Attacken auf die Lachmuskeln
23.10.2011 | 16:19 Uhr 2011-10-23T16:19:00+0200
Iserlohn.Was für ein herrlicher Travestieabend. Das Wiedersehen mit „Ham & Egg“ im Parktheater geriet zu einer höchst amüsanten und unterhaltenden Attacke auf die Lachmuskeln.
Der Name „Ich freu mich“ war Programm anlässlich des Jubiläumzum 15-jährigen Bestehen: Das Kölner Kleinkunst-Duo bot in seiner bunten Revue der Pop- und Schlagerhöhepunkte aus vier Jahrzehnten eine sagenhafte Fülle an traumhaften, zum Teil verwegenen Kostümierungen auf.
Es fing ganz harmlos an als Filmvorführung auf der Bühne: Paul Ankas Hit „She’s a lady“ erklang und das Theaterpublikum sah den Künstlern beim aufwendigen Tunten-Styling zu, der Rasur und der Schminkaktion. Dann beim Posieren mit schrill-gelben Perücken und Kussmündchen. „Ham & Egg“ gaben die Parole aus „Jetzt ist Showtime – mit viel Herz“. Sie erschienen wie aufs Stichwort als ein überdimensionales Herz. Dieses Motiv tauchte später noch einmal in anderen Kostümierungen auf. Überhaupt: „Aus Spaß verkleidet“ ist ihr Credo, für das sie einen schier unerschöpflichen Fundus an Perücken, riesigen Federkragen, bunten Boas und jede Menge Flitterkram anlegten, den sie in der schillernden Show effektvoll in Szene setzten: Die beiden Künstler verwandelten sich in „schöne Mädchen mit großen Handtaschen“, in plüschige Autos, in Karussells oder Roulette-Spieltische. Herrlich auch ihre deutsche Antwort auf „Evita“ in einem riesigen Reifrock mit krakenartigen Armen und gebauschten Puffärmeln.
Ihrem „besonders würzigen Humor“ waren keine Grenzen gesetzt: Sie kokettierten mit tuntenhaftem Verhalten und wiegenden, die Hüften betonenden, weiblichem Gang und Tanz auf extremen „High Heels“. Dabei hauten sie allerlei anzügliche und obszöne Sprechweisen raus – sehr zum Vergnügen des begeistert applaudierenden Publikums. Der Oberhammer war ihre Persiflage „Das ist alles Silikone“ mit monströsen weiblichen Brust- und Po-Imitaten und einer „Giganto-Spaghetti-Frisur“.
Angesichts der allenfalls 200 Besucher im Parktheater ließen sie sich nicht entmutigen: „Wir werden die Bude rocken.“ Das schafften sie auch auf Anhieb. Der Funke zum Publikum sprang schnell über, was sich im rhythmischen Mitklatschen bei fast jedem Schlagertitel zeigte. Die Zuschauer sangen gerne in Gruppen mit bei Bata Ilic’ „Michaela“.
„Ham & Egg“ boten neben lustigen, schrillen Nummern auch nachdenkliche Lieder und Balladen. Die Hommage an die unvergessene Trude Herr mit dem Lied „Manchmal“ gehörte zu den Höhepunkten des Abends. Aber auch das Lied „So leb Dein Leben“ von Mary Roos zum Finale.
In der Pause und am Ende des fast dreistündigen bejubelten Programms schwärmten die Besucher von den fantasievollen Hüten und Kleidern, die eine Schneiderin den beiden in 6000 Stunden auf die üppigen Leiber genäht hatte. Und staunten über die enorme Geschwindigkeit, in der die Travestiekünstler ihre aufwendigen Kostümierungen wechselten. Dass zum Finale drei (!) Garderobieren mit auf die Bühne kommen durften, löste das Rätsel. Die Lichtorgel war aber etwas zu viel des Guten und sorgte für übertriebene Blendmanöver im Zuschauersaal.
Am Ende verwandelten sich die zauberhaften Diven nach dem Abschminken und dem Abwerfen der Kostüme in normale Männer in Jeans und Karo-Hemd – die gemeinsam mit dem Publikum zwei Zugaben sangen, bevor sie hochzufrieden den Heimweg antraten. Das Motto des Abends ist aufgegangen: Große Freude bei Künstlern und Zuschauern.
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