Batteriewechsel-Tag: "Alle Rekorde geschlagen"
06.01.2009 | 18:13 Uhr 2009-01-06T18:13:00+0100
Iserlohn. Etwa 15 Zentimeter Neuschnee und Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt sorgen dafür, dass auch in der Waldstadt kaum etwas genau so zu sein scheint, wie es vor dem vehementen, aber angekündigten Wintereinbruch einmal war.
Die klirrend kalte Luft aus der sibirischen Arktis sorgt derzeit für massenhaft entladene Autobatterien und damit gleichzeitig für gut gefüllte Auftragsbücher der heimischen KFZ-Dienstleister. Bei Roswitha Witte, die beim gleichnamigen Abschleppdienst die Hilfe-Anrufe liegen gebliebener Autofahrer aus dem gesamten Kreis entgegennimmt, glühten gestern die Telefondrähte. „Unsere fünf Wagen sind ununterbrochen im Einsatz, weil Autos, aber auch LKW bei den Temperaturen vielfach nicht mehr anspringen. Um alle Kunden versorgen zu können, haben wir schon einen Batterie-Nachschub geordert. Wir haben heute alle Rekorde geschlagen”, kann sich Roswitha Witte nicht an einen ähnlich arbeitssamen Batteriewechsel-Tag erinnern.
Auch die Mitarbeiter der „Pit Stop”-Filiale an der Hans-Böckler-Straße geraten durch die arktische Kälte durchaus schon mal ins Schwitzen. „Wir haben gut zu tun. Etwa stündlich wechseln wir eine entladene Batterie. Wenn der Kunde aus der näheren Umgebung anruft, schicke ich einen Monteur raus, der Starthilfe leistet und den Wagen anschließend wieder auf Touren bringt”, beschreibt der stellvertretende Betriebsleiter Michael Prollhof den Arbeitsprozess, der in Gang kommt, wenn eine Batterie ihren Dienst versagt.
„Bei uns ändert sich durch die Kälte wenig. Wir haben zwar auch einige Fälle, aber unsere Stammkunden lassen ihre Batterie regelmäßig warten und sind daher vorbereitet”, ändern die zweistelligen Minusgrade den Arbeitsalltag von Jörg Heimann, KFZ-Meister bei Mercedes Jürgens, nur geringfügig. So bleibt ihm sogar die Zeit, zu erläutern, warum die Kälte vielen Batterien den Garaus macht. „Neue Batterien, die im Sommer zu 100 Prozent funktionieren, haben im Winter noch genügend Spannung, um den Motor zu starten. Bei älteren Batterien mit niedrigerer Grundspannung sorgt die Kälte dann für den entscheidenden Spannungsverlust. Also rate ich dazu, die Batterie regelmäßig zu warten, damit es nicht soweit kommt”, stellt Heimann die Vermeidbarkeit der klassischen Kälte-Panne heraus.
Der Wintereinbruch beeinträchtigt allerdings nicht nur den Straßenverkehr, sondern wirbelt auch den Bahnfahrplan durcheinander. Wie die „Abellio Rail NRW” vermeldet, „sorgen bereits seit Montagmorgen vor allem infrastrukturelle Störungen für Verspätungen und teilweise für Zugausfälle”. Der Betrieb habe sich am Dienstag stabilisiert, alle Züge seien fahrplanmäßig im Einsatz, wobei es allerdings weiterhin zu Verspätungen kommen könne, so „Abellio” weiter. Eine direkte Verbindung von Iserlohn nach Hagen gibt es derzeit allerdings nicht. Alle Fahrgäste werden über die Maßnahmen durch Plakate und Durchsagen an den Bahnhöfen und in den Zügen informiert. Für Fragen steht zudem eine Hotline unter 01803-224567 zur Verfügung.
Die Iserlohner Stadtbetriebe haben derweil ihre „Salz-Krise” überwunden. Nachdem der Krisenstab am Montag überlegte, woher die fehlenden 150 Tonnen Salz beschafft werden können, kam gestern bereits eine Lieferung von einem Drittel der bestellten Menge. Zusätzlich wurden 25 Tonnen Split geliefert. Wann die restlichen 100 Tonnen Salz kommen, ist derzeit noch unklar. Mit den vorhanden Reserven kann der Räumdienst jedoch einige Tage arbeiten.
Ebenfalls noch ein paar Tage reicht das Grünfutter, welches aus der den Waldboden bedeckenden Schneeschicht herausragt und von dem sich das heimische Wild ernährt. „Wir haben keine akute Notlage, die würde allerdings eintreten, wenn sich die kalte Witterung länger als erwartet hält oder weiterer Schnee fällt”, beschreibt Förster Norbert Speerschneider die Futter-Situation in den Wäldern. Sollte sich die Kälte tatsächlich länger halten, werden zunächst wild-bekannte Fütterungsorte bestückt.
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