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Neue Wege für Jungs

Auf dem Weg vom Ernährer zum Erzieher

27.07.2010 | 17:09 Uhr
Auf dem Weg vom Ernährer zum Erzieher
Miguel Diaz bei seiner Informationsverantstaltung im Iserlohner Rathaus.

Iserlohn.Iserlohn. Der „Boys’ Day“ wird kommen, das hat Bundesfamilienministerin Kristina Schröder bereits angekündigt. 2011 soll das Pendant zum erfolgreichen „Girls’ Day“, der zuletzt 120 000 Mädchen erreicht hat, bundesweit an den Start gehen. Auch ihre jüngste Forderung, für die Ausweitung der Betreuungsangebote für Unter-Drei-Jährige mehr männliche Erzieher zu gewinnen, geht in diese Richtung: Mehr Männer in Frauenberufe.

„Mit einer bloßen Kopie des ,Girls’ Days’ ist es aber nicht getan“, sagt Miguel Diaz. Um Jungs für Frauenberufe zu gewinnen, müssten traditionelle Männerbilder aufgebrochen und die Jungs beim Übergang von der Schule in den Beruf in ihren sozialen Kompetenzen gestärkt werden, so der Koordinator und wissenschaftliche Referent des Projektes „Neue Wege für Jungs“, der kürzlich auf Einladung der Gleichstellungsstelle der Stadt Iserlohn im Rathaus referiert hat. „Neue Wege für Jungs“ ist ein Projekt des Bundesfamilienministeriums, das Initiativen und Träger unterstützt, die sich mit dem Thema Berufs- und Lebensplanung für Jungen beschäftigen. Im Herbst 2009 hatte sich auch in Iserlohn auf Initiative der Gleichstellungsstelle ein Vernetzungsprojekt „Neue Wege für Jungs“ gegründet, das die spezielle Förderung von Jungs bei der Berufswahl in den Fokus stellt.

Bei seinem Vortrag in Iserlohn verdeutlichte Miguel Diaz die Notwendigkeit solcher Bemühungen - nicht weil die Jungs tatsächlich die Verlierer des Bildungssystems seien (entsprechende Zahlen zu signifikant besseren Schulabschlüssen bei Mädchen haben sich längst wieder relativiert), sondern weil die traditionellen männlichen Berufsbilder in der Industrie weg brechen und junge Männer umdenken müssen, wenn sie auf dem Arbeitsmarkt bestehen wollen. Hintergrund ist, dass die geschlechtsspezifische Berufswahl nicht nur durch die Mechanismen auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt, sondern auch und vor allem durch kulturell verankerter Rollenbilder hervorgerufen werden. Und in diesem Punkt, so Diaz, seien Jungs die größeren Problemfälle. Denn wo für Frauen ein Wechsel in die berufliche Männerwelt in den meisten Fällen ein Aufstieg bedeutet, verstößt der umgekehrte Weg gegen traditionelle Männlichkeitsideale und in punkto Einkommen auch gegen die immer noch tief verankerte Rolle des Mannes als Alleinverdiener, der für den Unterhalt der Familie aufkommt.

Daher rührt es, dass 68 Prozent der Männer nach wie vor in männerdominierte Berufe gehen, mehr als die Hälfte aller männlichen Ausbildungsanfänger konzentrieren sich auf die Top-20-Berufe, die mit dem Kfz-Mechatroniker an der Spitze fast ausnahmslos im produzierenden Gewerbe und Handwerk angesiedelt sind. Nur 1,28 Prozent gehen in Frauenberufe wie Erzieher oder medizinische Fachangestellte. Bei den Frauen sind es immerhin schon 5,2 Prozent, die den umgekehrten Weg einschlagen. Diese Trennung vollzieht sich auch bei Akademikern, wie die von einzelnen Geschlechtern dominierten Studiengänge wie Informatik (85,7 Prozent Männer) und Tiermedizin (83,6 Prozent Frauen).

Da es aber gerade die von Männern dominierten Berufe sind, die in der Entwicklung hin zur Dienstleistungsgesellschaft und bei der jüngsten Wirtschaftskrise gelitten haben, kommt es bei den Männern aktuell zu einer Erosion der Normalarbeitsverhältnisse, was die Vollzeitbeschäftigung, die Arbeitsplatzkontinuität und die soziale Sicherung betrifft. Die Erwerbsquote von Männern ist demnach von 1991 bis 2008 von 78,4 auf 74,5 Prozent gesunken. Die Erwerbstätigkeit von Frauen ist im selben Zeitraum von 54,6 auf 63,1 Prozent gestiegen.

