Der Bierkrieg tobt um das Erbe der Iserlohner Brauerei

Die Brauereien in Südwestfalen stehen im Wettstreit um das Erbe der Iserlohner Brauerei.
Die Brauereien in Südwestfalen stehen im Wettstreit um das Erbe der Iserlohner Brauerei.
Foto: IKZ
Was wir bereits wissen
Turbulenzen auf dem Brauerei-Markt in und um Iserlohn: Gastronomen und Festveranstalter sehen sich von Brauereien aus dem Sauerland umworben. Für die Brauereien ist es ein harter Kampf um Marktanteile und die Vorherrschaft im Fassbier- und Gastronomiegeschäft.

Hagen/Iserlohn.. Der sich verändernde Biermarkt in Deutschland bringt nicht nur Gewinner hervor, auch nicht in der Bier-Hochburg Südwestfalen. Das Ende der Schwelmer Brauerei ist nur ein Beispiel. Und das einstige regionale Glanzlicht Iserlohner, das viele Jahre Top-Adressen in der Gastronomie des Sauerlandes belieferte, ist zu einer eher lokalen Marke verkümmert. Böswillige sagen: zu einer Flaschenbier-Abfüllstation.

Denn das Iserlohner Fassbier- und Gastronomiegeschäft liegt seit September 2011, von der Öffentlichkeit weitgehend unbeachtet, in den Händen von Krombacher. Und auf diesem Gebiet wird das Fell des Bären in der Region gerade neu verteilt, wie Veltins-Pressesprecher Ulrich Biene bestätigt: „Für uns war der Iserlohner Markt immer einer, der an die lokale Brauerei verteilt war, und wir haben uns nie offensiv darum gekümmert.“

Krombacher zugeknöpft

Seit etwa anderthalb Jahren gebe es aber eine große Nachfrage sowohl von Festveranstaltern als auch aus der Gastronomie. Daher sei Veltins in den Wettbewerb eingetreten und „aktiver im Markt als noch vor Jahren“. Biene sprach in diesem Zusammenhang von „erfreulichen Zugewinnen an Gastronomiepartnern“ im Märkischen Kreis.

Bier Die Krombacher Brauerei, zu 100 Prozent Inhaberin der Iserlohner Gastro GmbH, die rund 500 gastronomische Objekte im Sauerland betreut, gibt sich bei diesem Thema eher zugeknöpft. „Iserlohner ist eine alteingesessene Marke, die sich in der Region halten wird“, gibt sich Brauerei-Sprecher Weihrauch überzeugt. Der Fassbierbereich sei überall rückläufig, betont er. Der Markt sei umkämpft - „mit dem branchenüblichen Wettbewerb“.

Eine „geschmackliche Delle“ im Bier

Offenbar nicht nur bei Hotels und Gaststätten. Nach den Worten von Thomas Junge, oberster Wirtschaftsförderer der Stadt Iserlohn, ist Veltins jetzt Partner der „Iserlohner Sommernächte“, was die Brauerei bestätigt. Junge macht dafür „wirtschaftliche Gründe“ geltend - nicht in Euro und Cent, sondern wegen einer „Reihe von Dingen, die mit dem neuen Brauerei-Partner anders gehandhabt werden.“ Ähnliches gilt für Bereiche des Vereinslebens, etwa für die Bürgerschützen. Auch dort soll es Überlegungen in diese Richtung geben.

Biermarkt Für Junge ist die Iserlohner Privatbrauerei über Jahrzehnte ein positiver Imageträger für die Stadt gewesen, „aber viele Menschen sagen heute, da hat sich etwas verändert.“ Gerüchte sprechen von temporären Qualitätsproblemen aufgrund eines Investitionsstaus. Man würde heute in der Stadt nicht mehr so um die Brauerei kämpfen wie noch vor rund zehn Jahren, als das Unternehmen kurz vor dem Aus stand, ist der oberste Wirtschaftsförderer überzeugt.

Iserlohner-Geschäftsführer Lars Junker räumt „Qualitätsmängel“ im vergangenen Sommer ein, die aber abgestellt seien. Aufgrund von „Rohstoff-Schwankungen“ habe das Bier eine „geschmackliche Delle“ gehabt, musste aber seinen Worten zufolge nicht zurückgerufen werden. An der gegenwärtigen Diskussion um Iserlohner ärgert ihn zweierlei: Die Marke und die Markenrechte lägen nicht bei Krombacher, sondern weiterhin bei Iserlohner.

Aktiv geworben

Und das Verhalten mancher Wettbewerber - trotz der „strategischen Klemme“ seines Unternehmens zwischen Krombacher, Veltins und Warsteiner: „Ich muss damit leben, dass in unserem Kerngebiet etwa 20 Kilometer rund um die Stadt aktiv geworben wird“, so Junker.

Verkauft worden seien vor zwei Jahren lediglich die Lieferrechte für Iserlohner in 30- und 50-Liter-Fässern. Krombacher habe die Bestandsverträge gekauft und bemühe sich nun in „Randgebieten“, Gastronomen zum Wechsel von Iserlohner zu Krombacher zu bewegen. Das sei aber Teil der neuen Strategie und so gewollt.

Investitionsstau bei Zelten und Ausschankwagen

Das gilt offenbar auch für Feste und Veranstaltungen in der Region, die bisher Iserlohner als Partner hatten. Auch dort müsse man sich beschränken und könne nicht mehr auf jeder Hochzeit tanzen, so Junker: „Die Kapitalkraft eines kleinen Unternehmens hört irgendwann auf. Wir können nicht mehr überall als Sponsor auftreten.“ Zudem habe es einen deutlichen Investitionsstau bei Zelten und Ausschankwagen gegeben.

Iserlohner will sich den Worten des Geschäftsführers zufolge daher auf seinen Kernmarkt rund um das Stadtgebiet konzentrieren. Lars Junker konnte nicht bestätigen, dass Veltins bei den „Iserlohner Sommernächten“ eingestiegen sei, jedenfalls gebe es noch keine Unterschriften. Ebenso wenig wie bei den Iserlohner Bürgerschützen. Aber das liege in der Hand von Krombacher als Fassbierpartner, so der Geschäftsführer: „Wenn wir uns entscheiden, die Sparte zu verkaufen, sind wir raus.“

Alkohol Von einer Krise will Lars Junker nicht sprechen, im Gegenteil: „Wir haben als eine der wenigen Brauereien in Nordrhein-Westfalen Vollauslastung, wir füllen rund um die Uhr ab.“ „Aber“, so räumt er ein, „es geht uns noch nicht richtig gut, Kosten und Ertrag passen nicht ganz zusammen.“ Eigentümer ist seit 2010 der ehemalige Vorstandschef des Getränkekonzerns Brau und Brunnen, Michael Hollmann.

Hollmann lässt am Standort neben 80.000 Hektoliter Iserlohner Flaschenbier und 20.000 Hektoliter Fassbier viele Bier-Eigenmarken für Supermarktketten abfüllen - Lohnaufträge für Edeka/Trinkgut und Essmann im Umfang von 400.000 Hektoliter - wie etwa die Preis-Einstiegsmarke Traugott Simon.

Laut dem Branchenmagazin „Inside“ wird der „Feldversuch“ in Iserlohn zeigen, „welche Auswirkungen der Verlust von Fassbier auf eine Regionalmarke hat. Und wie viel Krombacher gegen die alarmierte Konkurrenz aus dem Sauerland verteidigen kann.“ Für manche Experten ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis Iserlohner ganz aus der Gastronomie verschwunden ist.