Die Frauenkirche feiert und Iserlohn ist dabei

Im Jahr 2011 war der Märkische Motettenkreis Iserlohn zum letzten Mal in Dresden zu Gast.
Im Jahr 2011 war der Märkische Motettenkreis Iserlohn zum letzten Mal in Dresden zu Gast.
Foto: IKZ
Was wir bereits wissen
Eine große Ehre: Der Märkische Motettenkreis ist Teil des Konzertprogramms zum Zehnjährigen

Iserlohn..  Ein dickes Programmheft ist erschienen zur Feier des zehnjährigen Bestehens der „neuen“ Frauenkirche nach dem Wiederaufbau im Jahr 2005. „Musik in der Frauenkirche Dresden im Jubiläumsjahr 2015“ heißt das 155 Seiten starke Büchlein, das 128 Konzerte mit vielen namhaften Musikern auflistet. „Und da sind wir mittendrin“, freut sich Dr. Wolfgang Besler. Mit seinem Märkischen Mottenkreis „Cantorum Vocale“ hat der Iserlohner Kirchenmusiker schon so manche große Konzertreise unternommen. Die Möglichkeit, in diesem festlichen Rahmen ein Konzert in Dresden zu gestalten, ist für dem Chor aber eine ganz besondere Ehre, die die Sängerinnen und Sänger sowie ihren Dirigenten mit großem Stolz erfüllt.

Dazu müsse man wissen, erklärte Dr. Besler im Gespräch, dass die Frauenkirche selbst natürlich über sehr gute Chöre und Ensembles verfügt und die meisten Chorkonzerte mit eigenen Mitteln stemmt. Für die wenigen Konzert-Termine, die dann übrig blieben, hätten sich unheimlich viele namhafte Chöre beworben. Dass der Iserlohner Motettenkreis dabei nun erneut zum Zuge kommt, sei auch das Ergebnis einer nun schon viele Jahre andauernden, engen Zusammenarbeit, in der der Motettenkreis wiederholt sein hohes Niveau unter Beweis gestellt hat.

1987 erstes Gastspiel in der Marktkirche Hannover

Die Idee, nicht nur in Iserlohn, sondern auch auswärts Konzerte zu geben, begleitet den Motettenkreis bereits seit den Anfängen. Schon 1987 gab es die erste Reise nach Hannover mit Konzert in der Marktkirche. Danach gab es Gastspiele im Altenberger Dom und immer wieder auch in der Probsteikirche Werl. Auf ein ganz neues Level mit ganz neuem Schwung stieg die Reisetätigkeit dann aber erst 2008 mit dem ersten Konzert in Dresden. Schon lange zuvor hatte Besler gute Kontakte zu den Mitgliedern der Staatskapelle Dresden, namentlich zu dem Trompeter Prof. Peter Lohse, aufgebaut. Als im Zuge des Wiederaufbaus der Frauenkirche und der Einweihung im Oktober 2005 unter dem jungen Kantor Matthias Grünert auch die Kirchenmusik wieder erwachte, hat sich Dr. Besler dort sofort für ein Gastspiel beworben. 2006 begann die Korrespondenz, eine mitgeschickte CD vom Motettenkreis hat Matthias Grünert schließlich überzeugt, und 2008 reisten die Iserlohner Sängerinnen und Sänger erstmals an die Elbe, um mit Gottesdienstgestaltung am Morgen und Konzert am Nachmittag sofort das ganz große Paket zu bedienen. Es folgten Gastauftritte im Berliner Dom (2009), in St. Michaelis Hamburg (2012) und im Bremer Dom (2014). Mit Dresden verbindet der Chor ein besonderes Band, zumal er 2011 bereits ein zweites Mal dort konzertieren durfte und Matthias Grünert sowohl als Orgel-Virtuose als auch als Dirigent mit dem Kammerchor der Frauenkirche schon mehrmals beim Iserlohner Orgelsommer zu Gast war. Es sei nicht untertrieben, so Besler, wenn man von einer tiefen Freundschaft spreche, die sich da auf kirchenmusikalischer Ebene zwischen Iserlohn und Dresden entwickelt habe.

Mitglieder vom Motettenkreis sind echte Dresden-Experten

Und natürlich sind die Mitglieder des Motettenkreises nach zwei Gastspielen auch zu echten Dresden-Experten geworden, die die Veränderungen der Stadt mit Interesse beobachten und sich schon auf die erneute Tour in das Elb-Florenz im September freuen. „Wir haben immer denselben Stadtbild-Erklärer, der sich immer genau auf uns einstellt und die Neuerungen aus unserer Sicht hervorhebt“, sagt Dr. Besler. Nun wird es zum Beispiel die neue Elbbrücke sein, deren Errichtung ja ein großer Streitpunkt war und Dresden den Status als Weltkulturerbe gekostet hat.

Die Zuneigung zu der sächsischen Hauptstadt ist auf Iserlohner Seite groß, und umso bedauerlicher empfindet auch Dr. Besler die derzeitigen Anti-Islam-Demonstrationen der Pegida-Bewegung, die aktuell erneut 18000 Menschen auf die Straße gelockt hat. „Das bedeutet mit Sicherheit einen enormen Image-Verlust, einen großen Schaden für die Stadt“, so Besler.

Wenn es am Sonntag, 20. September, aber für den Motettenkreis ernst wird, hat der Chor aber ganz andere Dinge im Kopf. Denn erneut wird er im Gottesdienst und im Konzert auftreten, was jedes Mal einen sehr anstrengenden Kraftakt bedeutet. Ab etwa 8 Uhr stehen die ersten Proben für das Gottesdienstprogramm an, der Gottesdienst selbst folgt um 11 Uhr. Danach bleibt nur eine kurze Verschnaufpause, denn nur bis 14 Uhr kann erneut für das Konzert um 15 Uhr geprobt werden. Auf dem Programm stehen unter anderem die Bach-Motette „Jesu meine Freude“, die im fünfstimmigen Satz besondere Schwierigkeiten bereit hält, und die doppelchörigen „Fest- und Gedenksprüche“ von Brahms – ein Programm, das es in sich hat, und dass nun schon mit Eifer geprobt wird. „Dass wir in diesem Programmbuch erscheinen, ist schließlich nicht nur eine Ehre, sondern auch eine Verpflichtung“, sagt Dr. Besler.