, mit wenigen Löchern wird er zur Kulisse von Verfolgungsjagden und Versteckspielen, und wenn er schließlich vollends zerrissen ist, werden die Papierfetzen zur interaktiven Papierschlacht mit dem Publikum genutzt.

Dazu gehört natürlich, dass die Akteure ausgesprochen viel drauf haben. Den coolen Catwalk mit ausgeliehener Jacke aus dem Publikum beherrschen sie ebenso wie artistisch-synchrone Tanzdarbietungen, Bällchenspiele in Zeitlupe oder einen möglichst fiesen Umgang mit dem Publikum. Leute auf die Bühne zu holen und als Torpfosten und Torhüter für den ultimativen Elfmeter mit der Riesenpapierkugel zu drapieren, ist ja noch einigermaßen normal. Kurz vor dem Schuss aber Pause zu machen und die armen, verwirrten Menschen einfach im Scheinwerferlicht stehen zu lassen, ist schon eine Spur gemeiner als der übliche Publikumsterror. Ganz zu schweigen von der Brillen-Nummer, bei der die Clowns sämtliche Augengläser in den ersten Reihen vertauschen. Noch Minuten später konnte man am Samstag Theaterbesucher sehen, die in ihrer Nachbarschaft verzweifelt die richtige Brille suchten.

Untermalt wurde das Ganze von einer merkwürdigen 80er-Jahre-Klangcollage aus Drum-Computer, Synthie-Bläsern und quietschenden Gitarren, die an den Jingle der Musikshow „Formel eins” erinnerte. Dazu saß irgendwo ein Mensch, der jede Bewegung der Clowns mit einem Klirren, Knarzen oder Krachen aus der Klangkonserve unterlegte, was die Wirkung der Gags natürlich steigerte. Und als Sahnehäubchen trugen sie derart fürchterliche Frisuren, dass man sie nicht einmal aus Jux zu Hause in der Badewanne modellieren würde. Mit viel Spucke wurden sie auf der Bühne aber gehegt und gepflegt - ziemlich eklig.

Das Publikum war am Ende ganz hin und weg und wollte die drei vor Einfallsreichtum strotzenden Slapstick-Meister gar nicht mehr von der Bühne lassen. Ein Vergleich zur vergangenen Theater-Saison ist hier durchaus angebracht. Kulturbüroleiter Johannes Josef Jostmann war damals ebenfalls Anfang Januar seinem Faible für zirkusartige Bühnenshows nachgegangen und hatte die umwerfenden australischen Körperkunst-Artisten von „C!RCA”nach Iserlohn geholt. Auch damals wusste vorher niemand, was einen erwartet, und hinterher hatten alle das wunderbare Gefühl, zu den glücklichen Menschen zu zählen, die einen absoluten Höhepunkt der Saison erlebt hatten. Also: Wenn einem im nächsten Spielzeitheft eine Zirkus-Show ins Auge fällt, unter der man sich rein gar nichts vorstellen kann - sofort Karten sichern.

Ralf Tiemann

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