Beeindruckende Lebenswege starker Frauen

Beim Auftakt der Reihe „Lebenswelten" berichtete Dr. Martina Harbrink-Schlegel (3. von rechts) auf Einladung der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen über ihre Arbeit als Ärztin bei der Werkstatt im Hinterhof.
Beim Auftakt der Reihe „Lebenswelten" berichtete Dr. Martina Harbrink-Schlegel (3. von rechts) auf Einladung der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen über ihre Arbeit als Ärztin bei der Werkstatt im Hinterhof.
Foto: IKZ
Was wir bereits wissen
Dr. Martina Harbrink-Schlegel und Monika Badtke alias „Änne aus Dröpplingsen“ waren zu Gast beim ersten Talk der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen unter dem Titel „Lebenswelten“.

Iserlohn..  Die Premiere der neuen Veranstaltungsreihe „Lebenswelten“ ist der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen geglückt. In der Städtischen Galerie präsentierten die Moderatorinnen Annegret Simon und Gabriele Stange zwei starke Frauen, deren Lebenswege das überwiegend weibliche Publikum tief beeindruckten.

Den Anfang machte Dr. Martina Harbrink-Schlegel. Die Ärztin der „Werkstatt im Hinterhof“ ist beim Internationalen Frauentag von der Arbeitsgemeinschaft Iserlohner Frauengruppen für ihr soziales Engagement mit dem ersten Fanny-van-Hees-Frauenpreis ausgezeichnet worden (wie berichtet).

Schwieriger Spagatzwischen Familie und Beruf

Zunächst war sie zehn Jahre niedergelassene Kassenärztin in Ihmert, bis der Spagat zwischen Familie und Beruf immer schwieriger wurde. Sie habe den Balanceakt nicht hinbekommen und war dann zwei Jahre „klassische Hausfrau“. Durch einen Zeitungsartikel über die „Werkstatt im Hinterhof“ sei sie auf die niederschwellige Suchtberatungsstelle in Iserlohn aufmerksam geworden und habe dem Leiter Achim Rabenschlag ihre Mitarbeit angeboten. „Der dachte erst, ich wäre vom Gesundheitsamt“, erinnert sich Martina Harbrink-Schlegel an das Vorstellungsgespräch. Dann seien sie aber schnell zusammengewachsen. „Ich habe zunächst zwei Jahre veranschlagt, um die Menschen in das medizinische System zurückzuholen. Aber dann sind daraus 15 Jahren geworden.“ Es sei ein offenes Haus, in dem Obdachlose oder Prostituierte jedwede Hilfe bekommen. „Wenn ich morgens in die Arztpraxis komme, sitzen dort bereits 30 Leute. Über den Vormittag verteilt kommen 90 Menschen“, berichtete Dr. Martina Harbrink-Schlegel und bot ein Praxis-Beispiel: „Ich sehe die Brandwunden eines Patienten und wundere mich, wie man das aushalten kann.“ Er hat sich beim Teekochen mit dem Bunsenbrenner verbrüht, gehe aber am Wochenende nicht zur Notfallambulanz, warte auf den Montag, an dem er sich von ihr versorgen lassen kann. „Man muss lernen, dass diese Menschen ganz anders funktionieren. Ich akzeptiere sie so wie sie sind.“ Sie berichtet von extremen Gewalterfahrungen ihrer Patienten, die vergleichbar seien mit dem, was Menschen im Krieg erlebten: „Menschen, die in Stacheldraht gewickelt wurden, damit sie sich nicht bewegten“, oder anderen, die sexuell missbraucht wurden. Da müsse man warten, bis sie sich öffnen.

Ihre Gesprächspartnerin Annegret Simon fasst das so zusammen: „Vielleicht begegnen wir diesen Menschen künftig mit anderen Augen, wenn sie uns in der Stadt begegnen.“ Und wie sie diese schwierige Arbeit bewältigen könne? Die Antwort, bei der Martina Harbrink-Schlegel auf die erste Reihe zeigte, geriet zur Liebeserklärung an ihre Familie, angefangen bei ihrem Gatten, „dem geduldigsten Mann der Welt“. Um die Ärztin bei ihrer Arbeit zu unterstützen, ließen die AsF-Organisatorinnen ein Spendenschwein herumgehen.

Die kleine Monika musste immer Handstand vormachen

Monika Badtke alias „Änne aus Dröpplingsen“ gab neben einem kabarettistischen Einstieg einen persönlichen Einblick in ihren Lebenslauf mit der Kindheit in einem fröhlichen Elternhaus voller Musik durch die Klavier spielende Mutter und voller Theater- und Operettenproben durch ihren Vater. „In der Schule bin ich immer durch die Turnerei aufgefallen. Die kleine Monika musste immer Handstand und Spagat vormachen.“ Sie sei aber keineswegs der Klassenclown gewesen.

Im Alter von 14 Jahren begann sie eine Lehre bei B & U. Sie erinnerte an ihren Einsatz in der Damenunterwäsche-Abteilung, wo sie aber bereits nach drei Tagen hingeworfen habe. Es folgte eine Lehre als Zahnarzthelferin. In dem Beruf habe sie aber nie gearbeitet. Danach schloss sich eine zehnjährige Tätigkeit als Fernschreiberin und Telefonistin an. „Dann machte ich ein Trödelhaus auf und eine Ausbildung zur Industriekauffrau“, so Monika Badtke. Es folgte eine Lehre als Augenoptikerin, die sie aber nicht abgeschlossen habe. Eine weitere berufliche Station machte sie beim Kulturhaus Lüdenscheid. Als verheiratete Frau im Alter von 30 Jahren habe sie an der VHS ihre Leidenschaft für das Theaterspielen entdeckt. Bei einer Veranstaltung der Frauengleichstellungsstelle sei sie erstmals als „Änne“ aufgetreten. Ihre Tochter Ronny habe sie bestärkt, da weiterzumachen. Durch die Kulturinitiative Iserlohn sei sie zum ersten Soloprogramm ermutigt worden. Und dann kam der Erfolg, Fernsehauftritte und Engagements im Rheinland und im Ruhrgebiet. Wie lange sie noch als Änne weitermachen wolle? So lange ihr Erkennungszeichen, das grüne Omakleid, noch nicht vorm Körper falle.