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Sozialer Wohnungsbau

Denkmalschutz für den Schlieperblock?

17.05.2010 | 18:23 Uhr
Denkmalschutz für den Schlieperblock?

Iserlohn/Münster.Für den Laien ohne denkmalpflegerische Kenntnisse klingt es wie ein weniger gelungener Scherz: Weil das Land den „Schlieperblock“ vor dem Abriss bewahren will, steuert es 17 500 Euro zu einer Machbarkeitsstudie bei.

Sie soll klären, ob es möglich ist, das zwischen 1928 und 1932 entstandene Gebäudeensemble zu nutzen oder zumindest teilweise zu erhalten. Die Bezirksregierung Arnsberg hat am Freitag den Zuwendungsbescheid für die Machbarkeitsstudie an die Iserlohner Gemeinnützige Wohnungsgesellschaft (IGW) als Eigentümer des Ensembles verschickt.

Die Siedlung „Schlieperblock“ besteht aus 25 Reihenhäusern und 92 Wohnungen. Sie ist wegen ihres schlechten Bauzustands und sozialer Probleme weitgehend leergezogen. Die IGW möchte die Gebäude abreißen und neue Wohnbebauung errichten. Das Landesamt für Denkmalpflege in Münster will aber auf der Grundlage seiner bisherigen Untersuchungen dem Abbruch nicht zustimmen und strebt an, die Siedlung vorläufig unter Schutz zu stellen.

In Absprache mit dem Ministerium für Bauen und Verkehr des Landes hat zuvor ein Werkstattgespräch mit mehreren Planern und Architekten stattgefunden. Aufbauend auf dessen Ergebnissen soll die Machbarkeitsstudie nun abschließend klären, ob die Siedlung zumindest teilweise gerettet werden kann.

„Bei dem Schlieperblock handelt es sich wohl NRW-weit um eines der ganz wenigen nahezu vollständig erhaltenen Exemplare des sozialen Wohnungsbaus der 20er Jahre. Anders als bisher zumeist angenommen, hat die Siedlung nichts mit der Firma Schlieper zu tun. Die Gebäude wurden von der Stadt errichtet, um der akuten Wohnungsnot zu begegnen“, kennt Baudezernent Olaf Pestl den fachlichen Hintergrund, der die Denkmalschützer aus Münster bewegt. Aus städtebaulicher Sicht kann sich der Dezernent nur schwerlich vorstellen, dass der „Block“ in einem vertretbaren wirtschaftlichen Rahmen saniert werden kann. Überdies, so Pestl, „ist es zweifelhaft, ob die dann entstehenden Wohnungen in Reihenhausform überhaupt vermietet oder verkauft werden können“.

Diese Zweifel teilt SPD-Ratsherr Dimitrios Axourgos als stellvertretender IGW-Aufsichtsratsvorsitzender: „Wir sind nach wie vor der Auffassung, dass es zum Abriss keine Alternative gibt. Selbst nach einer Sanierung dürfte es nicht möglich sein, Wohnungen dort zu vermieten.“ Allerdings, so Axourgos, sei die IGW gerne bereit, die kompetente Unterstützung der Denkmalschützer in Anspruch zu nehmen, um eine für alle beteiligten Seiten vertretbare Lösung zu finden.

Thomas Pütter

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Kommentare
20.05.2010
02:48
Denkmalschutz für den Schlieperblock?
von Smartdriver | #17

Ich kann die Besitzer der umliegenden Eigenheime sehr gut verstehen.
Mit dem Wegfall des sozialen Brennpunktes Schlieperblock wird der Wert der angrenzenden Immobilien steigen.
Bedauerlicherweise kennt der Eigenheimmarkt (noch) keine politische Correctness.
Und so äußert sich über Preise, das was alle denken und kaum einer zu sagen wagt.
Wie war das doch mit der Stimme aus dem off, erbärmlich?!
Wohl wahr!

19.05.2010
23:30
Denkmalschutz für den Schlieperblock?
von Iserlohner80 | #16

Bin zwar leider nur ein Laie ohne denkmalpflegerische Kenntnisse (ooh, der dumme Pöbel hat ja eh keine Ahnung), dafür bin ich im Gegensatz zu den feinen Herrschaften gezwungen, dort jeden Tag lang zu müssen. Ich muss Christian zustimmen, wenn man bei der Wegbeschreibung gesagt hat weisst du wo Cosi Wash ist? kam jedes Mal: Ach, beim Block Marrock und dann folgte stets eine Geschichte, wer da wann von wem abgezogen wurde und dass die Gegend ja eher asi sei.
Gut, dass keiner den erhaltungswürdigen Charakter des Rewe Marktes Dieren gegenüber erkannt hat, der war ja ähnlich schäbig.

