Andere mit dem eigenen Hunger anstecken

Jan Paul Kipp
Jan Paul Kipp
Foto: Michael May
Was wir bereits wissen
Der Iserlohner Jan Paul Kipp (22) war zehn Monate lang als Jung-Missionar in Hong Kong und Shanghai. Nun erzählt er seine Geschichte

Iserlohn..  Die Geschichten, die Jan Paul Kipp von seiner China-Reise erzählt, erinnern fast an die Anfänge des Christentums: Gemeinden, die sich unerkannt im Untergrund treffen, Menschen, die noch nie von Jesus gehört haben, und er selbst als Missionar, der wirklich die frohe Botschaft verkünden konnte – rein und unverfälscht. „Das war überwältigend“, beschreibt der 22-Jährige seine Erlebnisse. Nicht im Traum hätte er so etwas erwartet. Tagtäglich habe er Menschen, die zuvor noch nie vom Evangelium gehört hatten, mit Jesus bekannt machen können. „Ich habe täglich erlebt, wie diese Menschen die Bibel als Wahrheit angenommen haben, und wie sie hungrig danach wurden.“

Zehn Wochen lang war Jan Paul Kipp mit der Organisation „Jugend mit einer Mission“ (JMEM) in Hong Kong und Shanghai unterwegs. Und diesen ganz besonderen Hunger auf die Bibel, den er dort erlebt hat, kann Jan Paul Kipp selbst bestens nachvollziehen. Und das obwohl er in Iserlohn überaus kirchennah aufgewachsen ist. Sowohl die Mutter Dagmar Kipp als auch sein Vater Manfred Kipp sind aktive und engagierte Mitglieder der innerstädtischen Versöhnungs-Kirchengemeinde. Von klein auf gehörte das Leben in der Gemeinde bei ihm dazu, und er selbst wurde auch ein aktiver Christ, der zuletzt auch zum Mitarbeiter-Team im Jugendtreff „Checkpoint“ an der Obersten Stadtkirche gehörte.

Nach dem Abitur am Stenner-Gymnasium ist er dann nach Freiberg in Sachsen gegangen, um Wirtschaftsingenieurwesen zu studieren. Und genau da – als er sein religiöses Nest verlassen hatte – wuchs sein Hunger nach mehr ins unermessliche. Er habe deswegen in Sachsen nach neuen Quellen gesucht, sich nach Bibelschulen umgesehen und auch schnell gemerkt, dass er sich nicht nur nebenbei damit beschäftigen wollte. „Ich wollte den nächsten Schritt machen und mich für eine gewisse Zeit voll und ganz auf die Bibel konzentrieren“.

Sein Weg führte schließlich nach Herrnhut an der tschechischen Grenze, wo JMEM eins seiner Zentren unterhält, um eine halbjährige Schulung zu genießen. Zusammen mit 70 jungen Gleichgesinnten hat er dort in den ersten drei Monaten eine Art Bibelschule absolviert. In kleineren Gruppen ging es dann zum „Outreach“ für zehn Wochen ins Ausland. Marokko, Indonesien, Thailand, Indien – die weltweite Organisation verfügt über 150 Niederlassungen in nahezu allen Ländern. Zusammen mit elf anderen Jung-Missionaren fiel bei Jan Paul Kipp die Wahl auf China.

Dort erlebte er ein sehr vielfältiges Bild von Religion und gelebtem Christentum. Die Großstädte, in denen er wirkte, seien sehr westlich geprägt gewesen und von daher eher atheistisch ohne gelebtem Glauben. Die wenigen Christen üben ihren Glauben in ganz unterschiedlichen Formen aus, teils offen in normalen Kirchen, teils aber auch im Verborgenen. Vor allem hat der junge Missionar aber eine sehr offene Gesellschaft erlebt, in der es in vielen unterschiedlichen Formen, an den Universitäten, in Runden, die sich zum Englischsprechen treffen, und an anderen Orten vielfältige Möglichkeiten ergaben, um mit jungen Menschen in Kontakt zu kommen, denen das Evangelium noch gänzlich fremd war.

„Das hat auch sehr viel mit mir selbst gemacht“, sagt Jan Paul Kipp. Das letzte halbe Jahr habe ihn grundlegend verändert. Er habe nun eine sehr viel intensivere Beziehung zu Gott, die nun auch seinen normalen Alltag durchdringe. „Das wird den Rest meines Lebens sehr beeinflussen“, vermutet er. „Ich hätte nicht gedacht, dass ich selbst für mich persönlich daraus so viel mitnehme. Man wächst, wenn man anderen von Jesus erzählt.“

Genau davon zu erzählen und diese Erfahrung weiterzugeben, ist nun Ziel seiner dritten Station, die ihn zurück nach Iserlohn geführt hat. Denn es gehört zum Konzept von JMEM, dass die jungen Missionare ihre Erfahrungen in der Heimat weitergeben. Dahinter steht auch die Idee, dass sie in der Verkündigung des Evangeliums diese frohe Botschaft noch einmal ganz neu und in ihrer unverfälschten und ursprünglichen Form kennen gelernt haben. Gerade diese Erfahrung tue den Gemeinden in Europa, wo das Evangelium längst zur alltäglichen Selbstverständlichkeit geworden ist, gut.

Zusammen mit zehn weiteren Jung-Missionaren ist er in diesem Rahmen bis Freitag in Iserlohn. Vor allem im Jugendcafé „Checkpoint“ ist er zu den üblichen Öffnungszeiten für jeden ansprechbar, der mehr über seine Zeit in China und seine Arbeit als Missionar erfahren möchte. Wie es danach weiter geht, ist Jan Paul Kipp noch nicht ganz klar. Sein Studium hat er ja nur auf Eis gelegt, die Wirtschaft interessiert ihn weiterhin brennend, und dort sieht er auch im Grunde seine berufliche Zukunft. Einen beruflichen Einstieg in die Kirche, bei „Jugend mit einer Mission“ oder in eine soziale Arbeit im Ausland, wie sie andere junge Missionare wählen, schließt er jedenfalls aus. Stattdessen möchte er sein Leben als Missionar ganz natürlich in sich tragen und hier im ganz normalen Alltag und in einem ganz anderen Beruf ausleben. Schließlich kann man auch hier andere Menschen mit diesem besonderen Hunger nach der Bibel anstecken.