Der Neuanfang ist geglückt: Iserlohn sagt "Gott sei Dank"
26.12.2008 | 21:56 Uhr 2008-12-26T21:56:00+0100
Iserlohn. „Märchenhaftes Iserlohn”: Am 23. Dezember gegen 20 Uhr verbreitete sich auf dem Weihnachtsmarkt am Alten Rathausplatz eine fast schon geschichtsträchtige Nachricht wie ein Lauffeuer: Bei Mikli soll es keine Folienkartoffeln mehr geben - ausverkauft.
Und tatsächlich bestätigt sich das Gerücht. „Das haben wir noch nie erlebt. Zum ersten Mal seit 27 Jahren sind wir restlos ausverkauft”, konnte das Schaustellerehepaar Marion und Valentin Mikli auch an Heiligabend den unerwarteten Erfolg noch nicht richtig fassen. Einen Erfolgsgaranten haben die Urgesteine des Iserlohner Weichnachtsmarktes allerdings sehr wohl schon ausgemacht. „Wir können Frau Ewers nur zu diesem neuen Konzept gratulieren”, fokussiert sich der Dank auf Beate Ewers, die Weihnachtsmarkt-Organisatorin der Gesellschaft für Wirtschaftsförderung.
Angesichts derart positiver Rückmeldungen fallen der Glückwunsch-Adressatin Zentnerlasten von den Schultern. „Das Image des Iserlohner Weihnachtsmarktes war ramponiert, aber nach dem, was wir uns vorgenommen und angekündigt haben, war die Erwartungshaltung dennoch sehr hoch. Jetzt können wir an Heiligabend sagen, dass alles rundum supergut gelaufen ist und wir die Messlatte übersprungen haben”, zieht Beate Ewers noch vor dem Beginn der Abbauarbeiten eine durchweg positive Bilanz. Und ausverkaufte Stände waren zwar vielleicht der deutlichste, aber keinesfalls einzige Indikator dafür, dass das Konzept „Märchenhaftes Iserlohn” voll aufgegangen ist. „Ich habe immer wieder das Gespräch mit Besuchern gesucht und so gut wie keine negative Kritik bekommen”, kann Beate Ewers davon ausgehen, in diesem Jahr den sensiblen, da strapazierten Weihnachtsmarkt-Geschmack der Iserlohner getroffen zu haben. Bleibt die Frage nach dem Erfolgsrezept. „Es war ein kleiner, aber feiner Markt von Iserlohnern für Iserlohner mit einem wunderschönen, besinnlichen Ambiente”, ist sich Ewers sicher, dass der traditionelle Charakter des Marktes der Schlüssel zum Erfolg war. Auch zahlreiche Programmpunkte leisteten ihren Beitrag, die besinnliche Atmosphäre auf dem Alten Rathausplatz weiter zu steigern. So zählten für Beate Ewers die Auftritte der verschiedenen Chöre, die Themen-Stadtführungen, die Eröffnung mit den „Iserlohner Stadtmusikanten” oder die „1st Sauerland Pipes and Drums” zu den absoluten Höhepunkten im Programm.
Zurück zu Miklis Kartoffeln: Noch könnte man vermuten, dass sich der Erdapfel-Heißhunger negativ auf die Geschäfte anderer Schausteller ausgewirkt haben könnte. Aber weit gefehlt. „Ich bin absolut zufrieden. Die Umsatz-Erwartungen wurden übertroffen”, bilanziert Dirk Hahn, der mit einem Mandelstand auf dem Alten Rathausplatz vertreten war, sein Weihnachtsgeschäft. „Viele orientieren sich in ihren Weihnachtsmarkt-Ansprüchen an den Großstädten. Hier ist es aber klein und gemütlich und die Atmosphäre stimmt”, ist sich Hahn sicher, dass auch diese externen Faktoren sein Geschäft angekurbelt haben. „Ich habe einen Strich drunter gezogen und bin sehr zufrieden”, stimmt auch bei Valentin Mikli Junior, der in den letzten vier Wochen mit Bratwurst und erstmals auch mit ausgewählten Glühwein-Sorten handelte, die Kasse.
Eine Glühwein-Hütte betreibt auch Thomas Wendler und auch seine Bilanz dürfte die Organisatoren freuen. „Das Geschäft war für mich zufriedenstellend, nicht besser und nicht schlechter als in den Vorjahren, aber es gab auch mehr Glühweinstände und daher mehr Konkurrenz. Iserlohn kann nach den Fehlern der letzten Jahre aber ,Gott sei Dank' sagen. Das Konzept, den Aufenthaltswert der Innenstadt zu erhöhen und das Kaufpotenzial in der Stadt zu halten, ist aufgegangen. Ausschlaggebend war die Dekoration, die das richtige Ambiente schuf, resümiert Wendler, der zugleich in die Zukunft blickt: „Wir haben einen guten Kurs eingeschlagen, den es nun behutsam fortzusetzen gilt”.
Um die Nachhaltigkeit der positiven Eindrücke nicht zu gefährden, haben sich Organisatoren und Schausteller entschieden, den Weihnachtsmarkt-Abbau mit schwerem Gerät nicht wie zunächst geplant am Samstag in einer sicherlich gut besuchten Innenstadt zu vollziehen, sondern die Tore des „Märchenhaften Iserlohns” an diesem Tag ein letztes Mal für alle Besucher zu öffnen. So besteht nach den Festtagen noch einmal die Möglichkeit, bei Glühwein, Bratwurst und gebrannten Mandeln Weihnachtsmarkt-Luft zu schnuppern. Auf die Folienkartoffeln von Marion und Valentin Mikli werden die Iserlohner allerdings bis zum nächsten Jahr warten müssen. Die sind nach wie vor ausverkauft.
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