19.05.2010
22:56
Denkmalschutz für den Schlieperblock?
von Christian | #15

HIer ein Anwohner aus der Nähe: Wie auch viele anderen hier aus der Umgebung des Blockes muss mann immer mit verdrehten Augen zusehen, wenn man erwähnnt, wo man wohnt! Wir alle freuen uns auf den Abriss und hoffen mit dem Neubau der IGW hier ein Sozial starkes und für unsere Kinder wertvolles Umfeld zu erhalten! Wenn ich sehe, wie die letzten Bewohner sich verhalten, HILFE!!!! Also, reiß ab den Block und baut neu! DieAnwohner um euch herum werden es danken, wir freuen uns fast alle schon!

18.05.2010
17:00
Denkmalschutz für den Schlieperblock?
von die_stimme_aus_dem_off | #14

Zitat Smartdriver:Wenn sie sich, obschon ihrem Bekunden nach hier geboren, den von der heimischen Bevölkerung gewohnten Lebenstil nicht leisten können, oder wollen, so zeugt das ausschließlich von misslungener Integration.
...erbärmliche Auffassungen haben Sie, Smartdriver.

18.05.2010
15:50
Denkmalschutz für den Schlieperblock?
von Smartdriver | #13

@Marok vom Block,

nur für den Fall bisher noch nicht reflektieren konnten, das sie hier in Deutschland, einem westliche geprägten Land leben, sei es an dieser Stelle nochmal erwähnt.
Die Stadt Iserlohn kann und darf überhaupt kein Interesse daran haben, Parallelwelten jenseits des von uns gewohnten westlichen Standards zuzulassen.
Und nach dem von mir zitierten Standart sind die Bauten am Schlieperblock entweder unter Berücksichtigung des Denkmalschutzes Kern-zu-sanieren, oder eben abreißen.
Wenn sie sich, obschon ihrem Bekunden nach hier geboren, den von der heimischen Bevölkerung gewohnten Lebenstil nicht leisten können, oder wollen, so zeugt das ausschließlich von misslungener Integration.
Aber das sind vermutlich auch wieder die da oben, oder die deutschen in Schuld.
Auf jeden Fall aber die anderen!
Interessante Auffassungen haben sie....

18.05.2010
10:10
Denkmalschutz für den Schlieperblock?
von Else Kaiser | #12

Eine sehr interessante Idee!! Der Schlieperblock – jahrzehntelang als sozialer Brennpunkt verschrien (wer hat doch gleich dafür gesorgt, dass es überhaupt so weit kommen konnte??) und jetzt ein architektonisches Kleinod des sozialen Wohnungsbaus… ein gewagter Schritt.
Obwohl – wenn man so darüber nachdenkt…
Ich hatte mal eine alte Dame als Nachbarin, die als junges Mädchen und als junge Frau dort gelebt hat, als die Häuser noch relativ neu waren. Sie hat diese Jahre immer die „glücklichste Zeit“ genannt.
Vielleicht kann ja zumindest ein Teil der ursprünglichen Siedlung als „Zeitzeuge“ erhalten bleiben. Vielleicht könnte man dort auch ein Minimuseum einrichten, wo die Geschichte und die Bedeutung des sozialen Wohnungsbaus veranschaulicht wird. Vielleicht kann man das ganze als Kunstprojekt ausschreiben. Vielleicht lassen sich dort auch Studentenwohnungen für die FH einrichten. Vielleicht wäre das auch ein interessantes Projekt zum Thema „Städtebauliche Entwicklung“.
Es gibt sicherlich eine Menge Möglichkeiten neben Abriss und Neubau – wenn man nur ein bisschen länger darüber nachdenkt…
Übrigens: Rein architektonisch betrachtet erinnert der Schlieperblock sogar ein bisschen an die Fuggerei in Augsburg – die älteste Sozialbausiedlung der Welt. Und die steht nach all den Jahrhunderten auch noch und ist bewohnt…

17.05.2010
23:37
Denkmalschutz für den Schlieperblock?
von seit1959iserlohner | #11

Gebäudeensemble... Klingt schon ein wenig zynisch, oder? Aber ich kenn einen, der wollte schon mal den jetzigen Schillerplatz unter Denkmalschutz stellen, wär so tolle 60er-Jahre-Architektur. Geht ja wohl gar nicht!

17.05.2010
22:35
Denkmalschutz für den Schlieperblock?
von G. Tembrock | #10

Ich bin mir sicher die stellen das Altstadthochhaus auch noch unter Denkmalschutz, obwohl das mit dem Schlieperblock in einer Aktíon abgerissen werden sollte und muss. In Iserlohn gibt es genügend freie Wohnungen.
Fangt bitte morgen an und macht diese Schandflecke weg!

17.05.2010
21:27
Blockierter Kommentar.
von Marok vom Block | #9

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17.05.2010
21:27
Blockierter Kommentar.
von Marok vom Block | #8

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