Ausbildungsvielfalt
12.02.2012 | 16:48 Uhr 2012-02-12T16:48:00+0100
Iserlohn.Eine blühende Frühlingslandschaft erlebten am Samstag die vielen Besucher beim Tag der offenen Tür am Berufskolleg des Märkischen Kreises. Dafür sorgte die Abteilung „Land- und Gartenbau“ aus Letmathe, die für den „grünen Weg zum Fachabitur“ an der Fachoberschule für Agrarwirtschaft warb.
Schoolscouts nahmen interessierte Schüler in spe mit auf die Informationstour durch das Berufskolleg des Kreises, um ihnen die Bildungsvielfalt und Ausbildungschancen der sechs Fachabteilungen Wirtschaft und Verwaltung, Technik, Gestaltung, Ernährung und Hauswirtschaft, Sozialpädagogik sowie Land- und Gartenbau vorzustellen.
Viele Jugendliche nutzten die Möglichkeiten der individuellen Beratung über Ausbildungs- und Abschlussmöglichkeiten. Das Netzwerk Schulsozialarbeit stellte sein Beratungssystem für Jugendliche mit Problemen zusammen mit Kooperationspartnern wie der Drogenberatung (drobs) vor.
Ein Männermobil warb für den den beruflichen Einsatz von Männern in Kindertagesstätten. Mit Gesundheitschecks machte die Berufsfachschule für Gesundheit auf sich aufmerksam. Schülerinnen wie Sarah Klose nahmen bei den Besuchern beispielsweise Blutdruckmessungen vor. Die Abteilung für Sozialpädagogik bot spielerische Englisch-Häppchen für Kinder an. Zwischendurch gab es „Danza-Gy-Samba“-Tanzeinlagen.
Ihre enorme Kreativität stellten die Gestalter mit „Fashion Food“ unter Beweis: Die Kopfbedeckungen aus Eierschalen sowie Lauchstangen und Möhren und die Ketten aus Tintenfischen, Crevetten und Algen passten zur närrischen fünften Jahreszeit. In religionspädagogischen Ausstellungen visualisierten die Schüler die zehn Gebote.
Mit von der Partie waren auch Kooperationspartner des Berufskollegs, die dem Nachwuchs Chancen aufzeigten: die Firmen Durable, Hermann Sprenger, Medice, Thiele, KPO Schrauben, die Papier Union, Schlüter Systems, die Sparkassen, Marktkauf Iserlohn, Maag, mehrere Autohäuser sowie die Polizei, die SIHK, der Hausfrauenbund und der Kreis Junger Unternehmer.
Gute Noten für die Bildungspolitik der Landesregierung zu den Regelungen der Bewertung des Arbeits- und Sozialverhaltens brachte der Leiter des Berufskollegs, Bernhard Ingelbach, beim Tag der offenen Tür zum Ausdruck.
Er zeigte wie im vergangenen Jahr die Probleme auf, Lehrer für die Fächer Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik (MINT) zu rekrutieren.
Vor Vertretern aus Wirtschaft, Politik, Kirche, Verwaltung und dem Bildungsbereich kritisierte Bernhard Ingelbach das Prozedere des Schulentwicklungsplanes des Kreises, der mit Zustimmung der CDU, SPD und FDP verabschiedet wurde.
Der Plan sieht die Konzentration der Berufskollegs in Menden und Iserlohn zum 1. August 2013 vor: Wirtschaft und Verwaltung bleibt in Iserlohn, Technik wird ins Hönne-BK in Menden verlagert und und das Kaufmännische BK in Menden aufgelöst. Hintergrund ist der demografische Wandel, der prognostizierte Schülerrückgang in den kommenden Jahren. Derzeit besuchen 3630 Schüler das Berufskolleg an der Hansaallee.
Ingelbach kritisierte die unzureichende Einbindung der betroffenen Schulen. Er erinnerte an die Anfänge der Verlagerung der Bildungsgänge im Fachbereich Technik von Iserlohn an das Hönne-Berufskolleg, indem die Bereiche Bautechnik und Elektrotechnik nach Menden abgegeben wurden. „Einige Jahre, nachdem die Errichtung eines Technischen Gymnasiums am Hönne-BK mangels Masse gescheitert war, und dann in Iserlohn ein Technisches Gymnasium eingerichtet werden durfte, musste das BK in Iserlohn zur Kompensation seine Fachoberschulen Klasse 12 für alle Fachrichtungen, außer Agrarwirtschaft nach Menden abtreten“, sagte Schulleiter Ingelbach. „Mit dem Schulentwicklungsplan kommt der Verlagerungsprozess insbesondere des Fachbereichs Technik nun zum Abschluss.“
Mit einem Action-Film-Ausschnitt verdeutlichte er polemisierend die Stimmungslage unter den Lehrern der Abteilung Technik: „Sie fühlen sich hilflos ausgeliefert, ausgenutzt und leergesaugt.“ Der Schulleiter dankte den Vertretern des Berufsbildungszentrums und der SIHK für die Unterstützung, auch wenn sie die Pläne nicht abwenden konnten.
Ingelbach berichtete, dass Kollegen aus dem Technikbereich angesichts der Tatsache, dass sie bald keine Schüler mehr haben, Versetzungsanträge gestellt haben, aber nicht mit dem Ziel Hönne-BK in Menden, sondern in Wohnortnähe. Demzufolge müsse man sich um die Unterrichtsversorgung der Schüler, die künftig zum Hönne-Berufskolleg gehören, aber nicht mehr genug Lehrer für den Unterricht haben, Sorgen machen. Gerade Lehrer mit den erforderlichen MINT-Fächern seien schwer zu bekommen. Anders als in den Beratungsdrucksachen des Kreises, nach denen keine Kosten entstehen, zeigte er den finanziellen Aufwand für die Transporte der Maschinen nach Menden auf.
Angesichts der von der Politik geforderten Fantasie bei der Umsetzung zeichnete Ingelbach diese Zukunftsvisionen auf: ein Mensaneubau auf dem Gelände des Finanzamtes gegenüber im Jahr 2019. Alternativ könne die Metallwerkstatt zu einer Mensa und die Schweißwerkstatt zur Mensa-Küche umgebaut werden. Ingelbach tritt für einen dialogischen Prozess ein: „Um Lösungen zu finden, damit bei den Umstrukturierungen der Unterricht nicht leidet“.
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