Der Rektor geht – aber es bleiben viele Fragen

Prof. Dr. Volker Busch
Prof. Dr. Volker Busch
Foto: Michael May IKZ
Was wir bereits wissen
„Einvernehmliche Trennung“ von Prof. Volker Busch lässt nicht nur BiTS-Gründer Walther staunen.

Iserlohn..  Der Flurfunk an der BiTS arbeitet offensichtlich bereits seit Tagen auf Hochtouren an dem Thema, und wenn am gestrigen Freitag die Mitglieder des Senats eine vielleicht am Ende doch überraschende Einladung zu einer Sondersitzung am kommenden Mittwoch erhalten haben, in der über Themen zwar nicht geredet wird, dann müssen sie wohl über die Tagesordnung nicht erst sonderlich spekulieren. Prof. Dr. Volker Busch, seit 13 Jahren lehrend an der privaten Hochschule tätig und seit zehn Jahren ihr Geschäftsführer und Rektor, wird an diesem Tag seinen Schreibtisch und sein Büro räumen. „In beiderseitigem Einvernehmen“ und „wegen unterschiedlicher strategischer Beurteilungen von Sachverhalten“ soll, so wird es als offizielle Lesart kolportiert, dieser Schritt erfolgt sein. Auch wenn es dafür aus der Hochschule gestern keine offizielle Bestätigung gab. Dr. Lothar Hirschbiegel, ebenfalls Geschäftsführer und zudem Kanzler der Hochschule, erklärte auf Anfrage der Heimatzeitung: „Haben Sie bitte Verständnis, aber mir ist durch den Gesellschafter untersagt, zu diesen Dingen Stellung zu beziehen. Ich kann das also nicht bestätigen und nicht verneinen.“

Unterschiede in den strategischen Ansichten

Im Dunklen über Hintergründe und Fakten tappt dann auch derzeit noch der Gründer der Hochschule, Prof. Dietrich Walther. Auch er habe von den Entwicklungen gehört, sagt er, könne sich allerdings nicht wirklich einen Reim darauf machen. Wenn die Trennung von der Hochschule ausginge, würde ihn das überraschen. „Nach meinem Wissen und Erleben hat Professor Busch für Iserlohn und die Entwicklung der BiTS einen guten Job gemacht.“ Gerade erst habe er ja erfolgreich eine weitere TÜV-Zertifizierung und Anerkennung auf Landesebene auf den Weg gebracht

Offen sprechen über die aktuelle und anzunehmende Entwicklung des Hochschule, die 2008 von der amerikanischen Laureate Education Inc. über ihre deutsche Tochter Laureate Germany Holding GmbH von Dietrich Walther gekauft wurde, möchte in diesen Tagen also offenkundig niemand. Fakt scheint aber zu sein, dass sich die grundsätzliche Situation in Iserlohn deutlich geändert hat, seitdem mit Berlin und Hamburg zwei weitere Deutschland-Standorte in das BiTS-Portfolio aufgenommen wurden. Mehrfach war in der Vergangenheit zu hören, dass inzwischen immer mehr Kompetenzen vom Seilersee an die Spree und die Elbe gegangen waren. „Busch musste zum Schluss doch für jeden Euro zwanzig Unterschriften im Konzern einholen, selbstständig entscheiden durfte er nichts mehr“, bestätigt ein Insider der Heimatzeitung.

„Alarmierend“, so wird hinter vorgehaltener Hand berichtet, sei schließlich auch gewesen sein, dass man bereits im vergangenen Jahr in einer Nacht- und Nebel-Aktion die Ehefrau des Professor Busch, ebenfalls von Anfang an im Management der Hochschule für Qualitätsmanagement und Personal zuständig, „abgesägt“ habe. „Und er musste ihr selbst die Kündigung überbringen.“

An wirtschaftlichen Schieflagen innerhalb des Iserlohner Angebotes kann die Trennung offenbar aber auch nicht liegen, denn die Zahlen haben sich in der Waldstadt – nicht zuletzt durch den am Ende doch segensreichen Abitur-Doppel-Jahrgang – überraschend gut und zufriedenstellend entwickelt. Etwa 1500 Studentinnen und Studenten sind auf dem Iserlohner Campus eingeschrieben. Mehr als 50 Professorinnen und Professoren sind inzwischen in Iserlohn aktiv tätig. Hinzu kommen weitere 100 Lehrbeauftragte. Die deutlich jüngeren Angebote in Berlin und Hamburg werden zusammen von etwa 300 Studierenden genutzt. Während Dietrich Walther erzählt, dass man ihm in jüngerer Vergangenheit seitens der in Berlin residierenden Deutschland-Leitung des Unternehmens von weiteren Expansionsplänen für steigende Studierenden- und somit auch Umsatzzahlen am Standort Iserlohn berichtet habe, kommen andere Beobachter zu der Vermutung, dass die international tätige Gruppe neben ihren Standorten wie beispielsweise Madrid, Paris, Berlin, Hamburg mit Iserlohns Größe und Lage zunehmend gewisse „Selbstverständnis-Probleme“ habe.

Wie steht es um die Einbindung in die Region?

Die gleichen Beobachter wollen auch festgestellt haben, dass die Einbindung der von Walther dereinst so genannten Unternehmer-Hochschule in die märkische oder südwestfälische Region nicht mehr mit der gleichen Intensität betrieben wird, wie noch zu Zeiten des Gründers. Dafür mag auch sprechen, dass der Ehrensenat der Hochschule, in der unter anderem hochrangige Vertreter aus Wirtschaft und Politik vertreten sind, zum letzten Mal vor zweieinhalb Jahren getagt hat.

Könnten nicht auch Walthers Bemühungen, auf dem Gelände eine zweite Gesamtschule anzusiedeln und auch den Ausbau eine Kongresszentrums voranzutreiben, mit Unlustplänen der Hochschul-Verantwortlichen zusammenhängen? „Ich weiß von dieser Unlust nichts,“ sagt der Besitzer und Vermieter der BiTS-Immobilien. Seine Mietverträge liefen zunächst einmal bis 2017 mit der deutlichen Option der Verlängerung. Und ein wesentlicher Gebäudeteil befinde sich ja zudem auch im Laureate-Besitz. „Das würde einen Abschied aus Iserlohn aus meiner Sicht schon deutlich erschweren.“

Auch schon im Flurfunk zu hören: Eine Inhouse-Nachfolgelösung für Professor Busch soll zumindest auf der Gesellschafterseite schon gefunden sein.