„Bethanien wieder in die Gewinnzone führen“

Ein Neuanfang für das Bethanien: AHK-Geschäftsführer Reinhard Tennert (v.r.), der neue Bethanien-Geschäftsführer Gerhard Glock, AKH-Beiratsvorsitzender Dr. Bernd Wehberg, Superintendentin Martina Espeloer, Diakonie-Vorstand Volker Holländer
Ein Neuanfang für das Bethanien: AHK-Geschäftsführer Reinhard Tennert (v.r.), der neue Bethanien-Geschäftsführer Gerhard Glock, AKH-Beiratsvorsitzender Dr. Bernd Wehberg, Superintendentin Martina Espeloer, Diakonie-Vorstand Volker Holländer
Foto: IKZ
Vertreter des neuen Klinik-Trägers bekennen sich zum Personalerhalt und kündigen Investitionen an

Iserlohn..  Sei es nun „ein guter Schritt in eine gute Zukunft“ oder ein „Glücksfall“: Die Entscheidung der Diakonie Mark-Ruhr, die Eigentümerschaft des Evangelischen Krankenhauses Bethanien auf das Allgemeine Krankenhaus Hagen (AKH) zu übertragen, beurteilten die Sprecher beider Seiten am Mittwochmorgen als nicht nur sinnvoll, sondern perspektivisch gesehen höchst lohnenswert. „Zunächst werden wir nun den Fokus darauf richten, die Unsicherheit in der Mitarbeiterschaft, bei den niedergelassenen Ärzten und in der Bevölkerung zu beseitigen, um Vertrauen zurück zu gewinnen und das Bethanien wieder in die Gewinnzone zu führen. Und da liegt ein hartes Stück Arbeit vor uns“, gab Dr. Bernd Wehberg als AKH-Eigentümervertreter am Mittwochmorgen bei einem Pressegespräch an der Hugo-Fuchs-Allee die kurzfristige Losung für den neuen Krankenhausverbund vor. Erreicht werden soll dieses Ziel keinesfalls mit Personalabbau, sondern – ganz im Gegenteil – durch die Investition in Mensch und Material am Standort Iserlohn. „Wir sind ein Dienstleistungsbetrieb, unser Kapital sind die Mitarbeiter, Personalabbau ist indiskutabel.“

AKH erfüllt die wichtigsten Bedingungen der Diakonie

Das Ende einer zwei Jahre andauernden Suche sei zugleich der Beginn einer neuen Bethanien-Zeitrechnung, betonte Superintendentin Martina Espeloer. Der Diakonie Mark-Ruhr sei es gelungen, nach zwei Jahren der Suche und nach langen Verhandlungen nunmehr einen neuen Träger des Hauses präsentieren zu können, der die drei aus Diakonie-Sicht wichtigsten Bedingungen erfülle. Neben der Zusage zur Weiterbeschäftigung der Krankenhaus-Angestellten und einem überzeugenden Konzept zur medizinischen Versorgung bleibe durch den Einstieg des AKH auch das evangelische Profil des Bethanien erhalten. Die Diakonie Mark-Ruhr, die künftig noch zehn Prozent am Bethanien hält, wird derweil nach Worten ihres kaufmännischen Vorstands Volker Holländer auch in ihrer neuen Rolle weiterhin die Vernetzung des Krankenhauses mit Diakonie-Diensten gewährleisten.

„Polaritäten darf es nicht geben. deshalb sehe ich mich nicht mehr als Geschäftsführer des Allgemeinen Krankenhauses, sondern als Geschäftsführer eines Krankenhaus-Verbundes“, sieht Reinhard Tennert es als entscheidende Aufgabe der näheren Zukunft an, in beiden Häusern eine gemeinsame Philosophie zu verankern, basierend auf der Erkenntnis, dass die Einrichtungen voneinander profitieren können, zumal das Bethanien-Leistungsspektrum zahlreiche ergänzende medizinische Schwerpunkte zum bestehenden AKH-Angebot beisteuern könne. Hierzu zähle die Geriatrie sowie die Neuropädiatrie in dem Iserlohner Haus.

Trotz schwarzer Zahlen unter Veränderungsdruck

Anders als das Iserlohner Krankenhaus schreibt das AKH schwarze Zahlen. „Wir machen Gewinne. Darauf sind wir stolz, das ist aber auch das Ergebnis harter Arbeit“, so Dr. Bernd Wehberg. Doch trotz der günstigen wirtschaftlichen Ausgangslage sei auch das Hagener Hospital angesichts einer sinkenden Bevölkerungszahl, einer erheblichen Krankenhausdichte in der Region sowie aufgrund der gesundheitspolitischen Rahmenbedingungen dazu gezwungen, dass sich seine Vertreter an den Verhandlungstisch setzen. Wehberg: „Wir stehen genauso unter Druck wie das Bethanien. Warum hätten wir warten sollen, bis auch wir in die Verlustzone rutschen?“ Nicht nur aus wirtschaftlichen Gründen, sondern auch zur Qualitätsverbesserung, dem „Thema der Zukunft“, sei im Krankenhauswesen heute eine bestimmte Größe erforderlich. Diese „zukunftssichere Größe“ aber sei auch im Verbund mit dem Iserlohner Haus noch nicht erreicht, berichtete der Eigentümervertreter, dass das die 90-prozentige Bethanien-Übernahme nur der Anfang sei und weitere Gespräche mit Interessenten bereits geführt werden: „Das AKH ist attraktiv. Und im Verbund mit dem Krankenhaus Bethanien werden wir noch attraktiver.“ Ausgeschlossen sei allerdings ein Zusammenschluss mit privaten Krankenhausbetreibern, auch wenn Helios und Co. bereit seien, sehr viel Geld für das Allgemeine Krankenhaus auf den Tisch zu legen.

Optimale Patientenbetreuung ist das übergeordnete Ziel

„Unser Ziel ist es, eine gute medizinische Versorgung für Südwestfalen sicherzustellen und dafür diese Häuser mit Stringenz und Sachverstand attraktiv zu machen für Ärzte, Mitarbeiter und natürlich auch die Bürger der Region“, unterstreicht Hans-Toni Junius, stellvertretender Vorsitzender im Beirat der AKH Krankenhausgesellschaft Hagen, dass das Iserlohner Engagement nicht nur auf den Erhalt des Hauses und seiner Fachabteilungen, sondern auf eine Verbesserung des Status quo ausgerichtet sei. „Wir werden dort, wo es nötig ist, zusätzliches Personal einstellen und auch in den Standort investieren“, kündigt auch Dr. Bernd Wehberg an, dass die AKH-Verantwortlichen bereits Optimierungsmöglichkeiten am Standort Iserlohn erkannt haben. Wehberg: „ Gemeinsam mit der Diakonie Mark-Ruhr haben wir ein umfangreiches Papier mit einer Fülle von Einzelmaßnahmen erarbeitet, die umgesetzt werden müssen. Das ist die Nagelprobe.“ Ein Prozess, der nicht auf Kosten der Beschäftigten stattfinden soll, wohl aber auf Sicht strukturell-personelle Änderungen beispielsweise im Chefarzt-Bereich mit sich bringen könnte, wenn leitende Medizinier in den Ruhestand gehen. Wehberg: „Alles ist dem Ziel untergeordnet, eine optimale Betreuung der Patienten zu erreichen.“

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