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Beruf nicht Iserlohn-kompatibel

13.11.2011 | 16:45 Uhr
Beruf nicht Iserlohn-kompatibel
Jochen Busse im Gespräch mit IKZ-Redaktionsleiter Thomas Reunert

Iserlohn. Eine Boulevard-Komödie mit wirklich allen klassischen Zutaten ist „November“ nicht. Daraus machte am Samstagabend auch Regisseur René Heinersdorff beim anschließenden Nah-dran-Talk mit IKZ-Redaktionsleiter Thomas Reunert keinen Hehl. Keine Verwechslungen - und es fehlt auch die Geliebte oder der Nebenbuhler, die sich gerade mal wieder hinter Vorhang, Sofa oder im Kleiderschrank verstecken müssen. Dafür enthielt „November“ durchaus interessante politische Aspekte. Und nicht zuletzt Dank eines tempo- und pointenreichen Finales passte das Stück am Ende dann doch halbwegs ins Raster der beliebten Boulevard-Reihe des Parktheaters.

Jochen Busse spielt in „November“ als US-Präsident Charles Smith nicht nur die Hauptrolle, sondern drückt der Komödie auch sonst in jeder Hinsicht den Stempel auf. Der gebürtige Iserlohner - inzwischen 70 - zeigt eine ganz außerordentliche Präsenz und dabei eine Textsicherheit, die bisweilen schon verblüffen kann.

Charles Smith sieht kurz vor der Präsidentschaftswahl seine Felle davonschwimmen. Eigentlich kann ihm nur noch ein Wunder die Wiederwahl bescheren. Durch wildes Geschacher versucht er gemeinsam mit Berater Archer Brown (René Heinersdorff) die Millionen zusammen zu bekommen, um im Wahlkampfschlussspurt doch noch auftrumpfen zu können. Im Blickpunkt dabei steht die Truthahn-Lobby, von der er sich die traditionelle Truthahn-Begnadigung im Vorfeld von Thanksgiving teuer bezahlen lassen möchte. Aber als die Kohle endlich sicher scheint, geht das Theater erst richtig los. Beste Sendezeit im US-Fernsehen ist bereits gebucht. Die lesbische Redenschreiberin Clarice Bernstein (Claudia Scarpatetti) will die rettende Idee aber nur rausrücken, wenn der Präsident sie zuvor traut und somit einer Lesben-Ehe offiziell seinen Segen gibt. Da will aber der Truthahn-Lobbyist (Thomas Gimbel) - typisch amerikanisch prüde - nicht mitspielen. Und als Indianer-Häuptling Dwight Grackle (André Beyer) auch noch dazwischen funkt, ist das Chaos perfekt.

„Ihre Vorfahren haben unser Land gestohlen“ herrscht der Häuptling den Präsidenten an. „Meine Vorfahren kommen aus dem Sauerland“ erwidert der. Das Parktheater-Publikum brüllt vor Lachen - natürlich die Herkunft Jochen Busses im Blick. Am Ende lässt der Präsident die Präsidentschaft Präsidentschaft sein, will gemeinsam mit dem Häuptling ein Casino betreiben . . .

Im Nah-dran-Talk mit Jochen Busse war für IKZ-Redaktionsleiter Thomas Reunert das Thema „Iserlohn“ natürlich gesetzt. Schauspieler zu werden, sei nicht unbedingt Iserlohn-kompatibel, meinte Busse. Die Stadt bringe doch eher Ingenieure und Schützenkönige hervor. Den Ort seiner Jugend hat er gleichwohl als wunderschön in Erinnerung. Wäre da nicht der Baurat Brasse gewesen, der „es verstanden hat, alles Schöne dieser Stadt auszuräumen.“ Inklusive der Gaststätte der Familie der Mutter. Sie steht heute im Hagener Freilichtmuseum. Die Iserlohner Altstadt habe er als Kind wahnsinnig geliebt, sagt Busse. Als absoluten Sündenfall bezeichnete er derweil den Bau der Autobahnbrücke über den Seilersee.

Rechtsanwalt sollte Jochen Busse werden, so der Wunsch des Vaters. Die Schulzeit - mit einer Kurzetappe am MGI und einem nachhaltig in Erinnerung gebliebenem Internatsaufenthalt in Garenfeld - verläuft durchwachsen. Schauspieler will Busse werden. Mit 19 macht er sich auf den Weg Richtung München - an Bord eines Negerkuss-Transporters von Dickmann. Der Vater ist entsetzt. Später, als er seinen Sohn dann aber erstmals im Fernsehen gesehen hat, soll er vor Rührung geweint haben, wie Busse berichtet.

Eigentlich habe er als Schauspieler von Beginn an die Menschen zum Lachen bringen wollen. Busse muss aber eher als Kinski-Ersatz herhalten, wie er es selber beschreibt. Erst das Kabarett habe ihm die Chance eröffnet, lustig zu sein. Heute darf Busse seine komödiantische Ader längst auch als Schauspieler zeigen - wovon sich das Nah-dran-Publikum zuvor ja trefflich überzeugen konnte . . .

Neben dem bereits erwähnten René Heinersdorff konnte Thomas Reunert Claudia Scarpatetti als weiteren Talk-Gast begrüßen. Ein gelungener Abend im großen Saal mit unterhaltsamer „Verlängerung“ in der Galerie - typisch Nah-dran eben.

Stefan Drees

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