Das sehr Besondere im ganz Gewöhnlichen

Michael May im Kreise seiner Brüder im Geiste: Das Observe Collective hat sich der Straßenfotografie verschrieben. Zur Ausstellungseröffnung waren neun der 13 Mitglieder aus aller Welt nach Iserlohn gekommen.
Michael May im Kreise seiner Brüder im Geiste: Das Observe Collective hat sich der Straßenfotografie verschrieben. Zur Ausstellungseröffnung waren neun der 13 Mitglieder aus aller Welt nach Iserlohn gekommen.
Foto: IKZ

Iserlohn..  Dass der vorangegangene Abend in der Städtischen Galerie seine Spuren hinterlassen hatte, war vielen Besuchern der Ausstellung „under construction“, Ergebnis eines Internet-Wettbewerbs der Fotografen-Gemeinschaft „Observe Collective“, am Samstagmorgen anzusehen. Nicht nur, dass am Freitag so viele Besucher wie kaum je zuvor die Eröffnung der eigenen Ausstellung des internationalen Kollektivs erlebt hatten, „es ging auch so lange wie noch nie , wir haben um halb zwei abgeschlossen, sonst sind wir meist schon gegen zehn Uhr zu Hause“, berichtete Galerieleiter Rainer Danne den zahlreichen Besuchern, die wenige Stunden später zur Bilderschau in dem Rohbau der IGW an der Rahmenstraße gekommen waren, dass dieser Freitag in der Geschichte der an bedeutenden Veranstaltungen nicht armen Galerie durchaus einen besonderen Stellenwert einnehmen wird.

Straßen sind die Bühnen für alles Menschliche

Das „Observe Collective“: Selbst ebenfalls entstanden aus einem Internet-Fotowettbewerb haben sich in der Gemeinschaft vor einigen Jahren 13 internationale Bildkünstler zusammengeschlossen, deren Herz ganz besonders laut für die Straßenfotografie schlägt. Einer von ihnen und damit die logische Verbindung zu Iserlohn ist Michael May, Fotoredakteur beim Iserlohner Kreisanzeiger, „unsere Verbindung in die große Welt“, wie Rainer Danne zwar schmunzelnd, aber doch durchaus Ernst gemeint anmerkte. Denn May war es, der die Organisation des ersten persönlichen Zusammenkommens der Gruppe in seiner Heimatstadt am vergangenen Wochenende organisiert und Iserlohn damit zugleich eine weitere Top-Ausstellung beschert hatte. Die Werke, die seit Freitagabend im Von-Scheiblerschen-Haus ausgestellt sind, sind so facettenreich, unterschiedlich, interessant und in ihrer Bildsprache abwechslungsreich und originell wie die jeweiligen Fotografen, die hinter den Werken stehen. Batman mit dem Handy am Strand, im Hintergrund einige Badegäste, Menschen und Tiere in allen erdenklichen Lebenslagen, bizarre Szenen, rührende Motive, höchst menschliche Momente - festgehalten von den Straßenfotografen, deren Kunst darin besteht, das Besondere im Gewöhnlichen zu erkennen, festzuhalten und später als Bild eine Geschichte erzählen zu lassen - ganz im Sinne von André Kertész, dem aus Paris stammenden Urvater der Straßenfotografie, dessen Werke ebenso wie die der Straßenfotografengrößen Henri Cartier Bresson und Elliot Erwitt ebenfalls bereits in Iserlohn ausgestellt worden sind. „Straßenfotografie wird niemals außer Mode sein, die Straßen sind die Bühne für die wunderlichen und komischen Aspekte des Lebens, das Theater des Absurden findet jederzeit überall statt. Aber Straßen sind auch die Bühne für Einsamkeit, Angst und Entfremdung“, machte Danne der Straßenfotografie und ihren Vertretern eine persönliche Liebeserklärung, um anschließend die Bilder für sich und die Besucher miteinander sprechen zu lassen.

„Under Construction“ lockt Hunderte auf IGW-Baustelle

War schon die Ausstellungseröffnung am Freitagabend ein Triumph, sollte „Under Construction“ am Samstagmorgen der Zuckerguss mit Erdbeere auf dem Kuchen sein. IGW-Geschäftsführer Olaf Pestl, dessen Unternehmen mit der Baustellen-Ausstellung einen neuen, mutigen und innovativen Weg der Außendarstellung eingeschlagen hat, zeigte sich bei der Begrüßung der Gäste selbst bass erstaunt ob der großen Aufmerksamkeit, die die Ausstellung im Rohbau mit sich brachte. In den Räumen drängelten sich hunderte von Menschen, jeder Zweite von ihnen selbst mit einer Kamera ausgerüstet. Aus 700 Einsendungen für den Observe-Collective-Wettbewerb hatte eine Expertenjury 70 Motive ausgewählt, die - gedruckt von Martin Zirbes - in Großformat und in hervorragender Qualität auf die unverputzten Wände der neu entstehenden IGW-Wohnhäuser gehängt worden waren. Olaf Pestl: „Ein Riesendank gilt Sven Wiedemeyer vom Live Project, der diese Veranstaltung möglich gemacht hat. Und das unentgeltlich.“

Der Dank von Bürgermeister Dr. Peter Paul Ahrens galt derweil mit Michael May, Olaf Pestl und Rainer Danne den Kreativen, die Iserlohn diesen besonderen kulturellen Moment geschenkt haben: „So eine Idee muss man erst einmal haben, dieses Haus, dass sich im Bau befindet, mit Bildern zu diesem Thema aus der ganzen Welt zu synchronisieren“. Iserlohn sei am Wochenende tatsächlich wie zuvor versprochen zum Mekka der Straßenfotografie geworden, freute sich Ahrens ganz besonders, dass viele Besucher aus dem Ausland den Weg in die Stadt gefunden hatten „das macht mich stolz“.