Dicke Nerven und Diskretion sind Ehrensache

Bestattungshaus Weller: Geschichte über Senior Alfons Weller, der seinen Diamentenen Meisterbrief bekommen hat und mit 83 immer noch beruflich aktiv ist
Bestattungshaus Weller: Geschichte über Senior Alfons Weller, der seinen Diamentenen Meisterbrief bekommen hat und mit 83 immer noch beruflich aktiv ist
Foto: IKZ
Was wir bereits wissen
Der 83-jährige Alfons Weller kann viel über den Umgang der Menschen mit dem Tod erzählen. Er arbeitet noch an der Seite seines Sohnes im Bestattungsunternehmen. Kürzlich erhielt der den diamantenen Meisterbrief.

Iserlohn..  Noch jeden Morgen kommt Alfons Weller in seinen Familienbetrieb, den er zusammen mit seinem Sohn Andreas führt: das „Haus des Abschieds“. Seit nunmehr zehn Jahren befindet sich ihr Bestattungshaus Buchholz Weller, benannt nach einem 1899 an der Steinstraße gegründeten Familienbetrieb, an der Lilienthalstraße; direkt in Nachbarschaft des städtischen Friedhofes.

Das ist ein ziemliches Alleinstellungsmerkmal, weiß er. Eine ideale Lage, zumal auch nebenan ein Blumengeschäft und ein Steinmetzbetrieb ansässig sind. Nebenbei bemerkt: In Iserlohn und seinen Stadtteilen gibt es 13 Beerdigungsinstitute.

Dabei ist Alfons Weller in einem Alter, wo andere schon längst ihren Ruhestand genießen. Der 83-Jährige konnte kürzlich seinen Diamantenen Meisterbrief der Handwerkskammer Südwestfalen entgegen nehmen. Er zeigt seine beiden Hände, an denen glücklicherweise noch alle Finger dran sind, was längst nicht bei jedem Tischlermeister der Fall ist.

Mit dem Fahrrad zur Bewerbung nach Iserlohn

Er war als jüngstes von drei Kindern in Brunskappel geboren worden. hatte in Siedlinghausen gelernt. Das elterliche Haus brannte nach einem Artilleriebeschuss 1945 ab. „Nach der Lehre herrschte in unserem früheren Betrieb Flaute, dann hörte ich, dass in der Tischlerei Fürstenberg ein Tischler gesucht wurde. Mit dem Fahrrad fuhr ich Ende 1950 nach Iserlohn, um mich zu bewerben“, erinnert er sich an die 80 Kilometer-Tour bis hierher. Und er hatte Glück. Mit 20 Jahren kam er nach Iserlohn, wo bereits seine Schwester wohnte. Sieben Jahre arbeitete er bei Fürstenberg. Er heiratete 1955. 1957 legte er die Meisterprüfung ab und machte sich selbstständig.

1972 übernahm er mit seiner Ehefrau Käthe das Beerdigungsinstitut Buchholz, das seit 1899 in der Steinstraße ansässig war. Den Namen hat er übernommen. Nachdem das Haus an B & U verkauft worden war, zog er in die Kirchstraße um, die nach der kommunalen Neuordnung Am Bilstein hieß. 1987 trat Sohn Andreas in das Familienunternehmen ein und führt bis heute das Geschäft mit seinem Vater zusammen.

Und vor zehn Jahren ist der Betrieb dann umgezogen an die Lilienstraße, wo Vater und Sohn ihr Beerdigungsinstitut seither als „Haus des Abschieds“ betreiben.

Im Jahr 2014 bewältigte der Familienbetrieb bereits 280 Bestattungen. In den 70er Jahren, als er mit seiner Frau angefangen hatte, war es sogar fast täglich eine. „Ich war Tag und Nacht unterwegs, habe Überführungen bis Bayern gemacht und habe nur gearbeitet“, berichtet Alfons Weller von einem arbeitsreichen Leben. Werktags geht er noch bis mittags in den Familienbetrieb. Und er übernimmt immer noch die Überführungen zum Krematorium.

Und was hat ihn so fit gehalten? „Ich trinke jeden Tag nach dem Frühstück ein Gläschen Mineralwasser mit Apfelessig und Honig“, beschreibt der Senior sein Elixier. Sein Sohn nickt bestätigend und fügt hinzu: „Vater isst von uns am gesündesten, jeden Tag einen Apfel und viel Gemüse.“

Gesichter des Todes und Einblicke in Schicksale

Der Beruf des Bestatters bringt es mit sich, viele Gesichter des Todes zu sehen, Einblicke in viele Schicksale zu bekommen. Hat ihn das belastet? „Bei Selbsttötungen habe ich mich oft gefragt: Warum? Weshalb?“ Er weiß von Menschen, die es drei oder viermal versucht haben, bevor sie sich dann tatsächlich umgebracht haben. „Am schlimmsten ist es, wenn sich Menschen vor den Zug geworfen haben“, erzählt er. Und sein Gesichtsausdruck spricht Bände. Dann müsse der Bestatter in Absprache mit der Bundespolizei die sterblichen Überreste zusammensuchen.

Neben dicken Nerven ist Diskretion Ehrensache in seinem Beruf: „Was glauben Sie, wie viele Messie-Wohnungen es in Iserlohn gibt? Da ist der Anblick des Verstorbenen manchmal noch das Angenehmste.“

Die Trauerfeiern und Abschiedsrituale seien je nach Kulturkreisen ganz unterschiedlich, aufwendig oder schmucklos. „Die Russlanddeutschen trauern am meisten um ihre Angehörigen“, schildert Alfons Weller seinen Eindruck. Er berichtet auch von afrikanischen oder russisch-orthodoxen Gesängen am Sarg und Auftritten von Dudelsackspielern - oder dem Spielmannzug.

Mittlerweile gebe es zwischen 60 und 70 Prozent Feuerbestattungen“, weiß er. „Das sind in den letzten 20 Jahren mehr geworden.“

Die Abschiedszeremonien haben sich auch im Laufe der Jahre gewandelt: Spielte früher ein Organist, ein Trompeter oder Saxofonist, seien auch der Einsatz von CDs und Diashows per Laptop hinzugekommen, berichtet der Junior Andreas Weller:. „Und über Skype konnte kürzlich eine Verwandte aus den USA, die mit ihrer Zwillingsschwester regelmäßig skypte, an der Trauerfeier teilhaben.“