„Das Fasten gehört zu den Grundpflichten des Islam“

In der Moschee der Türkisch-Islamischen Gemeinde Iserlohn spricht der Prediger Gebete zum Fastenmonat Ramadan: Das Fasten ist eine der markantesten Äußerungen der islamischen Lebensart und eine Form des Gottesdienstes. Foto: Josef Wronski
In der Moschee der Türkisch-Islamischen Gemeinde Iserlohn spricht der Prediger Gebete zum Fastenmonat Ramadan: Das Fasten ist eine der markantesten Äußerungen der islamischen Lebensart und eine Form des Gottesdienstes. Foto: Josef Wronski
Foto: Josef Wronski/IKZ

Iserlohn..  „Aus der ersten Generation fasten 100 Prozent“, erklärt Hasan Yavuz im Gespräch zum Ramadan mit unserer Zeitung kurz vor dem Gebet, zu dem am Mittag viele gläubige Muslims in die Moschee der Türkisch-Islamischen Gemeinde Iserlohn (DITIB) an der Bergwerkstraße strömen. Er meint die in Iserlohn lebenden Muslime mit Migrationshintergrund. „Aus der zweiten Generation sind es noch 70 Prozent und der dritten 45 Prozent. Bei den jüngeren weiß ich es nicht.“ Der Integrationsbegleiter fügt hinzu: „Wir geben unser Bestes, den Anteil zu erhöhen. Denn das Fasten gehört zu den Grundpflichten des Islam.“

Für die Muslime bringe der Monat Ramadan einige Veränderungen im täglichen Leben mit sich, erklärt er weiter. In einer Information seiner Gemeinde heißt es dazu: „Ihnen sind in der Zeit von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang alle körperlichen Genüsse untersagt. Die Abende und Nächte sind mit essen, trinken und gegenseitigen Besuchen besonders lebhaft.“

Ihre Nachbarschaft informiert die Gemeinde in einer zweiseitigen Erklärung über den Fastenmonat: „Aktivitäten Ihrer muslimischen Nachbarn, die zu ungewohnten Zeiten stattfinden, wie zum Beispiel des nächtliche Aufstehen zwecks Essens vor Sonnenuntergang sollten Sie nicht weiter beunruhigen, denn sie gehören zu den Umständen des Fastenmonats.“

Der ehrenamtliche Integrationsbegleiter Hasan Yavuz selbst kann aus gesundheitlichen Gründen nicht 30 Tage fasten. Dafür zahlt er aber pro Tag zehn Euro als Lösegeld (Fidye), die seine Geschwister beim nächsten Besuch in der Türkei einem guten Zweck zuführen. Auf dem Kalender der DITIP-Gemeinde an der Bergwerkstraße stehen die genauen Zeiten, in denen gefastet wird und dass mindestens zehn Euro für soziale Zwecke zu zahlen sind, wenn man nicht mitmacht. Ansonsten hält sich der Maschinenbau-Konstrukteur Hasan Yavuz aber an die Regeln, die auch fünf Gebete am Tag vorsehen. Außerdem seien die Gläubigen angehalten, nur positive Gedanken zu haben, Streit aus dem Wege zu gehen und den Mitmenschen Hilfe anzubieten.

Frühstück mit Frikadellen, Joghurt, Brot und Gemüse

Vorstandsmitglied Hami Kandemir berichtet, dass er im Ramadan zudem auf das Rauchen verzichtet: „Es ist anstrengend. In der Fastenzeit schafft man es.“ Sein morgendliches Frühstück bestehe aus Frikadellen, Joghurt, Gemüse, Brot und Kaffee. Damit halte er durch bis zum späten Abend. Die Fastenzeit sei auch gut für die Gesundheit, der Körper werde gereinigt, sagt das 63-jährige Gemeindemitglied Hami Kandemir.

Sabri Cevik gibt zu, dass 19 oder 20 Stunden ohne Essen und Trinken nicht einfach sind. Der DITIB-Vorsitzende arbeitet als Drahtzieher. Es sei auch eine Frage der Selbstbeherrschung: „Wenn man glaubt, stört es nicht. Ich sage mir, ich schaffe es, dann klappt es auch.“ Er berichtet auch von Kollegen, die in der Gießerei arbeiten und keine Probleme haben, während des Ramadan tagsüber auf Essen und Trinken zu verzichten.

„Ich faste auch“, verrät Mehmet Cemil aus dem Döner-Imbiss „Marmaris“, der ganztägig viele Essensportionen verkauft, ohne richtig schwach zu werden. „In den ersten Tagen ist es schwer. Dann geht es .“ Sein Freund Ahmed Üstün fügt hinzu: „Bei diesem Wetter ist es leichter, weil man dann nicht so viel Durst hat. Bei heißeren Temperaturen wäre es schwerer.“ Abends spät esse er mit der Familie zusammen und danach gehe es in die Moschee zum Gebet. Und morgens um drei Uhr isst die Familie wieder zusammen. Sein Frühstück bestehe aus Tee, Salat, Käse, Butter und Eiern. Abends gebe es ab 21.40 Uhr dann ein warmes Essen, beginnend mit einer Suppe. „Der Fastenmonat Ramadan endet für uns mit einem Ramadanfest am 18. August, dann ist es in der Moschee auch ganz voll“, berichtet er weiter.