Der „Boys“ Day“ muss also kommen, um Jungs für Frauenberufe zu gewinnen - doch nicht als bloße Kopie des „Girls’ Days“, wie Diaz betont. Denn auch wenn die männliche Versorgerrolle faktisch an Bedeutung verliert, bleibt sie als Leitbild in den Köpfen der Jungs erhalten, die ihre Zukunft daher viel zu einseitig auf die Erwerbstätigkeit ausrichten. Jungs müssen daher nicht nur mit Frauenberufen in Berührung kommen, um ihr Berufswahlspektrum zu erweitern. Sie müssen auch unterstützt werden, um ihre Rollenbilder zu hinterfragen und die Männlichkeitsmuster flexibler zu gestalten. Gleichzeitig müssen die sozialen Kompetenzen gestärkt werden, damit Jungs bei ihrer Zukunftsplanung nicht nur eingleisig den beruflichen Werdegang als Alleinverdiener, sondern eine partnerschaftliche Rolle mit aufgaben im Haus und der Kindererziehung im Blick haben.

Diese Dreiteilung bei den „Neuen Wegen für Jungs“ ist auch Helena Haack sehr wichtig, die den entsprechenden Arbeitskreis in Iserlohn betreut. Die Kompetenzagentur sowie die Streetworker der Stadt Iserlohn, aber auch andere Träger, die mit Jugendarbeit oder Berufsberatung zu tun haben, sitzen hier in einem Boot, um eine spezielle Förderung von Jungs in Iserlohn auf den Weg zu bringen. Leider seien die Schulen noch zu wenig eingebunden, wie Helena Haack bedauert. Die Beispiele von konkreten Projekten und Aktionen aus anderen Städten, die Miguel Diaz vorgestellt hat, als auch ein erster aber leider vergeblicher Versuch der Iserlohner Streetworker, männliche Jugendliche über einen Haushaltsparcours für die Arbeit im Haushalt zu sensibilisieren, hätten gezeigt, dass es unerlässlich sei, derartige Projekte in den Schulen zu platzieren. Freiwillig und unverbindlich sind die Jungs, die es am nötigsten haben, kaum zur Mitarbeit zu bewegen, wie die schwache Beteiligung beim Haushaltsparcours gezeigt habe.

Ralf Tiemann

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Kommentare
29.07.2010
15:09
Auf dem Weg vom Ernährer zum Erzieher
von The_dark_Side | #10

Macho Typen in der Chefetage?
Bogus ich bin untröstlich das sie solche Erfahrungen machen mußten, aber sie geben wohl auch ein ausgezeichnetes Opfer ab.
Ob man jedoch aufgrund ihrer wenig repräsentativen Erfahrungen gleich das Wertesystem auf den Kopf stellen muß, es sind mindestens Zweifel angebracht.

29.07.2010
09:42
Auf dem Weg vom Ernährer zum Erzieher
von Bogus_Trumper | #9

Wenn ich die Argumentation von dark Side weiterdenke, dann komme ich zu folgendem Fazit:
Männer können zwar besser den schweren Hammer schwingen, Frauen können aber besser denken und kommunizieren. Da es heute aber kaum noch Arbeiten gibt, wo der dicke Hammer geschwungen werden muss (nicht einmal bei den Dachdeckerinnen), haben wir für die Muskelmachos ja gar keine Jobs mehr. Und wenn ich mir die Schulbaschlüsse von Frauen und Männern ansehe und wenn ich mir die Fähigkeiten der Macho-Typen in den Chefaetagen so ansehen, dann finde ich nur Belege für die (von mir vollendete) These von dark Side.

28.07.2010
20:55
Auf dem Weg vom Ernährer zum Erzieher
von daniel28 | #8

Man kann einige Männer hier förmlich grunzen hören,.wenn sie über die Rollenverteilung (un-)sinnieren.

Oh ja: Frauen können auch nicht einparken!

Bin ich nun aufgenommen in den Club der ewig gestrigen Machos?

