Deutsche Songs im Swing-Gewand

Werner Geck hat am Donnerstagnachmittag im Henkelmann erste Einblicke in sein neues Programm „Frauen sind keine Engel“ gegeben.
Werner Geck hat am Donnerstagnachmittag im Henkelmann erste Einblicke in sein neues Programm „Frauen sind keine Engel“ gegeben.
Foto: IKZ
Was wir bereits wissen
Das Werner-Geck-Trio taucht Ostermontag in die wilden 20er in Berlin ein.

Iserlohn..  Der Flügel sei schon in Ordnung, gestimmt werden müsse er nicht mehr, sagt Werner Geck. Für seine Belange genüge das so auf jeden Fall. Und es sei mit ein paar kleinen Reibungen ja auch viel authentischer. Schließlich stehen bei dem Iserlohner Pianisten am Ostermontag die 20er und 30er Jahre in Berlin auf dem Programm. An den dortigen Theatern habe damals dermaßen viel Streit und Unfrieden geherrscht, zum Klavierstimmen sei dort vermutlich niemand gekommen.

Diese Verhältnisse an den Berliner Theatern in den wilden 20ern sind auch Gegenstand seines Konzertes. Denn bei der kommenden Ostermatinee im Henkelmann lädt Geck zum zweiten Mal nach seinem Programm zum Broadway vor zwei Jahren zu einem „Erzähl-Konzert“ ein, bei dem er mit seinem Trio nicht nur musikalisch in die damalige Zeit eintaucht, sondern mit vielen Geschichten und Anekdoten auch die Umstände schildern wird, unter denen die Komponisten und Musiker damals gearbeitet haben.

Vom Broadway zur„Dreigroschenoper“

Sein zweites Programm dreht sich nun unter dem Titel „Frauen sind keine Engel“ um die 20er und 30er Jahre in Berlin. Und in dieser Stadt, die damals DIE Kulturmetropole Europas war, tummelten sich einige sehr schillernde Persönlichkeiten. Etwa Kurt Weill, der nach der Premiere der „Dreigroschenoper“ 1928 im Theater am Schiffbauer Damm getobt haben soll – nicht weil irgendetwas schief gegangen war, sondern weil seine Frau nicht groß genug im Programmheft erwähnt wurde. Derlei Empfindlichkeiten und Eitelkeiten müssen damals wohl an der Tagesordnung gewesen sein, sagt Werner Geck, der gestern beim Flügel-Testen im Jazzclub an der Oberen Mühle schon einige Einblicke in sein neues Programm gewährte.

Vor allem müssen die Komponisten damals, die vor allem in Filmmusiken und im politischen Kabarett unsterbliche und bis heute nachwirkende Songs geliefert haben, mutige Leute gewesen sein. Von Theo Mackeben, einem erstklassig ausgebildeten Pianisten und Komponisten, der sich anders als viele andere seiner Kollegen mit der Reichskulturkammer arrangiert hatte und nicht ins Exil gegangen war, wird zum Beispiel erzählt, dass er 1944 bei Dreharbeiten in einem Berliner Keller von einem heftigen Bombenangriff überrascht wurde, bei dem alle Anwesenden um ihr Leben fürchteten. Er soll bis zur Entwarnung eine Stunde lang Bach gespielt haben, keiner soll auch nur einen Mucks gemacht haben. Und der berühmte Komponist Friedrich Hollaender, der auch im politischen Kabarett aktiv war, hat noch kurz vor seiner Emigration eine Persiflage auf die Habanera aus „Carmen“ mit dem Titel „An allem sind die Juden schuld“ geschrieben.

Evergreens von Mackeben, Hollaender und Kreuder

Im Mittelpunkt steht bei Werner Geck aber natürlich die Musik. Es sei schon ein wenig ungewohnt, diese deutschen Songs zu spielen, die zwar unvergessen seien, aber ja nicht als Standards Eingang in den Jazz gefunden haben wie die Broadway-Hits. Dennoch wird er die Evergreens von Theo Mackeben („Bel Ami“), Friedrich Hollaender („Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“) oder Peter Kreuder („Musik, Musik, Musik“) auf seine ganz eigene Art verjazzen und in Improvisationen verarbeiten. Dazu nimmt er auch Verwandtes etwa von Cole Porter („Ganz Paris träumt von der Liebe“) ins Programm. Und vor allem hat er mit Paul G. Ulrich am Bass und Christian Schröder am Schlagzeug zwei Musiker an seiner Seite, mit denen er ein bestens eingespieltes Trio ergibt. Überdies ist Bassist Paul G. Ulrich auch ein erstklassiger Sänger, der den ein oder anderen Song singen wird.