Biographisches beinhaltet auch das Persönliche
14.02.2012 | 16:33 Uhr 2012-02-14T16:33:00+0100
Iserlohn. „Es geht nicht ums Bloßstellen, man muss den Menschen gerecht werden“, so sieht Götz Bettge, ehemaliger Stadtarchivar, die Rolle der Biographie in der Geschichtsforschung.
(ust) „Es geht nicht ums Bloßstellen, man muss den Menschen gerecht werden“, so sieht Götz Bettge, ehemaliger Stadtarchivar, die Rolle der Biographie in der Geschichtsforschung. Bezug nimmt er dabei auch auf das im November 2010 vom LWL-Archivamt für Westfalen und dem Stadtarchiv veranstaltete Kolloquium „Die Biographie in der Stadt- und Regionalgeschichte“ im Stadtbahnhof (wir berichteten).
Die neun Referate dieser Tagung liegen nun in einem Buch vor, das vom LWL-Archivamt mit Unterstützung des Stadtarchivs Iserlohn heraus gegeben wurde. Götz Bettge, der 2010 die Tagung mitorganisierte und auch einen eigenen Beitrag über Iserlohner Unternehmer im 19. Jahrhundert lieferte, und der jetzige Leiter des Stadtarchivs Rico Quaschny stellten am Dienstag im Rahmen einer Pressekonferenz das soeben erschienene Buch vor.
„Ziel der Tagung in Iserlohn war es, den Diskurs an der Schnittstelle von archivarischem Tun und geschichtswissenschaftlicher Forschung zu befördern, und die in diesem Band abgedruckten Beiträge haben zu einer regen Diskussion im Verlauf der Tagung geführt“, schreibt Dr. Marcus Stumpf, Leiter des LWL-Archivamtes, in seinem Vorwort. An anderer Stelle heißt es: „Abgerundet wird der Band durch Fallbeispiele biographischer Annäherungen sowohl an Menschen, die in den Quellen gut fassbar sind, als auch an solchen, bei denen die Annäherung nur über ,Splitterfunde’ möglich ist.“
„Gerade bei den Beiträgen, die sich mit Iserlohner Aspekten beschäftigen, wird deutlich, dass das Biographische in der Stadtgeschichte ein wesentliches Element ist“, so Bettge und Quaschny. Es gelte aufzuzeigen, dass Personen Spuren hinterlassen haben, denen nachzugehen sei eine spannende Aufgabe. Dann ergäben sich neue Kontexte. Deutlich würde aber auch, dass man sehr schnell an das Persönliche komme, und hier sei es die Frage: Wie gehe ich mit Personen um? Gerade mit Blick auf die NS-Zeit stelle sich diese Frage, wer war Opfer, wer Täter, oder beides vereint? „Die thematische Bandbreite dieser speziellen Beiträge zeigt, wie vielfältig die Auswertungsmöglichkeiten der in einem Kommunalarchiv verwahrten Bestände sein können“, erklärt Quaschny. „So wird mit der Tagungsdokumentation der Wunsch verbunden, weitere biographische Recherchen und Forschungsprojekte u.a. im Stadtarchiv Iserlohn anzuregen“, schrieb Quaschny im Vorwort.
Erhältlich ist das von Marcus Stumpf herausgegebene Buch „Die Biographie in der Stadt- und Regionalgeschichte - Westfälische Quellen und Archivpublikationen, Band 26 - Beiträge zur Geschichte Iserlohns, Band 23“, beim Stadtarchiv Iserlohn, der Mayerschen Buchhandlung, der Buchhandlung Thalia und der Kleinen Buchhandlung in Letmathe. Es kostet 16 Euro.
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