28.07.2010
20:03
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von GS Germaniae | #7

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

28.07.2010
16:39
Auf dem Weg vom Ernährer zum Erzieher
von The_dark_Side | #6

Sandkastenmodus ein:
Sind sie nicht!
Sandkastenmodus aus

Es gibt gentechnisch veranlagte Unterschiede.
z.B. sind die Ladys eher bewandert was Farbgestaltung angeht, daher sitzen in führenden Positionen in den das eine Schlüsselqualifikation ist, meistens Frauen.

Männer hingegen sind vom Körperbau eher geeignet schwere Arbeit auszuführen.

Das hat nichts mit Erziehung oder Vorurteilen zu schaffen, das sind nunmal Fakten.
Es gibt sie, die Mannsweiber, die Zentnerweise schleppen können, genauso wie die im Nägel lackieren versierten Männer.
Eine signifikante Benachteiligung dieser Gruppe kann ich aber nicht entdecken.

PS: ich hoffe sie hatten eine schöne Zeit in ihrem Ferienhaus in Frankreich?
Wie sind sie da eigentlich hingekommen, doch wohl nicht etwa mit einem klimaversauendem Auto das auch noch über über Landschaftsverschandelnde Autobahnen fährt??
Lieber Gruß

28.07.2010
16:06
Auf dem Weg vom Ernährer zum Erzieher
von Bogus_Trumper | #5

@ dark side
Wem Sie vor die Füße kotzen ist mir egal. Ich kann aber sagen, dass sowohl Frauen als auch Männer exakt gleichwertige ErzieherInnen, DachdeckerInnen, TänzerInnen und SegewayfahrerInnen sind.

28.07.2010
15:22
Auf dem Weg vom Ernährer zum Erzieher
von The_dark_Side | #4

Ja ja Bogus,
und die Gutmenschen sind noch lange nicht am Ende, das ist wohl wahr!

Erst sind es die Girls, später, wenn das erledigt ist, soll man ja nach M oder W gar nicht mehr unterscheiden können.
Erst mit der Umsetzung der Gender Richtlinienen wird allgegenwärtige Gerechtigkeit herschen, TRAUMHAFT
Nicht er oder sie bekommt einen Job, sondern es.
Könnte ja sein, das es sich im männlichen Körper um eine Frau handelt, die im Körper eines Mannes gefangen ist.
Wenn dem so ist, darf ich es dann vor die Füße kotzen?

28.07.2010
10:36
Auf dem Weg vom Ernährer zum Erzieher
von Bogus_Trumper | #3

@ The_dark_Side
Mit den wenigen Worten, die mir hier zu schreiben möglich sind, kann ich gar nicht ausdrücken, für wie ewiggestrig und Menschenrechts-verachtend ich Ihre Aussagen halte. Man kann es auch kurz und knapp ausdrücken: Dämlich bis zum todlachen!
Menschen wie Sie haben immer noch nicht verstanden, was eigentlich ungerecht daran ist, dass Frauen in der Regel in schlecht bezahlte Erzieherinnen und Altenpflegerinnen - Jobs zu finden sind und warum sich in den Chefetagen fast ausschließlich halbschlaue Männer mit Fress- und Bierbäuchen finden. Aber lassen Sie Ihre rechtsschiefe Machobrille ruhig auf. Sie könnten wahrscheinlich die Überraschung nicht verpacken, würden Sie der Realität ins Auge sehen können.
Waschlappen! Gleichmacherei! Erfahrung! Gutmenschen! Männer mit Dachpfannen im Kopf!
Gruselig!!!

28.07.2010
01:40
Auf dem Weg vom Ernährer zum Erzieher
von silent parts | #2

Natürlich kann die Jugendhilfe speziell qualifizierte männliche Erzieher gebrauchen, aber wie attraktiv ist ein Job mit diesen Arbeitszeiten und den TVÖD Tarif ?
Erziehung als Job ist eben nicht nur Handwerk, sondern verlangt auch ein gute Eigenreflexion
inklusive Rollenverständnis.

27.07.2010
17:24
Auf dem Weg vom Ernährer zum Erzieher
von The_dark_Side | #1

Nein, Nein, Nein!
Es darf einfach nicht sein, das Männer besser Dachpfannen aufs Dach schleppen können und Frauen i.d.R. die besseren Erzieherinnen sind.
Das wiederspricht den Gutmenschen für die einfach immer alles gleich sein muß.
Wenn es das nicht ist, dann wird es gleich gemacht.
Meistens sind die, die die absolute Gerechtigkeit wollen, selber die größten Waschlappen.
Erfahrung ist eben auch mit Gleichmacherei nicht zu schlagen....

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