„Auf Kosten anderer etwas zu versprechen, ist immer leicht“

„Jede Art von Regulierung in dem Bereich halte ich für falsch.“ Malermeister und Firmeninhaber Jochen Renfordt ist grundsätzlich gegen eine Ausbildungsplatzabgabe, die seinen Betrieb wohl besonders hart treffen würde
„Jede Art von Regulierung in dem Bereich halte ich für falsch.“ Malermeister und Firmeninhaber Jochen Renfordt ist grundsätzlich gegen eine Ausbildungsplatzabgabe, die seinen Betrieb wohl besonders hart treffen würde
Foto: IKZ
Was wir bereits wissen
Die Kreis-Handwerkerschaft und das Gewerbe sehen eine mögliche Ausbildungsplatz-Abgabe kritisch. Die wahren Probleme seien dadurch nicht gelöst.

Iserlohn/Letmathe..  Eigentlich ist es jedes Jahr dasselbe: In den Monaten vor dem Ausbildungsstart im August trudeln nach und nach die Bewerbungen mit der Post ein, „um die 30“, sagt Jochen Renfordt, Geschäftsführer des Malereifachbetriebs Renfordt in Letmathe. Dann wird ausgesiebt, Gespräche werden geführt, mit dem Ziel, am Ende fünf Auszubildende einzustellen.

„Im Schnitt finden wir drei geeignete Kandidaten, einer bricht ab, zwei machen ihre Prüfung, einer bleibt bei uns“, erklärt der 50-Jährige weiter. Diejenigen, die gehen, fangen oft bei Firmen an, die selbst nicht ausbilden dürfen, weil ihre Inhaber nicht über einen Meisterbrief verfügen – Ausnahmeregelungen, die unter anderem im Maler-Gewerbe gelten, machen dies möglich. „Wir bilden also praktisch den Nachwuchs dieser Betriebe mit aus“, sagt Renfordt.

Ohne geeignete Bewerber droht Firmen Ungemach

Nun droht dem Letmather Unternehmen und vielen anderen Betrieben weiteres Ungemach. Weil zuletzt bei den Ausbildungszahlen in NRW rückläufige Zahlen registriert wurden, erwägt die Landesregierung die Einführung einer Art Strafzahlung für fehlende oder unbesetzte Ausbildungsplätze – Firmen, die wie Renfordt zwar Plätze anbieten, aber keine geeigneten Bewerber finden, könnten hiervon empfindlich getroffen werden.

Details zur genauen Regelung sind allerdings noch nicht beschlossen. Und dennoch: In NRW laufen zahlreiche Verbände Sturm – so auch die Kreishandwerkerschaft des Märkischen Kreises mit Sitz in Iserlohn. Deren Hauptgeschäftsführer Dirk Jedan sagt: „Diese Regelung wäre grundsätzlich ein falsches Signal, weil sie die Falschen bestraft. Im Handwerk wird sowieso schon überproportional viel ausgebildet.“

Jedans Argument: „Früher hätte das vielleicht Sinn gemacht, weil es Warteschleifen für Bewerber gab.“ Heute seien die Probleme wegen rückläufiger Bewerberzahlen komplexer. „Viele junge Leute sind orientierungslos oder haben multiple Probleme, es fehlt oft an den Sekundärtugenden“, sagt der Hauptgeschäftsführer.

„Hauptproblem wird durch Abgabe nicht gelöst“

Ein Eindruck, den auch Jochen Renfordt bestätigt, der etwa Defizite in Pünktlichkeit oder auch Sozialverhalten bei vielen Bewerbern feststellt – wenn man auch vielen jungen Menschen die Chance geben müsse, sich in der Ausbildung erst noch zu entwickeln. Renfordt sagt: „Ich halte da jede Form der gesetzlichen Regulierung für falsch. Auf Kosten anderer etwas zu versprechen, ist immer leicht.“ Das Hauptproblem, dass sich viele qualifizierte junge Leute trotz im Handwerk guter Berufschancen eher für eine Ausbildung an Hochschulen oder Universitäten entschieden, löse eine Zwangsabgabe nicht.

Ebenso wenig würde dies wohl eine so genannte Ausbildungsplatzgarantie schaffen – die Grundlage für die Idee einer Zwangsabgabe –, die sich die Landesregierung in ihrem Koalitionsvertrag als Ziel gesteckt hat. Zumindest nicht, wenn man Dirk Jedan fragt: „Das ist anachronistisch, passt nicht zur beruflichen Wirklichkeit. Es ist ein bisschen so, als würde man einem 18-Jährigen versprechen, man könne ihm die Frau fürs Leben vermitteln. Das geht nicht.“