Das harte Brot mit der gesunden Ernährung
20.11.2007 | 16:23 Uhr 2007-11-20T16:23:00+0100
Iserlohn. Frischer Salat, angerichtet in einem echten Betonmischer? „Auch mit witzigen Kochideen kann man Kinder an gesundes Essen heranführen”, erklärte Bio-Koch Gerald Brunnert beim „Talk im Turm” des Kreises Junger Unternehmer.
Brisantes Hauptthema des Abends zu dem der Kreis Junger Unternehmer (KJU) am Montagabend eingeladen hatte, lautete „Auto hui - Essen pfui? Geiz ist Gammelfleisch”. Doch es ging um mehr als um Fleischskandale und Preisverfall bei Lebensmitteln. Einen weiteren Schwerpunkt nahm die Diskussion über fehlende Esskultur in Deutschland und die zunehmend ungesunde Ernährung ein. Als fachkundige und engagierte Gesprächsgäste auf dem Podium konnten die Moderatoren Britta Nikolaus und Michael Joithe neben Koch Gerald Brunnert auch den Landwirt und Lebensmittelgroßhändler Heinrich Drepper sowie Michael Clever, Betreiber eines Edeka-Marktes, begrüßen.
Bio-Produkte sind „in”, berichteten die Experten. In den vergangenen Jahren stieg die Nachfrage um rund 15 Prozent. Damit kommt die Leistungsfähigkeit der heimischen Erzeuger an ihre Grenzen. Aus aller Welt werden Obst, Gemüse und Fleisch aus biologisch kontrollierter Herstellung nach Deutschland importiert. Und so gibt es auch bei Bio-Produkten Qualitätsunterschiede. Die beste Ware allerdings bleibt den Kunden in England, Tschechien oder Ungarn vorbehalten, wie die erstaunten Gäste bei „Talk im Turm” erfuhren. „Bei uns in Deutschland zählt eben nur der Preis”, beklagten Brunnert und Drepper unisono. Und das, obwohl derzeit statistisch nur elf Prozent des Einkommens für Lebensmittel ausgegeben. Der Kunde könne kein gutes Fleisch für vier Euro pro Kilo verlangen. Hier sei ein Umdenken notwendig - auch um Skandale wie den Gammelfleisch-Fall zu verhindern.
Dazu äußerte sich Michael Clever: „Bei den Fleischskandalen handelt es sich doch in den meisten Fällen um die Profitgier einzelner Personen und Unternehmen. Diese Fälle sind aber nicht an der Tagesordnung, das ist illegales Handeln. Wenn wir solches Fleisch kaufen und verkaufen würden, spielten wir mit unserem guten Ruf und schadeten dem Unternehmen insgesamt.”
Schäden - diesmal gesundheitliche - gehen aber nicht allein von vergammeltem Fleisch aus. „Insgesamt ernähren wir uns viel zu ungesund”, stellte Gerald Brunnert fest. Krankheiten wie Fettleibigkeit, Rheuma, Bluthochdruck, Allergien und Gicht sind die Folge. „Jede Nahrung, die industriell hergestellt wird, ist nicht gesund. Wir müssen wohl bei Null anfangen, um uns klar zu machen, was gesunde Ernährung überhaupt ist”, sagte Brunnert, der auch als Bio-Mentor der CMA Nordrhein-Westfalen tätig ist. Und dieses Umdenken müsse schon im Kindesalter beginnen - auch bei der Schulspeisung. „Finanziell ist das auch möglich.”
In einem weiteren Punkt waren sich die Fachleute einig: Esskultur mit Spaß wie in den südlichen Ländern sowie Rückbesinnung auf regionale Produkte sollen auch bei uns Deutschen Einzug halten. „Es ist ein hartes Brot, gesunde Ernährung durchzusetzen”, ergänzte eine Vertreterin der Innungskrankenkasse als Gast der letzten KJU-Talkrunde dieses Jahres.
Vielleicht klappt es ja mit Hilfe des Salates aus dem Betonmischer. Die KJUler jedenfalls zeigten sich offen, eine solche Kochaktion der besonderen Art vielleicht bald einmal zu unterstützen.
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