Dagmar Freitag: Eine traurige Siegerin
27.09.2009 | 23:25 Uhr 2009-09-27T23:25:00+0200
Iserlohn. Zum vierten Mal in Folge hat Dagmar Freitag den heimischen Wahlkreis Märkischer Kreis II direkt gewonnen.
Bei der gestrigen Bundestagswahl setzte sich die Sozialdemokratin aus Iserlohn mit 41 Prozent der Erststimmen gegen Christel Voßbeck-Kayser von der CDU durch, die laut vorläufigem Endergebnis auf einen Stimmenanteil von 36,3 Prozent kam.
Siegerinnen sollten anders aussehen. Selbst als fest stand, dass sie einmal mehr als Direktkandidatin in den Deutschen Bundestag einziehen würde, wirkte Dagmar Freitag wie gelähmt. Das SPD-Ergebnis auf Bundesebene hatte die Iserlohnerin ganz offenbar bis ins Mark erschüttert. „Ich kann mich nicht freuen. Es ist einfach nur enttäuschend. Woran es gelegen hat? Ich kann es im Augenblick nicht erklären. Wir müssen dieses Ergebnis ab morgen analysieren”, gab die traurige Wahlgewinnerin in ihrer ersten Stellungnahme im Iserlohner Rathaus zu Protokoll. Keinesfalls jedoch könne die Schuld bei Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier gesucht werden. Steinmeier, so Freitag, sei in ihren Augen der richtige Mann für den künftigen Fraktionsvorsitz. Ebenso hofft die Abgeordnete auf einen Verbleib von Peer Steinbrück in einer Spitzenfunktion bei der SPD. „Auf diese profilierten Köpfe können wir nicht verzichten. Ich hoffe nicht, dass es jetzt in der Partei zu Richtungskämpfen kommt.”
Dass die Oppositionsrolle der Partei nun die Chance bieten könnte zur Neupositionierung, ist für Dagmar Freitag nur ein ganz schwacher Trost: „Wenn man in der Regierung ist, kann man gestalten. Ich habe selbst schon vier Jahre Opposition erlebt und weiß wie es ist, wenn man jede Abstimmung verliert.” Eine Annäherung an die Linke kommt für Freitag derweil nicht in Frage: „Ich sehe keine Veranlassung, auf diese Partei zuzugehen. Lafontaine will eine andere, eine sozialistische Gesellschaft. Wir wollen eine sozialdemokratische.” Als besonders bitter empfindet die Parlamentarierin die herbe SPD-Niederlage auch deswegen, weil die Sozialdemokraten aus ihrer Sicht die Partei in der großen Koalition gewesen sei, die Akzente gesetzt habe, „diese Regierung war an entscheidenden Stellen sozialdemokratisch geprägt, das aber hat man wohl Frau Merkel gutgeschrieben.”
Dass sie trotz des Desasters ihrer Partei ihren Wahlkreis verteidigen konnte, führt Dagmar Freitag auf ihre intensive Arbeit vor Ort zurück, „das haben die Menschen bewertet und anerkannt”. Tatsächlich lag die Abgeordnete um 12,3 Prozentpunkte über dem Zweitstimmenergebnis ihrer Partei - ein Wert, der bundesweit nicht von vielen Kandidaten erreicht wurde. Besonders erfreut zeigte sich Dagmar Freitag, dass sie sogar in Altena, dem Heimatort der CDU-Kandidatin, die Nase vorn hatte.
Gefasst wirkte indes Herausforderin Christel Voßbeck-Kayser. „Ich habe mein Ziel, den Wahlkreis direkt zu gewinnen, nicht erreicht. Dennoch kann sich das Ergebnis sehen lassen, gerade für eine politische Seiteneinsteigerin.” Immerhin, so die Altenaerin, sei es gelungen, bei den Erststimmen den Abstand zur SPD zu verringern. „Und mit unseren Zweitstimmen haben wir dazu beigetragen, dass es für schwarz-gelb in Berlin gereicht hat.” Christel Voßbeck-Kayser wird trotz eines zunächst als aussichtsreich gehandelten NRW-Listenplatzes 33 nicht in den Bundestag einziehen. Stand gestern gegen 23 Uhr: Selbst Listenplatz 20 galt nicht als sicher.
Es war ein seltsamer Wahlabend im Iserlohner Rathaus, der nur vom harten Kern der Parteigänger verfolgt wurde. Nur gedämpfter Beifall brandete auf, als bereits um 18 Uhr mit der Prognose klar war, dass die nächste Bundesregierung von CDU und FDP gestellt wird. Ein Grund dafür war möglicherweise die Abwesenheit derjenigen, die am lautesten hätten jubeln können. Kein bekannter Parteivertreter der FDP hatte sich im Rathaus eingefunden, um das mehr als stattliche Zweitstimmen-Ergebnis von 14,2 Prozent im Wahlkreis Märkischer Kreis II zu beklatschen. Selbst Kandidat Rainer Krause, der 8,1 Prozent der Erststimmen holte, blieb dem Rathaus-Wahlabend fern. Versteinerte Mienen herrschten derweil bei den Vertretern der Sozialdemokraten, die auf Wahlkreis-Ebene 28,7 Prozent der Zweitstimmen holten. Auch die Bündnisgrünen empfanden ihr Zweitstimmen-Ergebnis von 7,3 Prozent ebenso bescheiden wie die Linken, für die 8,6 Prozent der Wähler stimmten. Insbesondere aber die Aussicht, dass nun eine Koalition von CDU, CSU und FDP das Ruder in Berlin übernimmt, verhagelte dem linken Lager die Stimmung. „Wenigstens hat Schalke am Samstag gegen schwarz-gelb gewonnen”, flüchtete sich ein frustrierter Sozialdemokrat in Sarkasmus.
