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Parktheater

Bruno Jonas und der Schock des Schönen

18.11.2011 | 15:45 Uhr

Der politische Kabarettist Bruno Jonas gastierte im Iserlohner Parktheater. Es gab viel zu lachen - und nicht zuletzt philosophischen Tiefgang.

Kabarettisten müssen alles kritisieren, niedermachen, mit Spott überziehen. Das ist ihr Beruf. Sie können nicht anders, bis sie vom Schock des Schönen überwältigt werden. Und das ist am Donnerstag Bruno Jonas im Parktheater passiert.

Ihn, der alles fertig macht, wurde selbst fertig gemacht - von der bezaubernden Weihnachtsdekoration im Foyer. Nach der Pause drängten sich die ergreifenden Eindrücke unaufhaltbar in sein Programm. Er konnte einfach nicht anders, als die üppige Dekoration der Letmather Hausfrauen als das zu loben, was sie offenbar wirklich ist - einzigartig in Deutschland.

Jonas bemühte sich zwar, seine Bewunderung durch Spott zu kaschieren („in keinem anderen Foyer in Deutschland gibt es eine so hohe Weihnachtsbaumdichte“, „idealer Schauplatz für die Weihnachtsansprache des Bundespräsidenten“). Das von hoher Intelligenzdichte geprägte Publikum hatte aber keinen Zweifel: Jonas wird bei seinen Auftritten bundesweit so von Iserlohn, „dem Ursprungsort der deutschen Weihnacht“ schwärmen, dass Christian Wulff gar nicht anders kann. . .

Hoffentlich vergisst er vor lauter Lametta-Schwärmerei nicht, dass er auch Kabarett spielen kann. Hervorragend sogar. Das hat der große Bühnen- und TV-Star vor vollem Haus einmal mehr bewiesen. „Wortreich“ hieß das Programm und kein anderes Wort könnte seine Art von Kabarett besser beschreiben. „Wortschwall“ vielleicht - aber ein Schwall der allerfeinsten Sorte. Jonas erzählt ohne Punkt und Komma, lässt einen Faden fallen, schweift ins Unendliche, greift ihn wieder auf, wechselt die Perspektive, zitiert, parodiert Politiker, versucht sich in Dialekten (das Wienerische gelang besonders gut). Bei zwei Stunden Dauer war das anstrengend fürs Publikum, aber nie ermüdend, denn die Pointen kamen Schlag auf Schlag. Es gab viel zu lachen - und nicht zuletzt philosophischen Tiefgang.

Bruno Jonas bleibt nicht an der Oberfläche, er geht den Grundfragen des (Mensch-)Seins auf den Grund. Analysiert sie mit einer ebenso klaren wie verblüffenden Logik und überspitzt sie mit schlagenden Hypothesen. „Korruption ist Nächstenliebe - ein von Gott gegebenes Verhalten, damit die Menschen besser miteinander auskommen.“

Wer dem witz- und wortreichen Bayern zuhört, macht einen Ausflug durch die europäische Geschichte, („1683 verloren die Türken beim Angriff auf Wien ihre Köpfe, seitdem sie es über Berlin versuchen, sind sie da.“). Er lernt viel über die weniger zarten Saiten der Theologie, etwa über die Brandopfer im Alten Testament („Damals waren Priester und Metzger noch der gleiche Beruf.“)

Pures Vergnügen kommt auf, wenn Jonas die Staats- und Regierungschefs Merkel, Sarkozy und Berlusconi mit toller Mimik und Gestik zu Clown-Figuren im Sinne der Comedia dell’Arte stilisiert. Oder wenn er den Sinn von Talk-Shows entlarvt. „Den höchsten Genuss haben Sie ohne Ton“. - Der Gegenpol zur Talkshow heißt Bruno Jonas.

Helmut Rauer

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