Die Politiker sind schuld, der kleine Mann soll zahlen
05.03.2010 | 17:41 Uhr 2010-03-05T17:41:00+0100Iserlohn. Griechenland steht vor der Pleite, die Regierung plant schmerzhafte finanzielle Einschnitte bei Löhnen und Renten, die Menschen gehen auf die Straßen, protestieren und legen mit ihrem Generalstreik ein ganzes Land lahm, Gewaltszenen in den TV-Nachrichten.
Die große Krise geht auch an den in Iserlohn lebenden Landsleuten nicht vorbei, ohne Emotionen auszulösen. „Die Politiker haben das alles verursacht, nicht der kleine Mann”, sagt Jani Theodoridis, der „Ich-freue-mich”-Pizzabäcker in der Marktpassage, dem angesichts der Situation in seiner Heimat das Lachen vergeht. „Die da oben” hätten sich in den vergangenen Jahren alles in die Tasche gesteckt, statt in ihr Land, so der seit 1964 in Deutschland lebende Grieche. „Die sollen mal ihre Konten in der Schweiz und in Luxemburg auflösen und nicht bei der EU nach Hilfe rufen. Es sei ein Verbrechen, ein so stolzes Land wie Griechenland in die Knie zu zwingen. Gleichzeitig ist sich Theodoritis aber auch sicher, dass es eine Lösung geben wird. „Die Griechen sind immer aus ihren Krisen herausgekommen. Das geht aber nur, wenn die großen Fische nicht die kleinen fressen.”
Ähnlich sieht es ein Landsmann, der seit schon seit Jahrzehnten in der Waldstadt lebt und arbeitet. „Die Griechen sind selbst schuld”, sagt er. Über Jahre habe es keine ordentliche Struktur im Land gegeben. „Es gab jede Menge Betriebe, die keine Steuern gezahlt haben, weil sie offiziell überhaupt nicht existiert haben.” Seit dem Beitritt Griechenlands zur EU regiere bei den Politikern die „Klüngelei”. „Gelder aus der Europäischen Gemeinschaft wurden nicht zweckgebunden verwendet, sondern in irgendwelche anderen Hände weitergeleitet. Dass die Menschen nun protestierend auf die Straße gehen, sei nun mal landestypisch: „Wenn dem Griechen etwas weggenommen wird, wenn es an die eigene Haut geht, dann streikt er.” Seine Landsleute dürften aber nicht erwarten, dass ihnen die EU fehlende Milliarden schickt. Den größten Teil zur Verbesserung der fatalen Situation müssten sie selbst leisten, allein um daraus zu lernen.
„Man darf auch nicht vergessen, dass Griechen eine ganz andere Mentalität besitzen als zum Beispiel die Deutschen”, erklärt Tolmidis Savvas. „Glauben Sie, dass bei den Steuern dort alles so korrekt läuft wie hier?” Als „stolzer Helene” nimmt er die Griechen aber auch in Schutz: „Es gibt noch andere Länder, die so gut wie pleite sind, nur die geben es nicht zu - und jetzt ist Griechenland der ,Betrüger'.” Auch Tolmidis Savvas sieht die Politiker als Hauptverursacher der finan-ziellen Notlage in seinem Heimatland: „Die haben viel europäisches Geld eingesackt und auch vieles dem Zufall überlassen”, sagt der Iserlohner, dessen Großmutter in Griechenland von 345 Euro Rente lebt. „Da kann man sich doch denken, dass die Leute sauer sind, wenn ihnen noch Geld gestrichen werden soll.” Griechenland könne sich nur positiv entwickeln, wenn mehr in den Tourismus investiert werde.
Persönlich betroffen von der Situation in Griechenland ist auch SPD-Ratsherr Dimitrios Axourgos. Nicht nur, weil er tagtäglich mit hämischen Kommetaren zu dem Thema konfrontiert wird. „Das ist meistens ja lustig gemeint”, weiß der 26-jährige Lehrer. „Für die Menschen in Griechenland ist das aber alles andere als lustig.” Und zu diesen Menschen zählen auch die Großeltern von Axourgos sowie Onkels und Tanten, die gegenüber der Insel Korfu auf dem griechischen Festland leben. „Die Situation für die Menschen ist dramatisch”, sagt er und zeigt Verständnis für die Proteste. Schließlich treffen die Sparmaßnahmen der griechischen Regierung auch bei dieser Krise nicht diejenigen, die die Krise verursacht haben. Dennoch ist er sich sicher, dass die Maßnahmen sinnvoll und richtig sind. Und er gibt zu bedenken, dass ausgehend von Spekulanten auf dem Finanzmarkt, die durch solche Krisen Gewinne erzielen, auch andere Länder schnell in eine ähnliche Situation kommen können.
Über die Notwendigkeit des harten Sparkurses der Regierung ist sich auch Pater An-dreas Fragos im Klaren. Der leiter der griechisch-orthodoxen Gemeinde in Iserlohn hat sehr viele Verwandte in Griechenland, unter anderem seine drei Kinder, die in Athen und Thessaloniki leben. In den Gesprächen mit den Kindern, die alle einer normalen, geregelten Arbeit nachgehen, spürt er aber sehr viel Optimismus. Man müsse sich nun zwar einschränken, sei sich aber sicher, die Krise gut zu überstehen.
20:49
.... ach übrigens googelt doch mal SIEMENS im Zusammenhang mit der Krise in Hellas.....
So schnell stürzt man übrigens Regierungen....haben wir aus der USA gelernt.
http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/318/445055/text/
20:45
Nun ja, falls mich mein älteres Gehirn nicht im Stich läßt, war es doch so, dass die BRD auch nicht die Kriterien Erfüllte.......im Gegenteil, wieviel Millionen musste die damalige Regierung jährlich als Strafe zahlen? oder demnächst?
aber nein, wer erschießt schon sein bestes Pferd im Stall??
Wir stehen alle sehr kurz vor einem finaziellen Kollaps, der viel weiter gehen wird als wir uns je träumen wagten. Mein Rat: Kauft alle schon mal was zum tauschen......:-)) nur zur Info 7 % der Menscheit gehören knapp 75% des Gesamtgeldbetrages auf dieser Erde (u.a. dem Vatikan)
nicht mehr lange....
http://www.euractiv.de/markt-und-wettbewerb/artikel/haushaltsdefizit-noch-muss-deutschland-keine-eu-sanktionen-frchten-001547
15:56
Heute Griechenland, morgen Rumänien...
15:54
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15:07
@richie 04
Es geht nicht darum, Europäer gegeneinander aufzuhetzen. Aber vergessen Sie bitte nicht, daß die griechische Regierung Ihre Bilanzen skrupellos gefälscht und manipuliert hat, um in den Euro-Club aufgenommen zu werden!
14:39
das wir europäer jetzt wiider gegeneinander aufgehetzt werden, hat auch methode ...
12:29
Damit der Euro nicht durch Griechenland in den Bankrott abrutscht, dürfte jetzt schon feststehen, wer letzten Endes zahlen wird: Der deutsche Steuerzahler. Wetten,daß?...
11:23
wenn wir europäer jetzt nicht gegen die globalen ausbeuter und zocker der real herschenden finanzwelt zusammenhalten, dann sind wir von vornherein schon verloren ...
22:30
Danke.
18:49
zu # 1: Respekt! Eine offene Aussage und beachtenswerte Analyse.