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Kirche im Osten

„Auch nach 25 Jahren ist Hilfe erforderlich“

27.06.2012 | 18:08 Uhr
„Auch nach 25 Jahren ist Hilfe erforderlich“
Taisija Lesowaja (v. l.), Jutta Stricker, Elfriede und Paul-Hermann Schieber, Dmitrij und Jewgenija Romanienki hatten sich beim Treffen in der Reformierten Kirche eine Menge zu erzählen. Foto: Wronski

Iserlohn.  „Auch nach 25 Jahren ist die Russlandhilfe immer noch erforderlich“, meint Jutta Stricker, Vorsitzende des Hilfswerkes Kirche im Osten. „Auch wenn Wladimir Putin Gegenteiliges erklärt hat.“

Wenn heute die Gäste aus der russischen Partnerstadt Nowotscherkassk wieder zurückfahren, nehmen sie viele schöne Erinnerungen mit. Gemeinsam mit ihren Freunden aus Iserlohn feierten sie jetzt in der Reformierten Kirche und in den befreundeten Iserlohner Familien das 25-jährige Bestehen des Hilfswerkes „Kirche im Osten“.

„Auch nach 25 Jahren ist die Russlandhilfe immer noch erforderlich“, meint Jutta Stricker, Vorsitzende des Hilfswerkes Kirche im Osten. „Auch wenn Wladimir Putin Gegenteiliges erklärt hat.“

Aus ihren regelmäßigen Besuchen in „Nowo“ weiß sie: „Gerade unter den alten Menschen und bei kinderreichen Familien gibt es nach wie vor eine große Bedürftigkeit.“ Und Pastor Romanenko hat bei seinem letzten Besuch deutlich gemacht, wie sich materielle Unterstützung aus Deutschland auswirkt: Lebensmittelpakete und andere Spenden sind direkte Hilfe für Bedürftige. Besuche und andere Formen der Zuwendung sind moralische Hilfe für die alten, allein­stehenden Menschen. Die Hilfsaktionen seien eine Wiedergutmachung und helfen bei der Heilung alter Kriegswunden.

Jutta Stricker erinnert an die Anfänge: „Angefangen hat dies 1987 mit einem kleinen Arbeitskreis innerhalb der Evangelischen Kirchengemeinde Iserlohn. Die Initiatoren hatten alle gewissermaßen ein russisches Gen in sich.“ Sie nennt Prof. Horst Schmenkel, der 2001 verstarb und das Ehepaar Elfriede und Paul-Hermann Schieber. „Was uns verband, war das Anliegen, über die Situation der verfolgten Christen in Russland zu informieren.“

Als Iserlohn vor 20 Jahren die Städtepartnerschaft mit Nowotscherkassk begründete, wurden auch auf kirchlicher Ebene Kontakte geknüpft. 1994 gründete sich ein Verein, der insgesamt 40 Hilfsgütertransporte auf die Reise schickte, bis der russische Zoll diese Arbeit verhinderte. Danach sei die Aktion Babuschka, die Unterstützung bedürftiger Rentner, gestartet worden. Ein weiteres Projekt ist ein Mädchenwohnheim, das jungen Mädchen nach ihrer Zeit im Waisenheim hilft. Weitere Projekte sind Medizinfonds, Förderung christlicher Ferienlager und Hilfe für kinderreiche Familien.

Die „Nowo“-Hilfe aus Iserlohn setzt auf persönliche Reisetätigkeiten. „Ich fahre alle zwei Jahre hin, und einmal im Jahr kommt Pastor Romanenko“, erzählt Jutta Stricker. „Wir übergeben das Geld in bar und bekommen von der Gemeinde eine Übersicht, wo das Geld geblieben ist.“ Und von ihrem letzten „Nowo“-Besuch hat sie 150 Dankesbriefe an die Paten mitgebracht. Die russischen Gäste hatten bei ihrem Iserlohn-Besuch erneut 20 Briefe an die Paten dabei. Zum Kreis der Spender gehören Förderer aus Iserlohn, Hemer, München und Berlin. Dem Verein gehören derzeit 40 Mitglieder an. „Unser größtes Projekt sind die ,Babuschkas’ und ,Hilfen für kinderreiche Familien’“, stellt Jutta Stricker die Schwerpunkte heraus. „Pastor Romanenko hat uns erklärt, dass die kinderreichen Familien mehr Hilfe benötigen. Deswegen suchen wir auch Patenschaften für diesen Kreis.“ Der Verein unterhalte 160 Patenschaften in „Nowo“ und 60 in Taganrog, der Partnerstadt von Lüdenscheid.

In ihrem Rückblick erinnert Jutta Stricker an die vielen Aussiedler, die in den ersten Jahren bei den Hilfslieferungen mit anpackten. „Die Aussiedlerarbeit war von Anfang an das zweite Standbein von Kirche im Osten. Das Ehepaar Schieber kümmerte sich um diese, nachdem ab 1990 die ersten größeren Ströme russisch-deutscher Aussiedler nach Iserlohn kamen, die dringend kleiner Alltagshilfen bedurften, erzählt sie. Nach 20 Jahren übernahm die Gesellschaft der Deutschen aus Russland dieses Engagement.

Wer die Arbeit des Hilfswerkes Kirche im Osten unterstützen möchte, kann sich an Jutta Stricker wenden, unter  25750 oder eno.kio@web.de

Von Cornelia Merkel



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