Angehörige randalierten auf der Intensivstation
19.05.2008 | 08:41 Uhr 2008-05-19T08:41:00+0200
Iserlohn. Mit am Ende insgesamt neun Einsatzfahrzeugen musste die Polizei in der Nacht zum Sonntag zum Krankenhaus Bethanien ausrücken, um die randalierenden Angehörigen einer Verstorbenen zu beruhigen.
Um 4.35 Uhr wurden die Polizei zur Intensivstation des Krankenhauses Bethanien gerufen. Nachdem dort eine 56-jährige türkische Patientin mit dem Notarztwagen eingeliefert worden war, konnten die behandelnden Ärzte in der Intensivmedizin ihr nicht mehr helfen. Als die Frau an Herzversagen verstorben war, begannen die anwesenden zwölf Angehörigen, Männer und Frauen, die Einrichtung des Aufnahmezimmers zu beschädigen, Stühle und Behandlungstische umzuwerfen. Auch für Horst Hennig, Geschäftsführer des Evangelischen Krankenhauses Bethanien, ein „ungewöhnlicher Vorgang”. „Es kommt immer wieder zu heftigen Reaktionen von Schmerz, Trauer und Verzweiflung, aber dies ist sicherlich eine bisher nicht dagewesene Ausnahmesituation.” Hennig bestätigte, dass bei dem dann ausbrechenden Konflikt Bilder zerstört worden seien, die Tür zur Intensivmedizin aufgemacht worden sei, medizinisches Gerät sei aber nicht beschädigt oder zerstört worden.
Die Beamten versuchten vergeblich, die Trauergemeinde zu beruhigen. Sie wurden von den Frauen und Männern mit Faustschlägen und Tritten attackiert. Die Polizisten zogen sich dann zunächst zurück, um auf Verstärkung zu warten, bis insgesamt neun Einsatzfahrzeuge mit 18 Beamten vor Ort eintrafen. Aber auch die Trauergemeinde hatte telefonisch Verstärkung angefordert, so dass die Ordnungshüter schließlich vor dem Krankenhaus 40 Gegnern gegenüberstanden. Erst mit dem Einsatz von Pfefferspray gelang es nach insgesamt eineinhalb Stunden, den Tumult im und vor dem Krankenhaus zu beenden. Gegen neun Frauen und Männer der randalierenden Trauergemeinde wurden Anzeigen wegen Widerstand, Bedrohung, Beleidigung, Körperverletzung und gefährlicher Körperverletzung erstattet.
„Welche Maßnahmen wir ergreifen, das werden wir am Montag in einem Gespräch klären”, sagte Hennig am Sonntag auf Anfrage. Es solle auf jeden Fall am Montag ein Gespräch mit dem Integrationsrat der Stadt Iserlohn stattfinden. Hennig lobte gegenüber der Heimatzeitung aber den „deeskalierenden und beruhigenden Einsatz der Polizei in diesem Fall”. Und die durch den Einsatz von Pfefferspray geschädigten Familienangehörigen seien noch am frühen Morgen im Krankenhaus ambulant behandelt worden.