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„Dem Landrat die Hölle heiß machen“

13.11.2012 | 23:20 Uhr
„Dem Landrat die Hölle heiß machen“
Claudia Baitinger informierte bei der Mitgliederversammlung der Linken in der Pizzeria Napoli am Hohler Weg.Foto: Michael May

Iserlohn. „Man muss den Landrat dazu bewegen, die von der Bezirksregierung erteilte Änderungsgenehmigung wieder zurückzugeben. Arnsberg würde die auch sofort wieder zurücknehmen, da spricht juristisch nichts dagegen. Notfalls muss der Kreistag dem Landrat die Hölle heiß machen.“

Diesen politischen Ratschlag gab Claudia Baitinger am Montagabend den Iserlohner Linken. Die hatten die Sprecherin des Arbeitskreises Technischer Umweltschutz beim Landesverband des BUND zu ihrer Mitgliederversammlung eingeladen, um sich in Sachen Müllverbrennungsanlage informieren zu lassen. Die frühere Lehrerin hat sich zu ihrem studierten Biologie- und Chemie-Wissen im Laufe der vergangenen Jahre eine Menge an speziellen Kenntnissen gerade zum Thema thermische Abfallbehandlung angeeignet: „Bei uns im Kreis Recklinghausen haben wir auch eine große MVA“, erklärte die Dorstenerin die Beweggründe für ihr Engagement.

Die Empfehlung, was man politisch in der Sache tun kann, gab sie auf Nachfrage, und nicht etwa weil sie in Sorge ist wegen der beim Oberverwaltungsgericht eingereichten Klage, mit der die genehmigten, aber noch nicht vollzogenen Änderungen bei der Verbrennungs- und Abgastemperatur in der Anlage an der Giesestraße (wir berichteten) gestoppt werden sollen. „Wir bereiten uns momentan auf die Klagebegründung vor“, war Claudia Baitinger ganz gelassen. Zur Vorbereitung gehört unter anderem auch die Ermittlung eines möglichen Anstiegs der Emissionen durch die Änderungen bei den Müllkesseln 1 und 3.

Denn während die von der Abfallentsorgungsgesellschaft des Märkischen Kreises (AMK) beauftragten Gutachter zu dem Schluss gekommen seien, dass es aufgrund der Erfahrungen mit den vor zehn Jahren - auch damals ohne öffentliche Beteiligung - erfolgten Änderungen am Kessel 2 jetzt auch keine zusätzlichen Emissionen geben werde und es deswegen nur später eine Kontrollmessung geben müsse, sieht der BUND das etwas anders. „Es kann doch nicht sein, dass etwas genehmigt wird, dann wird es zwei Jahre lang ausprobiert und dann überprüft man mal die Konsequenzen für die Umwelt und die Menschen. Sie sind doch hier keine Versuchskaninchen“, sagte Baitinger mit Blick auch auf die nahe Wohnbebauung, den in der Haupt-Abwindrichtung der Anlage liegenden Griesenbrauck und überhaupt die Tatsache, dass in der von Bergen und Tälern geprägten Region Emissionen sich natürlich anders verteilten als in einer Flachebene.

Deswegen habe man mit Peter Gebhardt einen ausgewiesenen Immissionsfachmann beauftragt, der die Auswirkungen der Änderungen derzeit untersuche und durchrechne. Die Ergebnisse wird der Diplom-Ingenieur aus Lollar bei Gießen bei der Informationsveranstaltung vorstellen, zu der das „Aktionsbündnis MVA“ am Donnerstag, 29. November, um 19 Uhr alle Anwohner und Interessierten in den Gemeindesaal der Johanneskirche am Nußberg einlädt. Außerdem wird dabei der mit der Klage beauftragte Frankfurter Rechtsanwalt Dirk Teßmer die juristische Seite erläutern.

Als einen Beleg dafür, dass die Iserlohner MVA bereits jetzt „kein Unschuldslamm“ sei, verwies Claudia Baitinger auf eine Untersuchung des NRW-Umweltministeriums aus dem Jahr 2005, wonach die Anlage an der Giesestraße, was den Ausstoß an Dioxinen und den nicht minder gefährlichen Furanen angehe, in Bezug auf die verbrannte Müllmenge unter den landesweit 16 Anlagen auf dem zweiten Platz hinter der berüchtigten MVA in Weisweiler in Eschweiler rangiere. Frei im Internet abrufbar sei auch das Emissionskataster des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV), laut dem die MVA alleinig für den Ausstoß von jährlich vier Milligramm dieser Stoffe in Iserlohn verantwortlich sei, die aufgrund ihrer Gefährlichkeit sonst nur im Nanobereich gemessen und angegeben würden. Und hinzu kämen dann noch laut des Katasters eine ganze Reihe weitere Stoffe, die pro Jahr in die Luft geblasen würden, wie zum Beispiel neben den bereits im September im Iserlohner Umweltausschuss genannten neun Kilogramm Quecksilber unter anderem auch noch 440 Gramm Cadmium, 500 Gramm Arsen, ein Kilogramm Thallium (das sonst in Rattengift Verwendung findet), zwei Kilo Blei und drei Kilo Chrom.

Torsten Lehmann


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