Boulevardtheater ging ab wie Schmitz' Katze
02.03.2009 | 17:05 Uhr 2009-03-02T17:05:00+0100
Iserlohn. „Mein lieber Mann”, brummte Thomas Reunert. „Das ging ja ab wie Schmitz' Katze.” Der Moderator des Promi-Talks „Nah dran” nach den Boulevard-Aufführungen im Parktheater hat im Laufe der Jahre schon unzählige Komödien gesehen und ebenso viele Schaupiel-Ensembles zum Interview gebeten.
Etwas vergleichbar Irrsinniges wie die Farce „Lauf doch nicht immer weg”, die die „Komödie im Bayerischen Hof” am Sonntagabend vor ausverkauftem Haus aufgeführt hat, hat aber auch er bisher nur selten erlebt.
Und das gilt sowohl für das Stück, bei dem das Publikum nach eher ruhigem Beginn in den letzten Akten fast permanent brüllend unter den Stühlen lag, als auch für das sympathische, neunköpfige Ensemble, aus dessen Reihen Thomas Reunert gleich fünf Akteure zum Interview bat.
Zu dem Stück aus der Feder von Philip King, das 1945 in England Premiere feierte, ist zu sagen, dass die nicht enden wollenden Verwicklungen um fünf vermeintliche Geistliche, die in einem ländlichen Pfarrhaus für heftigste Verwechselungen sorgen, für normale Gemüter schon fast zu viel waren. Die Iserlohner Boulevard-Fans konnten von diesem Feuerwerk an treffsicheren Gags und von den bedrohlich nah am Klamauk vorbeipreschenden Turbulenzen aber gar nicht genug kriegen. Da blieb buchstäblich kein Auge trocken, und vor allem die älteren Schaupieler - Bob Franco als hopsender Bischof und Chariklia Baxevanos als beschickerte Kirchenvorstandsdame - liefen zu Höchstform auf und sorgten immer wieder für lautstarkes Gelächter und Szenen-Applaus.
Was sie beim „Nah dran” gleich fortsetzten. Bob Franco erwies sich einmal mehr als König der Pointen, der höchst schlagfertig jede Antwort mit einem amüsanten Bonmot würzte und als enger Freund von Johannes Heesters ordentlich aus dem Nähkästchen plauderte. Chariklia Baxevanos hingegen überraschte bei aller Heiterkeit auch mit einer eher traurigen Nachricht: „Dies ist meine letzte Tournee”, erklärte sie mit Blick auf ihre Rückenprobleme und die Schmerzen, die sie beim langen Sitzen im Tourbus erleidet. Dafür holte sie aber mit der jungen Agnieszka Guzikowski ihre legitime Nachfolgerin auf die Bühne. Die in Berlin-Neukölln aufgewachsene gebürtige Polin bewies mit ihrem neukölln-typischen Türkisch-Slang, den sie sich im Schauspielunterricht erst mühsam wieder abgewöhnen musste, großartiges Comedy-Talent. „Sie kümmert sich rührend um mich”, lobte die „Ikone des Boulevards”, wie Thomas Reunert Chariklia Baxevanos nannte, ihre junge Kollegin. Agnieszka Guzikowski wiederum dankte für die vielen Tipps, die sie von der älteren Kollegin bekomme: „Timing, Rhythmus, Pointen setzen - von Chariklia habe ich alles gelernt.” Es war wohl das schönste Bild des Abends, wie sich die alte Lehrmeisterin und ihre Schülerin im Arm hielten und sich gegenseitig Komplimente machten.
Nach Julia Stelter, die mit „Lauf doch nicht immer weg” nach längerer Baby-Pause eine Art Comeback feiert und sich nichts sehnlicher wünscht, als mal wieder vor der Kamera zu stehen, war es dann vor allem der Hauptdarsteller und Frauenschwarm Christof Arnold, den sich Thomas Reunert für ein Gespräch ausgesucht hatte.
Der 38-jährige Fernseh-Star betrat bei der Premiere von „Lauf doch nicht immer weg” erstmals die Bretter, die die Welt bedeuten. Das stressige Leben vor den Kameras einer Telenovela-Produktion hat der frisch gebackene Vater zwar in den letzten Jahren bei „Marienhof” und „Sturm der Liebe” intensiver kennengelernt, als ihm lieb war, das Leben am Theater war ihm aber noch gänzlich fremd. „Auch heute schlug mir das Herz noch bis in den Hals”, gestand er, was man auf der Bühne aber nicht bemerkte. Dort agierte er mit der gleichen unbekümmerten Natürlichkeit, wie er sich auch im „Nah-dran”-Gespräch präsentierte. Auf ein baldiges Wiedersehen mit dem sympathischen Jung-Schauspieler hofft mit Sicherheit nicht nur Thomas Reunert.
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