Diskussion um Straßennamen neu entfacht

Wie in anderen Städten auch sorgt die Hindenburgstraße für Diskussionen.
Wie in anderen Städten auch sorgt die Hindenburgstraße für Diskussionen.
Foto: IKZ
Was wir bereits wissen
Das Friedensplenum und die Linke reichen einen Kriterienkatalog zur Überprüfung aller Straßen ein.

Iserlohn..  Hugo-Fuchs-Allee, Fritz-Kühn-Platz und nun auch die Hindenburgstraße. Diskussionen um problematische Straßennamen sind in Iserlohn nicht neu. Durch die Anregung der Ev. Erlöser-Kirchengemeinde, die Hindenburgstraße umzubenennen – ähnlich wie es bereits in Münster mit dem Hindenburgplatz geschehen ist, der inzwischen Schlossplatz heißt – bekommt diese Diskussion aber eine ganz neue Dimension. Denn als Einzelfall möchte der Ausschuss für Bürgeranregungen und Beschwerden, der den entsprechenden Antrag in seiner Sitzung im November beraten hat, eine Umbenennung der Hindensburgstraße nicht behandeln. Stattdessen hatte sich das Gremium dafür ausgesprochen, das Stadtarchiv damit zu beauftragen, einen Kriterienkatalog für Straßennamen zu erstellen und alle Iserlohner Straßen auf problematische Namensgeber zu überprüfen.

Bewunderung oder Begeisterung für eine Diktatur

Darauf hat das Iserlohner Friedensplenum nun reagiert und für die nächste Sitzung des Beschwerdeausschusses seinerseits einen möglichen Kriterienkatalog vorgelegt. Darin wird hinterfragt, ob sich die betreffende Person an der Förderung einer öffentlichen Bewunderung oder Begeisterung für eine Diktatur schuldig gemacht, an der Förderung einer öffentlichen Bewunderung oder Begeisterung für die Führung eines Krieges beteiligt oder sich an der öffentlichen Bewunderung oder Begeisterung für die Durchführung von Verbrechen gegen die Menschlichkeit beteiligt hat. Außerdem wird hinterfragt, ob die Person in ihrem Leben besonders viele Leistungen vollbracht hat, die für andere Menschen Vorbildcharakter haben und als positive Beispiele dienen können oder sich später, in Zeiten in denen weniger Pressionen bestanden und sich das gesellschaftliche Klima geändert hat, für begangenes Fehlverhalten entschuldigt oder zumindest distanziert sowie nachprüfbar zur Aufarbeitung von begangenem Unrecht beigetragen hat. Einen nahezu gleich lautenden Kriterienkatalog hat auch die Fraktion von „Die Linke“ als offiziellen Antrag an den Ausschussvorsitzenden Michael Hufnagel gerichtet. Der demnächst im Ausschuss diskutierte und verabschiedete Katalog soll dann laut Beschluss vom November an den Hauptausschuss zur weiteren Behandlung weitergeleitet werden.

Anhänger und Wegbereiter des Nationalsozialismus

Ein solcher Kriterienkatalog würde neben der Hindenburgstraße auch andere problematische Straßennamen in den Fokus rücken. Damit folgt das Friedensplenum der durch die Forschungsarbeit der Münsteraner Historiker-Kommission und des LWL angestoßenen Diskussion über westfälische Straßennamen, die immer noch nach Anhängern und Wegbereitern des Nationalsozialismus benannt sind. In der Vergangenheit hat das bereits zu mehreren Straßenumbenennungen in anderen Städten geführt. Neben dem ehemaligen Hindenburgplatz in Münster ist die Neubewertung des Wirkens von Karl Wagenfeld das prominenteste Beispiel, die bisher zu Umbenennungen etwa in Münster, Lünen, Rheine und Telgte geführt hat.

Auch in Iserlohn gibt es eine Wagenfeldstraße in Hennen sowie eine ganze Reihe anderer Straßen, die laut Friedensplenum nach aktiven Unterstützern der NS-Ideologie benannt wurden (siehe nebenstehende Erläuterungen des Friedensplenums). Beispielhaft werden in dem Schreiben an den Beschwerdeausschuss neben der Hindenburgstraße und der Karl-Wagenfeld-Straße auch die Florentine-Benfer-Straße, die Hugo-Fuchs-Allee und der Fritz-Kühn-Platz, für dessen Umbenennung in Friedensplatz das Plenum schon lange kämpft, genannt.