12:30
Klasse Schauspielerin die Frau Freitag!
Sie ist geschockt über das Parteiergebnis?
Keiner zwingt Frau Freitag in den Bundestag einzuziehen.
16:47
Frau Freitag hat diesen großen Zuspruch, weil sie eine der wenigen glaubwürdigen Politiker ist.
Wenn ein ehemaliger Vorsitzender der Bundes SPD und ehemaliger Kanzlerkandidat der Sotialdemokratischen Partei Deutschlands Oskar Lafontaine in die falsche linke Partei flüchtet und mit ihm noch viele tausend SPD Mitglieder auch.
Und wenn ich vom Wähler nur noch etwas über 20 % Zusimmung bekomme, muss ich mir nicht nur Gedanken über den Kurs machen, sondern die Notbremse ziehen.
Herbert Wehner würde sich im Grabe rumdrehen, wenn er miterleben müsste, was aus der Volkspartei SPD geworden ist.
Die sogenannte Politik der Mitte (Agenda 2010, Harz 4, Rente mir 67, Mehrwertsteuererhöhung, Zweiklassen Gesundheitswesen, 400€ Jobs, u.s.w.) hat sich Helmut Kohl nicht getraut, aber der Genosse der Bosse, Gerhard Schröder und der neoliberale Wolfgang Klement.
Frank Walter Steinmeier und einige mehr, die diese Politik mit zu verantworten haben, müssen dringend ihren Hut nehmen und einer inneren Erneuerung der SPD nicht länger im Weg stehen.
Eine SPD wie unter Helmut Schmidt währe wünschenswert, eine sotziale Marktwirtschaft, von der alle profitieren.
16:37
Frau Freitag war ja ziemlich gut über die Liste abgesichert. Sie hätte ja zur Direktwahl von Christel Voßbeck-Kayser aufrufen können!
16:24
Soll ich lachen oder weinen? In unserem Wahlkreis sind 3 von 10 Wahlberechtigten erst gar nicht zur Urne gegangen - das ist äußerst schwach, schwächer als im Bundesschnitt.
Außerdem ist Frau Freitag doch aus Wahlkreissicht mehr als erfolgreich gewesen. Sie ist mal wieder die einzige Abgeordnete aus diesem Wahlkreis. Genau genommen haben somit fast 211.000 Wahlberechtigte nur eine Oppositionsstimme in Berlin - und keine Möglichkeit, irgendeinen Abgeordneten der Regierungsparteien CDU oder FDP in ihrem Wahlkreis ihre Meinung zu sagen, geschweige denn Einfluß zu nehmen! Es ist für mich nicht nachvollziehbar, warum es weder in der CDU noch in der FDP möglich ist, auf Ihren Landeslisten einen Kandidaten aus unserem Wahlkreis - mit nicht gerade wenigen Wahlberechtigten - so hoch zu setzen, daß dieser in den Bundestag kommt.
16:21
Soll ich lachen oder weinen? In unserem Wahlkreis sind 3 von 10 Leuten erst gar nicht wählen gegangen - das ist äußerst schwach, schwächer als im Bundesschnitt.
Außerdem ist Frau Freitag doch aus Wahlkreissicht mehr als erfolgreich gewesen. Sie ist mal wieder die einzige Abgeordnete aus diesem Wahlkreis. Genau genommen haben somit fast 211.000 Wahlberechtigte nur eine Oppositionsstimme in Berlin - und keine Möglichkeit, irgendeinen Abgeordneten der Regierungsparteien CDU oder FDP in ihrem Wahlkreis ihre Meinung zu sagen, geschweige denn Einfluß zu nehmen! Es ist für mich nicht nachvollziehbar, warum es weder in der CDU noch in der FDP möglich ist, auf Ihren Landeslisten einen Kandidaten aus unserem Wahlkreis - mit nicht gerade wenigen Wahlberechtigten - so hoch zu setzen, daß dieser in den Bundestag kommt.
13:27
tja martin k., willkommen in der Opposition.
12:51
ich habe dagmar freitag meine stimme verwehrt.
als grund nenne ich das zustimmen der spd und von frau freitag zum zugangserschwerungsgesetz und der der annäherung an die cdu.
solch eine spd kann ich nicht mehr unterstützen.
die spd sollte sich lieber um das begehren der bürger kümmern so wie sie es in der vergangenheit eigentlich immer besser gemacht hat wie die cdu.
die cdu hat immer nur ihren willen durchgesetzt ohne rücksicht auf verluste. sowas kann ich als sozial denkender bürger nicht tollerieren.