Die schwere Kunst des ganz Leichten
29.08.2007 | 22:25 Uhr 2007-08-29T22:25:15+0200Iserlohn. (treu) Das Lob kommt Theaterdirektor JoJo Jostmann aus vollem Herzen über die Lippen: "Das Iserlohner Boulevard-Publikum ist sympathisch, aufgeschlossen und großstädtisch schnell im Denken". Zehn Jahre hatte er Zeit, sich dieses Urteil zu bilden
Zusammen mit den "Gründungsmitgliedern" von der Heimatzeitung und der Iserlohner Brauerei hatte Jostmann diesen Titel 1996 bewusst gewählt, weil in der damaligen Zeit durchaus der Eindruck aufkommen konnte, dass Theaterbesuche, bei denen die fröhliche Unterhaltung im Vordergrund stehen sollte, in Iserlohns etablierter Kultur-Gesellschaft eher verpönt waren und als unschicklich galten.
Dass es aber doch in der breiten Bürgerschaft einen Bedarf an dieser Form von Theaterangeboten gab, bewiesen von Anfang die Besucherzahlen. Immer öfter konnten die Verantwortlichen "ausverkauft" melden und im Kulturbüro gab es nicht selten lange Wartelisten und Staus, wenn der Vorverkauf eröffnet wurde.
Eines der Geheimnisse war wohl, dass das Veranstalter-Trio versuchte, klingende Namen auf die Bühne des Parktheaters zu holen. Und so war sofort der Auftakt mit Fernsehliebling Thekla Carola Wied und Peter Hallwachs natürlich bestens nachgefragt. Redaktionsleiter Thomas Reunert erinnert sich jedoch auch, dass das Stück damals "alles andere als ein Brüller" war. Und als dann bei der anschließenden, erstmals angebotenen kleinen Talkshow "Nah dran" Peter Hallwachs auch noch den Spröden und Unnahbaren gab, war die erste Euphorie beim Team durchaus gebremst.
Doch heute nach rund 80 Aufführungen und fast ebenso vielen "Nah dran" schlägt das Pendel der Zufriedenheit weit in den positiven Bereich. Auch wenn Jostmann selbst erkannt hat, dass ausgerechnet die Jubiläumsspielzeit längst nicht alle Hoffnungen erfüllt hat. Natürlich weiß er auch, dass "selbst die Komödie am Kurfürstendamm nicht nur Renner auf die Bühne bringt", aber er ärgert sich auch, dass in so einer Saison dann noch nicht einmal eigentlich gesetzte Erfolgsgaranten wie Stücke von Neil Simon halten konnten, was sie versprochen haben und beim Publikum zu Recht durchgefallen sind.
Als Theaterkenner weiß er aber auch um die Hintergründe. "Gutes Boulevardtheater zu produzieren und zu spielen, ist sauschwer!", sagt er und verweist auf die kleiner werdende Riege der alten Bühnenhasen, die das Genre beherrschen und auf die Schwierigkeiten der jungen Leute, sich in dem Metier zurechtzufinden. Da gibt es die zeitlos guten Stücke wie "Pension Schöller" oder die Schauspieler wie Markus Ganser mit ihrem Mut zur Überzeichnung, die imer das Publikum begeistern. Aber da gibt und gab es auch die Stücke und Schauspieler, bei denen das Publikum beim anschließenden Künstlergespräche mehr Freude hatte als beim eigentlichen Agieren auf der Bühne.
Auch für die kommende Spielzeit ist das Programm inzwischen wieder festgezurrt. Sechsmal öffnet sich der Vorhang in der "normalen" Boulevard-Reihe, dreimal zu einem "Boulevard-Extra". Mit dabei so klangvolle Namen wie Herbert Herrmann, Nora von Collande, Susanne Uhlen, Isabell Varell, Achim Wolf, Michael Lesch oder Walther Plathe. Mit dabei auch wieder das Ensemble der "Comödie Bochum" rund um den immer fröhlichen Jochen Schroeder.
Doch bei einigen dieser klingenden Namen tun sich dann auch ganz andere Probleme auf. Ein Herbert Herrmann zum Beispiel war in den zehn Jahren schon häufig zu Gast und hat sich auch im Anschluss an die Vorstellung so oft den Fragen von Thomas Reunert und dem Publikum gestellt, dass in diesem Fall eine "Nah dran"-Neuauflage eher langweilig werden könnte. "Für diese Fälle", sagt JoJo Jostmann, "haben wir andere Konzepte entwickelt. Wir bieten zum Beispiel die Möglichkeit, bei musikalischer Dixie-Umrahmung den Abend mit einem frischen Iserlohner noch einmal Revue passieren zu lassen. Oder wir ermitteln die Gewinner, die mit den Hauptdarstellern noch zu einem gemeinsamen Abendessen eingeladen werden. Oder, oder ..."
Allerdings freut sich Jostmann schon jetzt wieder auf viele fröhliche und informative "Nah dran"-Gespräche mit den Boulevard-"Neulingen". Und er hofft natürlich, dass auch diese anschließend mit ihrem Kollegen Volker Lechtenbrink übereinstimmen, der nach einem Auftritt sagte: "Macht das bloß weiter in Iserlohn. So etwas gibt es in Deutschland nicht nochmal!"
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