Auch Bücher haben Haltbarkeitsdaten

Eine riesige Fundgrube für Freunde des gedruckten Worts: Abertausende von aussortierten Medien warteten am Samstag auf die Besucher der Stadtbücherei.
Eine riesige Fundgrube für Freunde des gedruckten Worts: Abertausende von aussortierten Medien warteten am Samstag auf die Besucher der Stadtbücherei.
Foto: IKZ
Was wir bereits wissen
Ganz große Auswahl zum ganz kleinen Preis beim Medienmarkt der Stadtbücherei.

Iserlohn..  „Wie viel muss ich zahlen?“, fragt die ältere Dame und legt den Stapel mit Büchern, die sie nach einer ausgiebigen Sichtung des Angebots zusammengetragen hat, auf dem kleinen Tisch im Eingangsbereich der Stadtbücherei ab. „Entscheiden Sie selbst“, lautet die Antwort des Büchereimitarbeiters, die er im Laufe des Samstagvormittags noch sehr häufig wiederholen wird und die fast immer bei die den vielen Besuchern des Bücher- und Medienmarktes für Verblüffung sorgt. Die ältere Dame zumindest lässt sich nicht lumpen, zückt einen kleinen Schein aus ihrer Börse und verlässt mit einem zufriedenen Lächeln und reichlich Lesefutter versorgt die Stadtbücherei in Richtung Wermingser Straße.

Im Magazin schlummern noch viel mehr Schätze

Während die Literaturfreunde, teils hoch konzentriert, teils mit sichtbarem Spaß an der Schatzsuche, in den Dutzenden von Kartons wühlen, in denen die Bücherei-Mitarbeiter die Medien vom Roman über das Sachbuch bis hin zur Musik-CD verstaut haben, die nicht länger für die Ausleihe taugen und daher für ganz kleines Geld abgegeben werden, sitzt Christa Volkmann zwei Stockwerke höher am Informationsschalter, um die auch an diesem Samstag zahlreiche Kundschaft der Stadtbücherei zu beraten. Wie viele Medien unten auf neue Besitzer warten? „Das kann ich wirklich nicht genau sagen. Aber es werden Tausende sein“, sagt die Mitarbeiterin, die sonst ihren Dienst in Letmathe tut, „und das ist nur ein Bruchteil dessen, was bei uns noch im Magazin lagert“.

Für die Entscheidung indes, wann ein Medium, ob Buch, DVD oder CD, seine Schuldigkeit als Leihobjekt getan hat, gibt es durchaus konkrete Kriterien, berichtet Christa Volkmann. „Eine Bücherei sollte in ihrem Bestand rund zwei Drittel an Medien haben, die nicht älter als zehn Jahre sind“, erklärt die Fachfrau, die auch ein verändertes Nutzerverhalten bei den Büchereikunden erkennt: „Was alt ist oder schon etwas vergilbt, das bleibt im Regal stehen. Das Äußere zählt immer mehr.“ Gebundene Bücher also, die zum einen ihr „Haltbarkeitsdatum“ beim Publikumsinteresse überschritten haben und vielleicht das eine Eselsohr oder die andere angestoßene Ecke haben, landen folgerichtig zumeist in den Kartons für den Medienmarkt. Manchmal jedoch bleibt ein Medium dem Bücherei-Bestand erhalten trotz des nicht mehr ganz taufrischen äußeren Scheins. „Diese DVD ist schon weit über 300 Mal ausgeliehen worden“, erzählt Christa Volkmann und zeigt auf den Film, der neben ihr auf dem Tisch liegt. „Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran“ ist es, mit dem jüngst verstorbenen Omar Sharif in der Hauptrolle.

„Eigentlich wäre das ein Fall für den Medienmarkt, aber den Film gibt es nicht mehr zu kaufen, den können wir darum auf gar keinen Fall abgeben.“ Und so wird „Monsieur Ibrahim“ in Kürze wieder in das knapp 100 000 Medien umfassende Bücherei-Angebot einsortiert und so lange verliehen, so lange das Trägermedium es eben erlaubt.

„Das Buch ist nicht totzukriegen“

Christa Volkmann blickt mittlerweile auf 38 Jahre Berufserfahrung zurück. Doch trotz aller Unkenrufe, die bereits vor 20 Jahren mit dem beginnenden Siegeszug des Internets aufkamen, glaubt sie an eine Zukunft für das gedruckte Wort und damit auch eine Zukunft für öffentliche Büchereien. Und der Blick in den Ausleihbereich, wo sich auch an diesem Samstag trotz besten Wetters Dutzende von Besuchern viel Zeit nehmen, um sich mit Lektüre zu versorgen, gibt ihr Recht. „Das Buch“, so Christa Volkmann, „ist nicht totzukriegen“.