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„Nah dran":...

Beziehungswirrwarr und Robbenküsse

02.02.2009 | 16:49 Uhr
Beziehungswirrwarr und Robbenküsse

Iserlohn. Tolle Schauspieler, eine kurzweiliges Stück und ein fulminantes „Nah dran” - die Besucher der Boulevardkomödie „Sextett” am Samstag im Parktheater waren mehr als zufrieden.

Irgendwie war das Ganze eine runde Sache. Die Stück-Auswahl war schon treffsicher, „Sextett” nach Michael Pertwee ist ein bekanntes und viel gespieltes Boulevardstück. Regisseur und Schauspieler Rene´ Heinersdorff schrieb es ein bisschen um, modernisierte es. „René Heinersdorff, der geht ja ab wie ein Zäpfchen”, formulierte es Redaktionsleiter Thomas Reunert im anschließenden Künstlertalk „Nah dran”. Tatsächlich war der rasant und doch einfühlsam spielende Heinersdorff der heimliche Star des Abends. Erst auf den zweiten Blick erkannten einige Zuschauer in ihm den „Lothar” aus der TV-Serie „Die Camper”, Heinersdorff ist eher einer der unbekannten Stars.

Bekannter waren da Thomas Fritsch, der in einer Paraderolle als alternder Playboy-Schriftsteller brillierte, und Karsten Speck. Letzterer spielte allerdings seltsam farblos und war stellenweise schlecht zu verstehen. Fritsch und Speck stellten zwei Freunde (Philipp und Roger) dar, die mit Rogers Angestelltem Denys (Heinersdorff) und seiner Frau einige Wochen auf Rogers Yacht vor der französischen Mittelmeerküste schippern wollen. Neben Denys Frau Valerie (spritzig: Simone Pfennig) sind auch noch Rogers Ex Lisa (herrlich zickig-arrogant: Claudia Scarpatetti) und Philipps Geliebte Mercy (niedlich und doch tiefgründig: Kerstin Radt) an Bord. Ein Beziehungswirrwarr in bester Boulevardstück-Tradition ist da vorprogrammiert.

Ein detailliertes Bühnenbild und nette Wortspiele (manchmal aber etwas zu drastisch auf jugendlich gemünzt) ergänzten die gelungenen Komponenten. Da tat es auch der Kurzweil keinen Abbruch, dass der zweite Teil etwas nachdenklich machender als der erste war. Und es machte auch nichts, dass ständig Rod Stewarts „Sailing” gespielt wurde, obwohl die Yacht offenkundig ein Motorboot war. Die Zuschauer spendeten ausgiebig Beifall - und hetzten dann in die Galerie, um sich einen Sitzplatz beim „Nah dran” zu sichern. Dies gelang nicht jedem, einige Zuschauer standen dann über eine Stunde lang, um zu hören, was Thomas Reunert den Schauspielern an persönlichen Aussagen herauskitzeln konnte. Reunert pickte sich dafür die drei männlichen Darsteller heraus.

Los ging es mit „Hallo Robbie!”-Star Karsten Speck, der unter anderem erzählte, dass es toll sei, mit einer Robbe zu arbeiten. „Das sind faszinierende Tiere.” Robbenküsse seien gar nicht eklig, Robbenfürze dagegen schon. Und entgegen anderslautenden Aussagen habe er den berühmten „Kessel Buntes” erst nach der Wende moderiert. Da sächselte der Speck spontan herum, um dann ernst darauf hinzuweisen, dass „nach 20 Jahren endlich aufgehört werden muss in den Kategorien Osso und Wessi zu denken”.

„Ich bin aus Düsseldorf. Ist Iserlohn nicht auch im Osten?” witzelte dazu passend Rene´ Heinersdorff, als er neben Thomas Reunert Platz nahm. Reunert spielte auf eine Episode an, die er zuvor in Heinersdorffs Garderobe erlebt hatte: Dessen vierjähriger Sohn Joel wurde gefragt: „Wo hat die Oma ihr Theater”? Antwort: „In Köln”. „Wo hat der Papa sein Theater?” Antwort: „In Düsseldorf”. „Und was hast Du?” Antwort: „Ein Kasperltheater”. Tatsächlich betreibt Oma Barbara Heinersdorff das „Theater am Dom” in Köln, der Papa René das „Theater an der Kö”. Boulevardtheater sei eine „Einstiegsdroge ins Theater”, erklärte er. Es sei eine Zeit lang schwierig gewesen, Boulevardtheater zu inszenieren, mittlerweile würde dieses Genre aber eine Renaissance erleben.

Letzter Gesprächspartner war dann Thomas Fritsch. Der Sohn von Willy Fritsch hat mit Größen wie Lilli Palmer und Hildegard Knef vor der Kamera gestanden und ist auch als Synchronsprecher von Jeremy Irons und Russell Crowe bekannt. Thomas Reunert entlockte ihm nicht nur Aussagen wie „Bei der Bundeswehr war ich Schütze Arsch” oder „Ich will eine Seebestattung in der Ägäis - dann bin ich als Welle unterwegs”: Was genau er alles erzählte, erfahren unsere Leser in Kürze in einem exklusiven „Ins Licht gesetzt”.

Dieser Abend, in dem es viel um Wasser, Boote und Wellen ging, endete dann auch passend: Ein „Romantik-Sailor”-Mitglied überreichte dem kleinen Joel Heinersdorff ein spontan aus einer Serviette gefaltetes Boot, worüber sich der Knirps sehr freute. Die Zuschauer waren eben wirklich „Nah dran”.

Katja Hofbauer

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