Bei Diebstählen nur dabei statt mittendrin

Mit einem blauen Auge davon kam vor Gericht in Iserlohn am Mittwoch ein 26-Jähriger.
Mit einem blauen Auge davon kam vor Gericht in Iserlohn am Mittwoch ein 26-Jähriger.
Foto: Getty Images/iStockphoto
Das Verfahren gegen einen 26-Jährigen wegen der Beteiligung an schwerem Bandendiebstahl wurde eingestellt. Trotzdem ist er wohl nicht ganz frei von Schuld

Iserlohn..  Als nach rund anderthalb Stunden der als Zeuge geladene Bruder den Angeklagten entlastet und umarmt hatte und sich der zweite Zeuge in Widersprüche verstrickte, da hätte man annehmen können, dass hier der Freispruch nicht mehr fern liegt. Gute zweieinhalb Stunden und zwei Zeugenaussagen später ist das Bild, welches sich am Mittwoch vor dem Schöffengericht in Iserlohn ergab, ein weitaus farbenprächtigeres, weil komplexeres.

Am Ende wurde das Verfahren gegen einen 26-jährigen Rumänen wegen der Beteiligung an schwerem Bandendiebstahl gegen eine Zahlung von 500 Euro eingestellt. Der Mann hatte im Gegenzug seine Beteiligung an zwei Diebstählen, einer davon erfolgreich, einräumen müssen.

Kupferdiebstahl in Iserlohn bleibt erfolglos

Was war passiert? Dem 26-Jährigen mit Wohnsitz in Köln wurde vorgeworfen, bei vier schweren Diebstählen in metallverarbeitenden Betrieben beteiligt gewesen zu sein, zwei davon erfolgreich. Bei den anderen beiden, ein Fall ereignete sich 2012 in Iserlohn, wurden sie von Polizei oder Alarm gestört. Hauptsächlich war Kupfer entwendet worden. Schaden: rund 60 000 Euro.

Der 26-Jährige bestritt zunächst jegliche Beteiligung. Er verwies darauf, dass er in den vier Jahren, seit denen er in Deutschland wohne, durchgängig einer Arbeit nachgegangen sei. „Ich bin verheiratet, will keinen Ärger.“

Dieser Darstellung kam auch sein Bruder nach, der als Erster aussagte. Der 39-Jährige wurde wie die weiteren drei Zeugen bereits wegen Bandenkriminalität verurteilt und sitzt in Haft. Er vermutete Rache als Motiv der anderen ehemaligen Bandenmitglieder für die Anschuldigungen gegen den Bruder. Da er unter Zeugenschutz stehe, könnten sie ihm nur so Schaden zufügen.

Der zweite Zeuge, ein 23-jähriger Rumäne, gab an, sich nicht sicher an eine Tatbeteiligung des 26-Jährigen erinnern zu können. Bei seiner eigenen Verhandlung hatte er noch das Gegenteil behauptet.

Gleich in vier Fällen beschuldigte der nächste Zeuge, ein 43-jähriger Rumäne, den Angeklagten der Beteiligung. Vor der Verhandlung waren es nur drei gewesen. Der letzte Zeuge, 43, ebenfalls Rumäne, gab an, der Angeklagte sei zwei Mal tatbeteiligt gewesen. Einig waren sich beide nur darin, dass der Angeklagte nur eine untergeordnete Rolle gespielt, bei den Taten lediglich mit im Auto gesessen habe.

Dieser Sicht schlossen sich Richter, Staatsanwältin und Schöffen offenbar an. Einstellung des Verfahrens, 500 Euro Strafe – der 26-Jährige kam so mit einem blauen Auge davon.